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Eigenhandel mit Aktien : Trau Deiner Bank nicht!

Bild: Getty Images

Aktien, die Banken nicht mehr haben wollen, laden sie bei ihren Kunden ab. Für die ist das ein schlechtes Geschäft.

          4 Min.

          Die deutschen Banken drehen ihren Kunden offenbar massenhaft Aktien an, die sie selbst loswerden wollen. Diesen Schluss legt zumindest eine Studie nahe, die drei renommierte Frankfurter Finanzwissenschaftler jetzt vorgelegt haben.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Falko Fecht, Andreas Hackethal und Yigitcan Karabulut haben anhand einer Bundesbankstatistik die Aktienbestände von 102 großen deutschen Banken zwischen den Jahren 2005 und 2009 untersucht, insgesamt 9000 verschiedene Einzeltitel. Ihr Ergebnis: „In dem Zeitraum gab es einen signifikanten Zusammenhang zwischen den Veränderungen in den Aktienbeständen der Banken und den Depots der Kunden“, sagt Hackethal. Aktien, von denen eine Bank sich trennte, tauchten in den Depots ihrer Kunden auf einmal vermehrt auf. Das Umgekehrte fanden die Wissenschaftler dagegen nicht: Wenn eine Bank Aktien gekauft hat, wurden die Bestände in den Depots der Kunden nicht kleiner.

          Der Schluss liegt nahe: Die Banken laden Aktien, die sie selbst nicht mehr haben wollen, im Depot ihrer Kunden ab.

          „Underperformer“ tauchen in Depots der Kunden vermehrt auf

          Offenkundig gingen diese Geschäfte zu Lasten der Bankkunden. „Die Aktien, von denen die Banken sich trennten und die in den Depots der Kunden vermehrt auftauchten, waren häufig die sogenannten Underperformer – die Titel mit einer unterdurchschnittlichen Wertentwicklung in den Folgemonaten“, sagt Hackethal. „Über alle Einzelfälle gerechnet, lag ihre Rendite etwa ein Prozent unter dem Durchschnitt.“ Das mag nicht sehr dramatisch klingen – es kann sich aber läppern, wenn ein Bankkunde mit Aktien viele Jahre beispielsweise fürs Alter vorsorgt.

          Exakt nachweisen konnten die Wissenschaftler nicht, wie die Aktien von den Banken in die Depots der Kunden kommen. Es gibt aber Anhaltspunkte. „Wenn Banken einen solchen Verkauf über ihre Vertriebsorganisationen abwickeln, ist das relativ umständlich, und viele Mitarbeiter sind involviert“, sagt Hackethal. „Wenn eine Bank hingegen eine aktive Vermögensverwaltung betreibt, hat sie womöglich diskretionären Spielraum, mit relativ wenig Aufwand Aktien in die Depots der Kunden zu legen.“ Soll heißen: Wenn eine Bank in der Vermögensverwaltung frei schalten und walten kann, welche Aktien sie für ihre Kunden kauft oder verkauft, kann sie ihnen mit Leichtigkeit ihre eigenen Ladenhüter ins Depot schummeln.

          Für diese These spricht immerhin eine Feststellung der Studie: Bei Banken, die eine solche „aktive Vermögensverwaltung“ betreiben, war ein stärkerer Zusammenhang zwischen dem Abstoßen von Aktien durch die Bank und dem Aufbau entsprechender Kundenpositionen nachweisbar als bei anderen.

          Ein Insider gibt Informationen preis

          Ein Beispiel für den Mechanismus: Bei Börsengängen kaufen Banken, die das Unternehmen begleitet haben, bisweilen einen Teil der Aktien zunächst selbst auf, um den Kurs zu stützen. Später versuchen sie, diese am Markt zu plazieren. Gelingt das nicht, sind die Kunden in der Vermögensverwaltung oft die bequemsten Abnehmer.

          Auch wenn die Banken offiziell weit von sich weisen, dass sie sich solcher Tricksereien bedienen („Wir können die Ergebnisse nicht nachvollziehen“, war die erste Reaktion einer Großbank), wird hinter vorgehaltener Hand in Frankfurt doch seit langem gemunkelt, dass es so etwas tatsächlich gibt.

          Nach zahlreichen Anfragen dieser Zeitung bei Bankern ist ein Insider, der bei einem deutschen Bankhaus arbeitet und namentlich nicht genannt werden möchte, bereit, darüber zu reden. Früher, erzählt er, hätten die großen Banken die Ladenhüter aus ihren Aktienbeständen mit Vorliebe in ihren konzerneigenen Fondsgesellschaften untergebracht. „Abladen“ nannten die Banker das. Es sei gang und gäbe gewesen. Lief eine Aktie nicht gut oder galt sie als strategisch nicht mehr interessant, fand sich immer irgendein Fonds der bankeigenen Fondsgesellschaft, in dem die Aktie trotz allem umgehend Asyl fand. Das schadete dem Fonds zwar tendenziell – fiel aber in der Regel nicht auf.

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