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Gastbeitrag : Deutschland sollte mehr Risikoteilung akzeptieren

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Am wichtigsten ist jedoch, dass die Verantwortlichen in Frankreich und Deutschland bereit sind, ihre traditionellen Standpunkte zu verlassen, aber zugleich darauf bestehen, dass berechtigte Anliegen in die Diskussionen Eingang finden müssen.

Deutschland sollte ein höheres Ausmaß an Risikoteilung im Euroraum akzeptieren und gleichzeitig darauf drängen, dass die Anreize für Reformen gewahrt bleiben und die Nichtbeistandsklausel für Staaten sowie die Bail-in-Regeln für Banken glaubwürdiger werden.

Frankreich wiederum sollte mehr Marktdisziplin zulassen – aber in einer Art und Weise, welche die Finanzstabilität nicht gefährdet. Eine Restrukturierung von Staatsschulden sollte als letzte Möglichkeit zugelassen werden. Beide Seiten sollten sich für eine Vereinfachung der Haushaltsregeln stark machen und für weniger Feinsteuerung aus Brüssel.

Als Ökonominnen und Ökonomen, die eine gemeinsame intellektuelle Sprache sprechen, sich aber der unterschiedlichen nationalen Prägungen bewusst sind, glauben wir, dass ein deutsch-französischer Kompromiss zu bedeutenden Reformen des Euroraums zwar anspruchsvoll, aber möglich ist.

Leitgedanke sollte hierbei die Stärkung der Marktdisziplin sowie der Risikoteilung sein. Ein wichtiger Schritt ist das Durchbrechen des Teufelskreises zwischen Staaten und Banken. Dies würde den Euro widerstandsfähiger machen und die Marktdisziplin stärken, indem es staatliche Umschuldungen ohne Bankenkrise und umgekehrt Bankenrestrukturierungen ohne massive staatliche Kosten ermöglichen würde.

Wir hoffen, in den kommenden Monaten zur Gestaltung praktikabler Lösungen in diesem Sinne beitragen zu können. Wir unterstützen die Bemühungen der französischen und deutschen Regierungen, eng mit anderen europäischen Regierungen und europäischen Institutionen zusammenzuarbeiten, um dem Euroraum den dringend notwendigen Reformimpuls zu verleihen.

Autoren:

Agnès Bénassy-Quéré (Paris School of Economics, Universität Paris 1 und Conseil d’analyse Economique)

Markus Brunnermeier (Princeton University)

Henrik Enderlein (Hertie School of Governance und Jacques Delors Institute, Berlin)

Emmanuel Farhi (Harvard University)

Lars Feld (Universität Freiburg, Walter Eucken

Institut und Sachverständigenrat)

Marcel Fratzscher (DIW Berlin, und Humboldt Universität)

Clemens Fuest (Ifo-Institut und Universität München)

Pierre-Olivier Gourinchas (University of California, Berkeley)

Philippe Martin (Sciences Po und Conseil d’analyse économique)

Jean Pisani-Ferry (Hertie School of Governance, Berlin, und Sciences Po, Paris)

Hélène Rey (London Business School)

Isabel Schnabel (Universität Bonn und Sachverständigenrat)

Nicolas Véron (Bruegel und Peterson Institute of International Economics)

Beatrice Weder di Mauro (Insead, und Universität Mainz)

Jeromin Zettelmeyer (Peterson Institute of International Economics)

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