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Staatsgründung : Ein koreanisches Desaster

Fließbandarbeit statt Selbstverwirklichung: Viele Menschen arbeiten in Nordkoreas großen Fabriken, um wirtschaftlich abgesichert zu sein. Bild: EPA

Nordkorea feiert den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung. Doch wie viel gibt es für Kim Jong-Un und seine Gefolgschaft zu feiern? Das Land steht wirtschaftlich erschreckend schwach da.

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          Die Militärs in Nordkorea trainieren schon seit Wochen das Marschieren, wie Satellitenbilder zeigen. Am Sonntag wird das Regime in Nordkorea mit einer großen Parade in Pjöngjang den 70. Jahrestag der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea feiern. Das militärisch dominierte Ereignis steht im Gegensatz zu der Ankündigung des Machthabers Kim Jong-un, sich jetzt, nachdem die Atomwaffenraketen erlangt seien, dem wirtschaftlichen Aufbau des Landes zu widmen. Doch wirtschaftliche Erfolge kann der Staat auch sieben Jahrzehnte nach der Gründung kaum vorweisen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          „Nordkorea hat in den vergangenen Jahrzehnten versagt, und zwar auf desaströse Art und Weise“, sagt der Ökonom Kim Byung-yeon von der Seoul National University. 65 Jahre nach Ende des Koreakriegs liegt das Einkommen je Kopf im Norden bei 3 bis 4 Prozent des südkoreanischen Niveaus. Die Lebenserwartung eines Nordkoreaners, der heute geboren wird, wird auf 71,7 Jahre geschätzt. In Südkorea sind es zehn Jahre mehr. 40,8 Prozent der Bevölkerung im Norden sind unterernährt, gegenüber gerade mal 2,5 Prozent im Süden. Egal, welche Daten man heranzieht, sie alle belegen, wie sehr die beiden koreanischen Staaten sich seit dem Koreakrieg 1953 auseinanderentwickelt haben. Der Vorsprung des Südens ist so groß, dass selbst die Unsicherheit, die allen Statistiken über das verschlossene Nordkorea eigen ist, die Differenz nicht erklären kann. Satellitenbilder aus der Nacht zeigen Südkorea üblicherweise hell erleuchtet, während der Norden als dunkles Loch versinkt.

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