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Insektenschutz : Bienen gerettet, Geld verloren

Der Unternehmer Hans-Dietrich Reckhaus auf dem insektenfreundlichen Flachdach seiner Insektizid-Fabrik am Rand von Bielefeld Bild: Stefan Finger

Ausgerechnet ein Insektizid-Hersteller hat früh die Liebe zur Biene entdeckt. Von einem, der auszog, die Tierchen zu retten.

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          Hans-Dietrich Reckhaus ist ein Pionier. Der Unternehmer aus Bielefeld hat sich schon für Insekten eingesetzt, als es in Deutschland noch nicht mehrheitsfähig war, für Blühstreifen am Straßenrand zu demonstrieren, Landwirte als Käfer-Killer zu beschimpfen und im eigenen Garten die Kräutermischung „Bienenschmaus“ anzusäen. Zwei Beispiele: Im vergangenen Jahr haben die Bayern in Scharen ihr Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ durchgedrückt; Reckhaus dagegen rief schon 2012 zum „Fliegenretten in Deppendorf“ auf. Und: „Die Geschichte der Bienen“, geschrieben von der Norwegerin Maja Lunde, war erst 2017 das am meisten verkaufte Buch in Deutschland; Reckhaus dagegen veröffentlichte sein eigenes Buch über den Wert der Insekten („Warum jede Fliege zählt“) schon im Jahr zuvor.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dem gesellschaftlichen Trend einen Schritt voraus zu sein, das ist für Unternehmer gewöhnlich von Vorteil. Ein gutes Näschen für solche Entwicklungen sollte ganz allgemein einträgliche Geschäftsideen erschließen, und in diesem speziellen Fall sollte sich auch der ökologische Imagegewinn auszahlen. Aber denkste. Hans-Dietrich Reckhaus hat in den vergangenen Jahren erfahren, dass es auch ganz anders gehen kann.

          Seit er im Geschäftsleben auf die Liebe zum sechsbeinigen Getier setzt, sind Umsatz und Gewinn seines Unternehmens nicht etwa rasant gestiegen, sondern deutlich gesunken, Öko-Welle und Klima-Kampf zum Trotz. 25 Millionen Euro Umsatz waren 2015 zu verbuchen, zuletzt waren es nur noch 20 Millionen Euro. Der Ertrag, seufzt Reckhaus, sei sogar noch stärker zurückgegangen.

          Gut für die Tiere, schlecht fürs Geschäft

          Dazu muss man wissen: Der Mann verdient sein Geld traditionellerweise nicht mit dem Schutz, sondern mit der Bekämpfung von Insekten. Die Firma, die einst sein Vater gegründet hat, mischt Sprays und Pulver gegen Schaben, Mücken und Ameisen. Doch als Hans-Dietrich Reckhaus vor acht Jahren zwei Schweizer Künstler fragte, ob sie ihn bei einer Werbekampagne unterstützen wollten, war deren Antwort niederschmetternd: „Herr Reckhaus, es tut uns leid, aber Ihre Produkte sind schlecht.“ Damit habe seine Wandlung zum Insektenfreund begonnen, beteuert Reckhaus. „Das hat mich ins Herz getroffen.“

          Seither steckt der Mann, der in St. Gallen Betriebswirtschaft studiert hat, in einer ethisch-ökonomischen Zwickmühle: Wie kann einer Insektengift herstellen und gleichzeitig Insekten retten wollen? Ist es mehr als ein Feigenblatt, auf jede Packung freiwillig einen Warnhinweis wie auf einer Zigarettenschachtel zu drucken? Wäre es nicht glaubhafter, dem Insektentöten abzuschwören und die Firma zu verkaufen? „Dann würde ich einen Hebel verlieren, um etwas zu bewirken in der Welt“, wendet Reckhaus ein. Aber wäre das nicht auch erreicht, wenn der Verkaufserlös dann in eine wohltätige Insektenstiftung flösse? Diesen Vorschlag findet Reckhaus, der sich gern als typischen westfälischen Kleinunternehmer beschreibt, fast schon ehrenrührig. „Es muss mir doch gelingen, nicht erst als Stifter, sondern schon als Unternehmer etwas Sinnvolles zu tun – und damit auch Geld zu verdienen.“

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