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Edward Whitacre : Hat Zeit

Edward Whitacre Bild: AP

Nur wenige Wochen nach seinem Antritt bei GM hat Verwaltungsratschef Whitacre unter Beweis gestellt, dass er vor kontroversen Schritten nicht zurückschreckt. Der Verwaltungsrat hat sich am Freitag geweigert, eine Entscheidung über die Zukunft von Opel zu treffen - und ignorierte damit den Druck der Bundesregierung.

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          Mit Edward Whitacre ist nicht zu spaßen. Das haben auch die Klapperschlangen auf seiner Ranch in der Nähe der texanischen Stadt San Antonio schon schmerzhaft zu spüren bekommen. Wenn Whitacre einer Schlange begegnet, dann fackelt er nicht lange. Er spießt sie mit einem Stock auf, greift sich einen Stein und befördert sie mit einem gezielten Schlag auf den Kopf ins Jenseits. So jedenfalls beschrieb er seine Technik einmal gegenüber der Zeitschrift „Business Week“. „Ist keine große Sache“, fügte er hinzu.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Bild von Whitacre als furchtlosem Schlangentöter dürfte der amerikanischen Regierung gefallen. Whitacre ist von der Arbeitsgruppe der Regierung für die Autoindustrie rekrutiert worden, um den Verwaltungsrat des Autokonzerns General Motors (GM) nach dem gerade abgeschlossenen Insolvenzverfahren zu führen. Seine Mission ist es, den Verwaltungsrat zu einem strengen und unnachgiebigen Aufsichtsgremium zu machen. Er soll die Zügel fest anziehen und ein wachsames Auge über den neuen Vorstandsvorsitzenden Fritz Henderson haben. Er soll aufräumen mit der früheren Konsenskultur im Verwaltungsrat, der dem alten Vorstandschef Rick Wagoner trotz jahrelanger Krise immer wieder das Vertrauen aussprach. Erst im März dieses Jahres musste Wagoner, der neben dem Vorstandsvorsitz auch die Führung des Verwaltungsrats hatte, auf Druck der Regierung zurücktreten.

          Aus der Rente zurückgeholt

          Nur wenige Wochen nach seinem Antritt bei GM hat Whitacre nun unter Beweis gestellt, dass er vor kontroversen Schritten nicht zurückschreckt. Der Verwaltungsrat hat sich am Freitag geweigert, eine Entscheidung über die Zukunft von Opel zu treffen – und ignorierte damit den Druck der Bundesregierung, die auf ein Ergebnis in dem seit Monate währenden Ringen um den deutschen Autohersteller drängte. Es bleibt also weiter unklar, ob der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna oder der Finanzinvestor RHJ International (RHJI) zum Zuge kommt – oder ob es vielleicht sogar eine ganz andere Lösung gibt. Angeblich beschäftigt sich der Verwaltungsrat sogar wieder stärker mit dem Gedanken, die Kontrolle über Opel zu behalten. Die deutsche Politik und der Betriebsrat von Opel reagierten wütend auf die ergebnislose Verwaltungsratssitzung.

          Der 67 Jahre alte Whitacre ist von der amerikanischen Regierung aus der Rente zurückgeholt worden. Er hat gesagt, er habe mehrmals abgelehnt, die Aufgabe zu übernehmen, „aber dann haben sie am nächsten Tag eben wieder angerufen“. Whitacre wurde als langjähriger Vorstandschef des amerikanischen Telekommunikationskonzerns AT&T zu einem der angesehensten Manager des Landes. Er hat aus einer der kleineren Telefongesellschaften Amerikas einen Marktführer geschmiedet. Er begann im Jahr 1963 als Ingenieur bei Southwestern Bell, damals eine Tochtergesellschaft AT&T. Der Mutterkonzern wurde später auf Druck der amerikanischen Kartellbehörden zerschlagen, und Southwestern Bell wurde unabhängig. Im Jahr 1990 wurde Whitacre Vorstandsvorsitzender, nannte das Unternehmen in SBC Communications um und brachte eine Akquisition nach der anderen hinter sich. Höhepunkt war im Jahr 2005 die Übernahme des ehemaligen Mutterkonzerns AT&T. Nach dem Zusammenschluss taufte sich SBC in AT&T um. Im Jahr 2007 gab Whitacre seinen Posten als Vorstandschef ab und ging in den Ruhestand. Er bekam ein üppiges Pensionspaket im Wert von 158 Millionen Dollar. Mit der Autoindustrie hatte er vor GM nichts zu tun. Bei seinem Antritt gab er freimütig zu, nichts von Autos zu verstehen. Er fügte aber hinzu, er werde schnell lernen und die Prinzipien der Unternehmensführung seien ohnehin in jeder Branche dieselben.

          Whitacre hatte in seinem alten Unternehmen den Spitznamen „Big Ed“. Damit spielten die Mitarbeiter auf seine Körpergröße von 1,93 Meter an. Genauso gut könnte damit aber auch der Drang nach Größe gemeint gewesen sein, der in seiner atemberaubenden Expansionsstrategie bei AT&T zum Ausdruck kam. Bei GM findet er sich dagegen jetzt in einem Unternehmen, das auf Schrumpfkur ist. Im Insolvenzverfahren hat sich GM verschlankt, das Unternehmen will sich von mehreren Marken trennen. Trotzdem hat Whitacre in Interviews schon das Ziel ausgegeben, dass das Unternehmen keine weiteren Marktanteile verlieren soll. „Dieses Unternehmen sollte nicht schrumpfen, es sollte wachsen“, sagte er der „New York Times“. Vielleicht erklärt diese Einstellung, warum er sich mit der Entscheidung, die Kontrolle über Opel abzugeben, Zeit nehmen will.

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