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Proteste gehen weiter : Ecuador unterbricht Ölexporte

  • -Aktualisiert am

Straßenkämpfe in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito am Dienstag Bild: AFP

Auch am Mittwoch wurde in Ecuador wieder gegen die geplante Preiserhöhung von Benzin und Diesel demonstriert. Nun kündigte der staatliche Ölkonzern die vorläufige Schließung der wichtigsten Ölpipeline an.

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          Das südamerikanische Ölförderland Ecuador muss seinen Erdölexport unterbrechen. Infolge der seit einer Woche anhaltenden Unruhen und Proteste im Land musste die Produktion gedrosselt werden. Demonstranten, die gegen eine drastische Erhöhung der Treibstoffpreise protestieren, hatten verschiedene Förderanlagen in der Amazonasregion besetzt. Der staatliche Ölkonzern Petroecuador teilte mit, er müsse aufgrund „höherer Gewalt“ seine Exporte aussetzen. Die wichtigste Pipeline des Konzerns, durch die 68 Prozent der gesamten ecuadorianischen Tagesproduktion von 560.000 Fass Rohöl fließen, musste vorläufig abgeschlossen werden.

          Die heftigen Proteste – vornehmlich von indigenen Gruppen, Gewerkschaften und Transportunternehmern – hatten sich vergangene Woche an der drastischen Erhöhung der Preise für Diesel und Benzin um bis zu 100 Prozent, also einer Verdopplung, entzündet. Mit dem Abbau der Subventionen für Treibstoffe will die Regierung von Präsident Lenín Moreno die mit dem Internationalen Währungsfonds vereinbarten Ziele für den Abbau des Haushaltsdefizits erreichen. Vor einer Woche hatte Moreno den Ausnahmezustand erklärt, nachdem es bei Strassenblockaden zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen war.

          Am Mittwoch kam es zu weiteren Demonstrationen in der Hauptstadt Quito, die jedoch überwiegend friedlich verliefen. Nur wenige gewaltbereite Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Präsident Moreno, der zu Wochenbeginn seine Amtsgeschäfte vorübergehend in die Hafenstadt Guayaquil verlagert hatte, um den Protesten auszuweichen, kehrte am Mittwoch in die Hauptstadt zurück. Die Regierung habe Verhandlungen mit der Vereinigung der indigenen Völker Conaie aufgenommen. „Ich bin gekommen, um meine Hand auszustrecken“, erklärte Moreno.

          „Wir sind dabei, beste Resultate im Dialog mit unseren indigenen Brüdern zu erzielen“, sagte der Staatschef. Die Unruhen haben bislang zwei Todesopfer gefordert, Dutzende Menschen wurden verletzt, etwa 700 Personen festgenommen. Anfang Oktober hatte Ecuador seinen Austritt aus der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) erklärt, um unabhängig von den Vereinbarungen des Kartells seine Produktion ausweiten zu können.

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