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Eigenhandel mit Aktien : Trau Deiner Bank nicht!

Entwicklung durch Politik unterstützt

Mitte der 90er Jahre soll das schwieriger geworden sein. Die Performance von Fonds wurde transparenter, Kunden verfolgten die Entwicklung auf einmal börsentäglich. Nur noch die besten Fonds in den „lead tables“ genannten Ranglisten ließen sich noch vernünftig verkaufen. Die Folge: Banken konnten es sich auf einmal nicht mehr leisten, ihre schwachen Aktien auf Kosten der Fonds zu entsorgen.

Unterstützt wurde diese Entwicklung offenbar durch die Politik: Vor allem die SPD drohte damals, den Banken ihre Fondsgesellschaften wegzunehmen. Der spätere Kanzleramtsminister Hans Martin Bury stellte sogar die Forderung auf, den Banken solle die Beteiligung an Kapitalanlage-Gesellschaften wegen möglicher Interessenkonflikte generell untersagt werden. Die Drohung zeigte Wirkung: Sie beeinflusste vor allem das Binnenverhältnis von Fondsgesellschaften und ihren Mutterkonzernen, den Banken: Die Fonds konnten sich nun leichter entziehen, wenn ein Bankoberer mal wieder Aktien abladen wollte.

Das „Abladen“ aber ist als Phänomen nicht verschwunden – es funktioniert heute nur anders. Weil die Wertentwicklung der Fonds transparenter geworden ist, laden die Banken ihre Aktien in weniger transparenten Sparten wie der Vermögensverwaltung ab. Für die gibt es zwar hin und wieder Leistungsvergleiche in den Medien. Der Kunde kann die Performance aber nicht laufend kontrollieren – die Banken haben mehr Spielraum.

Finanzwissenschaftler bezweifeln Einstellung des Eigenhandels

Mit ihren alarmierenden Erkenntnissen befeuern die Frankfurter Wissenschaftler jetzt auch die Debatte um die Trennung von Einlagengeschäft und Eigenhandel der Banken, die seit einem Vorstoß des Amerikaners Paul Volcker tobt. Der Eigenhandel von Banken ist offenbar nicht nur deshalb ein Problem, weil im Extremfall das Finanzsystem gefährdet sein kann, wenn Banken riskant spekulieren und sich verzocken. Der Eigenhandel kann offenkundig auch zu Interessenkonflikten zwischen dem Geschäft auf eigene Rechnung und dem Geschäft für Kunden führen, die von Banken im Zweifel zu Lasten der Kunden gelöst werden.

Seit der Finanzkrise behaupten viele große Banken zwar, den Eigenhandel mit Aktien gänzlich oder fast vollständig eingestellt zu haben. Finanzwissenschaftler Fecht glaubt das jedoch nicht. „Die Banken haben weiter erhebliche Aktienbestände und kaufen und verkaufen Aktien auf eigene Rechnung. Ob man das dann Eigenhandel nennt, ist eher ein semantisches Problem.“

Banken selbst sprechen lieber von „Market Making“ („Marktpflege“): Dahinter steckt die Vorstellung, dass eine Bank als Käufer oder Verkäufer einer Aktie auftritt, um Liquidität zu gewährleisten – also um zu garantieren, dass Anleger auch bei wenig gehandelten Aktien ständig einen aussagekräftigen Kauf- und Verkaufspreis vorfinden. „Wie eine Bank das nennt, ist unwichtig“, sagt Fecht. Entscheidend sei, dass die Bank auf eigene Rechnung handelt und Gewinn macht: „Das ist aus meiner Sicht Eigenhandel – und das gibt es weiter.“

Was aber können Anleger tun? Finanzprofessor Fecht meint, Privatanleger sollten generell vorsichtig sein, wenn Banken ihnen Einzelaktien empfehlen. Dann solle man immer sehr genau nachfragen wieso und weshalb – gerade wenn es sich um Nebenwerte und wenig liquide Titel handele. In der Studie fiel nämlich auf, dass solche Aktien besonders häufig direkt aus den Bankbeständen ins Kundendepot wandern, weil dabei der Verkauf von größeren Positionen am Markt besonders leicht starke negative Kursbewegungen hervorruft. Ansonsten gilt auch hier das Credo der gesamten Geldanlage: Wer sein Vermögen breit über verschiedene Anlageformen streut, ist weniger anfällig – auch für die Tricks der Banken beim Aktienabladen.

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