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Einführung verschoben : Elektronische Lohnsteuerkarte kommt erst 2013

  • Aktualisiert am

Hat nun doch noch nicht ausgedient: die Lohnsteuerkarte in Papierform Bild: dpa

Die für das kommende Jahr geplante Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte wird sich um ein Jahr verschieben. Der Grund sind Probleme bei der Übertragung der Daten.

          Die Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte verzögert sich bis ins Jahr 2013. Wie das Bundesfinanzministerium am Freitag in Berlin bestätigte, beschloss die Finanzministerkonferenz der Länder am Donnerstag eine abermalige Verschiebung. Eigentlich hätte die elektronische Datenbank, die die Lohnsteuerkarten aus Papier ersetzen soll, bereits Anfang 2012 in Betrieb gehen sollen. Wegen anhaltender technischer Probleme war der ursprüngliche Starttermin zunächst auf das zweite Quartal 2012 verschoben worden, nun auf Anfang 2013. Die aktuell noch gültige Lohnsteuerkarte 2010 - sie war die letzte Karte aus Papier - behält damit auch 2012 noch ihre Gültigkeit.

          Für die Bürger bedeutet dies, dass sie Änderungen auf ihrer Karte wie Steuerklasse oder Kinderfreibeträge weiterhin bei ihrem Finanzamt melden müssen. Wenn die elektronische Karte 2013 funktioniert, werden solche Daten direkt von der Gemeinde den Finanzämtern gemeldet und in die Karte eingetragen.

          Ausdruck als Kontrolle der Daten

          Die Lohnsteuerkarte aus Papier ist bereits seit 2010 abgeschafft. Damit müssen die Arbeitnehmer ihre Karte nicht mehr an ihre Personalabteilungen schicken. Dort werden einfach die Daten der alten Karten übernommen und in Einzelfällen geändert. Arbeitnehmer, die in den vergangenen vier Monaten eine Änderung beim Finanzamt beantragt haben, erhalten zur Kontrolle im Dezember einen neuen Ausdruck geschickt. „Diesen Service sind wir unseren Kunden schuldig“, sagte die Präsidentin der Oberfinanzdirektion, Andrea Heck.

          Die elektronische Lohnsteuerkarte

          Was steckt hinter der elektronischen Lohnsteuerkarte?

          Sie ist eigentlich keine Karte mehr, sondern eine Datenbank: Was früher auf der Vorderseite der Lohnsteuerkarte stand, ist künftig in der zentralen Datenbank namens ELStAM erfasst. ELStAM steht für „Elektronische Lohnsteuer-Abzugs-Merkmale“. Sobald das System angelaufen ist, kann der Arbeitgeber darauf zurückgreifen, um den Lohnsteuerabzug seiner Beschäftigten zu ermitteln. Dort steht dann geschrieben, in welcher Steuerklasse der Arbeitnehmer ist, wie viele Kinder er hat, welche Freibeträge er beantragt hat und welcher Religionsgemeinschaft er angehört. Einem neuen Arbeitgeber müssen Beschäftigte künftig ihr Geburtsdatum und die steuerliche Identifikationsnummer mitteilen, damit dieser auf die Datenbank zugreifen kann.

           

          Was passiert mit der Papierkarte?

          Zum letzten Mal bekamen Arbeitnehmer für 2010 eine Lohnsteuerkarte aus Papier zugeschickt. Sie galt auch 2011 weiter, als die Umstellung auf das elektronische System schon in vollem Gange war - und die Initiatoren zuversichtlich, dass es 2012 in Betrieb geht. Weil sich nun die ELStAM-Einführung bis ins Jahr 2013 verzögert, ist die Lohnsteuerkarte für 2010 noch ein weiteres Jahr, also auch für 2012 gültig.

           

          Wozu dienen die ELStAM-Infoblätter?

          In den vergangenen Wochen bekamen die rund 40 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland einen Brief ihres Finanzamts. Er informiert darüber, welche Lohnsteuermerkmale über eine Person in der neuen Datenbank vermerkt wurden. Bei manchen haben sich in den Infoblättern Fehler eingeschlichen. Betroffene sollten diese gleich dem Finanzamt melden und sich ein korrigiertes Infoblatt ausstellen lassen. Sobald das ELStAM-System in Kraft ist, werden die Abzüge sonst falsch berechnet. Auch muss das Schreiben 2012 beim Arbeitsplatzwechsel vorgelegt werden - ist es falsch, übernimmt der neue Arbeitgeber die Fehler in seine Unterlagen.

           

          Was ist bei Änderungen und Korrekturen der Lohnsteuermerkmale zu tun?

          Lohnsteuermerkmale, die 2010 noch richtig waren, können 2012 längst veraltet sein, etwa wenn jemand geheiratet oder ein Kind bekommen hat. Ein Arbeitnehmer, bei dem sich Änderungen ergeben, muss diese dem Finanzamt melden und sich ein neues Infoblatt ausdrucken lassen. Diesen Ausdruck bringt er zu seinem Arbeitgeber, damit dieser die Änderungen bei der Berechnung des Lohnsteuerabzugs berücksichtigt.

           

          Was ist 2012 bei einem Arbeitsplatzwechsel zu tun?

          Wer 2012 den Arbeitsplatz wechselt, muss dem neuen Arbeitgeber die Lohnsteuerkarte für 2010 und das ELStAM-Infoblatt vorlegen. Wer bisher noch keine Lohnsteuerkarte hatte, muss sich beim Finanzamt einen Ausdruck anfordern, auf dem die gleichen Angaben stehen wie auf dem Infoblatt. Dieses Papier dient quasi als Ersatz-Lohnsteuerkarte und muss beim Arbeitgeber abgegeben werden.

           

          Müssen für 2012 wieder Freibeträge beantragt werden?

          Vermutlich müssen Freibeträge nicht neu beantragt werden, endgültig ist das aber in diesen Tagen noch nicht geklärt. Aller Voraussicht nach gelten mit den Angaben der Lohnsteuerkarte 2010 auch die damals darauf vermerkten Freibeträge mit allen Rechtsfolgen weiter, das heißt: Wer einen Freibetrag eingetragen hat, muss auch eine Steuererklärung machen. Experten raten dazu, genau zu prüfen, ob die eingetragenen Freibeträge noch richtig sind, und sie gegebenenfalls zu ändern. Die Anträge dafür sollten so schnell wie möglich erfolgen, damit die Änderungen möglichst früh im kommenden Jahr gelten.

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