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Ehemaliger EZB-Direktor : Jörg Asmussen soll Versicherer-Lobby führen

  • Aktualisiert am

Jörg Asmussen Bild: dpa

Jörg Asmussen gilt als Strippenzieher im Hintergrund. Er war Finanzstaatssekretär und saß im Direktorium der EZB. Jetzt soll er Chef der Versicherer-Lobby werden.

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          Die Versicherer in Deutschland bekommen ein prominentes Gesicht als Chef-Lobbyisten: Der frühere SPD-Politiker und ehemalige Notenbanker Jörg Asmussen wird beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Anfang Oktober Nachfolger des langjährigen Hauptgeschäftsführers Jörg von Fürstenwerth, wie der Verband am Donnerstag mitteilte. Er bestätigte damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.

          Der 53-Jährige fängt beim GDV bereits am 1. April als Mitglied
           der Geschäftsführung an. Sechs Monate später geht von Fürstenwerth, der im Juli 66 Jahre alt wird, nach fast 25 Jahren an der Spitze des GDV in den Ruhestand. "Mit seiner umfangreichen Erfahrung wird Asmussen der deutschen Versicherungswirtschaft eine  gewichtige Stimme geben", sagte GDV-Präsident Wolfgang Weiler. Seit 2016 arbeitet Asmussen für die amerikanische Investmentbank Lazard.

          Asmussen war in der Finanzkrise bekanntgeworden, in der er als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium maßgeblich an der Rettung der deutschen Banken mitarbeitete. 2012 wechselte der studierte Volkswirt als Direktoriumsmitglied zur Europäischen  Zentralbank (EZB). Knapp zwei Jahre später kehrte er vorzeitig in die Bundespolitik zurück und wurde Staatssekretär in dem von Andrea Nahles geführten Bundesarbeitsministerium. Dort war er unter anderem für Alterssicherung
          zuständig. "Die Versicherer  können einen großen Beitrag bei der privaten Altersvorsorge und im Umgang mit Risiken wie dem Klimawandel und der Cybersicherheit leisten", sagte Asmussen zu seiner Berufung.

          Asmussens Wechsel kam überraschend, dürfte er doch beim GDV weniger Geld verdienen als im Investmentbanking. Bei Lazard war er zuletzt Chef des Geschäfts mit Fusionen und Übernahmen für ganz Europa. Doch gilt der Versichererverband in Berlin unter von  Fürstenwerths Führung als einflussreich. "Von Fürstenwerth hat sich um die Versicherungswirtschaft sehr verdient gemacht", sagte Weiler. Anders als etwa die Banken findet die Assekuranz in der Bundespolitik immer noch viele
          Fürsprecher, wenngleich sie  ebenfalls über die niedrigen Zinsen klagt.

          Im Vordergrund steht derzeit der Streit um eine Deckelung der hohen Vermittlerprovisionen für Lebensversicherungen, die endlich gesetzlich geregelt werden soll. Doch die Versicherer sind sich über eine Regelung selbst nicht einig, weil sie unterschiedliche Vertriebswege beschreiten.

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