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Eine neue Weltfinanzordnung : Bretton Woods II

  • -Aktualisiert am

Die Bretton-Woods-Konferenz 1944 Bild: AFP

Die Staatschefs der G-8-Länder wollen eine völlig neue Finanzordnung. Dafür organisieren sie einen Weltfinanzgipfel. Mehr Überwachung, neue Bilanzregeln und was sonst noch kommt: Ein Blick auf die Agenda.

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          Das Ziel ist mehr als ambitioniert. Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung soll entstehen, wenn sich im November die Regierungschefs der G-8-Staaten in Amerika zum Weltfinanzgipfel zusammenfinden. Ein Ort und der Termin stehen noch nicht genau fest. Klar ist aber bereits, dass neben den sieben führenden Industriestaaten und Russland (G-8-Staaten) Länder wie China, Indien, Brasilien und Australien mit von der Partie sein sollen (Amerika und Europa planen Serie von Finanzgipfeln). Denn ohne sie lässt sich ein neues Weltfinanzsystem nicht bauen. Längst sind sie große Spieler in der international vernetzten Finanzwelt. Wenn es künftig um eine größere Transparenz, ein besseres Risikomanagement und eine schärfere Aufsicht geht, dürfen sie nicht fehlen.

          Besonders die Länder der Europäischen Union forcieren neue Konzepte. Sie haben nicht nur mehr als zwei Billionen Euro an staatlichen Hilfen für die Banken bereitgestellt. Sie wollen generell mehr Einfluss ausüben. Denn bisher haben vor allem die Amerikaner das Geschehen an den Finanzmärkten dominiert. Zusammen mit den Briten bestimmten sie die Spielregeln und sträubten sich gegen Regulierungen.

          Der Schock der vergangenen Wochen sitzt tief, die Sehnsucht nach Regulierung ist inzwischen so stark, dass sich kaum noch jemand scheut, von einem neuen "Bretton Woods" zu sprechen. Im Jahr 1944 hatten sich bei einer Konferenz in Bretton Woods (im amerikanischen Bundesstaat New Hampshire) 40 Staaten geeinigt, mit einem umfassenden Regelwerk die Stabilität des internationalen Währungssystems zu gewährleisten. Details zum Gipfel sind rar, doch wichtige Themen zeichnen sich ab:

          Mehr Überwachung

          Die Finanzkrise hat offenbart, dass sie sich schnell und global verbreitet. Daher fordern Politiker mehr Kontrolle und mehr Transparenz im Bankgeschäft. Angedacht ist eine Reform der Finanzaufsicht. So könnte es für die 30 größten Finanzgruppen eine internationale Aufsicht geben. Eine Idee: Der Internationale Währungsfonds (IWF) fungiert als eine Art Finanzpolizei. Der IWF hätte die Möglichkeit, neue Regeln für die Finanzmärkte aufzustellen und Strafen zu verhängen, wenn sie nicht eingehalten werden. Auch wenn die Europäer dieses Konzept unterstützen, bleibt die Frage, ob eine neue Großbehörde wirklich effizient arbeitet. Ebenso ist unklar, ob sie jemals gegründet wird. Denn schon innerhalb der EU gelingt es nicht, eine einheitliche Finanzaufsicht zu etablieren. Keiner der Staaten mag Einfluss abgeben. Bisher arbeiten nationale Aufseher nebeneinander, statt ihren Einfluss zu bündeln. Immerhin: Die Vertreter der nationalen Finanzaufsichten in den 27 EU-Staaten wollen sich nun öfter treffen.

          Neue Bilanzregeln

          Eine weiterere Reformidee betrifft Bilanzregeln: Denn die internationale Rechnungslegungsvorschrift IFRS hatte die Krise teilweise verschärft, weil Vermögenswerte nach aktuellen Marktkursen zu bewerten sind. Das führte zu Abschreibungen und Verlusten. Nun hofft die Finanzbranche auf eine weitere Lockerung der Regeln. Europas Banken müssen ihre wertlos gewordenen Aktiva nicht mehr zum aktuellen Marktwert in die Bücher nehmen. Das Problem: Diese Regelung bezieht sich nicht auf alle Wertpapiere. Unklar bleibt auch, ob laxere Regeln die Krise wirklich entschärfen können, besonders bei den komplex strukturierten Wertpapieren. Einige müssen weiterhin nach dem Marktwert berechnet werden. Dass es genau darüber Streit geben wird, ist jetzt schon klar. Denn den amerikanischen Politikern gefällt die Aufweichung der IFRS-Regeln in Europa gar nicht.

          Regulierung von Hedge-Fonds

          Gerade bei europäischen Politikern finden Hedge-Fonds wenig Unterstützung. Kein Wunder, dass diese weitgehend unregulierten Investmentfirmen sich auf eine härtere Gangart einstellen müssen. Es gab schon neue Regeln in Amerika: Sie mussten ihre Leerverkaufspositionen an die amerikanische Börsenaufsicht melden. Dass sich die Regierungen weltweit auf weitere Zwänge verständigen, ist eher unwahrscheinlich. Zumal die Bedeutung der Fonds sinkt. Sie geraten in die Defensive, weil ihre Investoren in der Krise viel Kapital abziehen.

          Kampf den Steueroasen

          Ob Jersey, Bermudas oder Liechtenstein - mindestens 70 solcher Steueroasen gibt es weltweit. Sie haben kaum etwas mit der Finanzkrise zu tun, trotzdem wollen gerade deutsche Politiker den Weltfinanzgipfel nutzen, um gegen sie vorzugehen. Aus deutscher Sicht ist das Anliegen verständlich, weil Deutschland keine Steueroasen hat. Doch das Thema ist hochumstritten, nicht nur in der EU. Frankreich und Großbritannien haben solche Oasen und werden nicht darauf verzichten wollen.

          Gehälter und Boni

          Das Bonussystem der Banker solle langfristig angelegt sein, lautet eine Forderung. Bisher mussten viele Finanzmanager auch bei Verlusten kaum finanzielle Einbußen fürchten. Die Beschränkung der Banker-Einkommen auf 500000 Euro in Deutschland ist umstritten, trotzdem wird die Bezahlung der Bankmanager auf der Agenda des Gipfels stehen. Weltweit einheitliche Vorgaben bei ihrer Bezahlung werden die Banker jedoch kaum fürchten müssen. Dazu ist die Sorge der einzelnen Länder, für gute Banker an Attraktivität zu verlieren, einfach zu groß.

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