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Ecclestone-Prozess : Dem Formel-1-Chef drohen zehn Jahre Haft

  • -Aktualisiert am

„Ich lebe in mehr als angenehmen Verhältnissen“, hat Bernie Ecclestone zu Protokoll gegeben. Bild: dpa

Bernie Ecclestone soll geschmiert und gelogen haben, dass sich die Boliden biegen. Die Zeiten, als für den 83-jährigen eigene Gesetze galten, sind vorbei. Jetzt wird spekuliert, ob er nicht gleich zu Prozessbeginn am Donnerstag hinter Gittern wandert.

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          Mehr Gegenwind war nie für Bernie Ecclestone: Auf 223 Seiten breitet die Staatsanwaltschaft München ihre Anschuldigungen gegen ihn aus, Blatt für Blatt eine einzige Abrechnung mit dem Matador der Formel 1. Der Vorwurf: Bestechung und Anstiftung zur Untreue - beides im besonders schweren Fall. Mit 44 Millionen Dollar soll er den Landesbanker Gerhard Gribkowsky geschmiert haben, damit der beim Verkauf der Formel 1 seinen Arbeitgeber verrät und einen für Ecclestone genehmen Käufer sucht. Der Angeklagte beteuert seine Unschuld. Der geständige Banker Gribkowsky wurde im Jahr 2012 schon zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Nun ist Ecclestone dran, ihm drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

          Am Donnerstag beginnt der spektakuläre Prozess. Wieder in einem Münchner Gerichtssaal. Und wieder geht es um einen Mächtigen im Sport-Business. Im Gegensatz zum Fall Hoeneß wird die Sache dieses Mal ausführlicher: 26 Verhandlungstage sind anberaumt, 39 Zeugen geladen. Bayerische Politik wird auflaufen, Manager-Prominenz aus Automobilkonzernen, dazu Sparkassen-Präsidenten und Landesbanker, die Ecclestone in besseren Tagen als Clowns aus einem Beamtenladen verspottet hat.

          Bizarres Bild von der Formel 1

          Die Anklageschrift der Staatsanwälte, die der F.A.Z. vorliegt, zeichnet ein bizarres Bild von der Formel 1 und ihrem Alleinherrscher, der alles bis ins Detail kontrolliert. Die stolzesten Autokonzerne hat der Mann vor sich her getrieben. Jeder ihrer Versuche, eine eigene, saubere Rennserie zu gründen, wusste er mit Raffinesse zu verhindern. Was ein Handschlag-Deal in dem Gewerbe wert ist, nämlich nichts, das gehört zu den bitteren Lektionen für die Auto-Vorstände, denen zu Hause die Compliance-Wächter auf den Füßen stehen.

          Für den 83 Jahre alten Ecclestone galten eigene Gesetze. Das ist vorbei. Jetzt wird spekuliert, ob er nicht gleich schon zu Prozessbeginn hinter Gitter wandert. „Fluchtgefahr“ könnte ein Grund sein: Der Angeklagte hat seit 2012 eine brasilianische Ehefrau mit anständigem Landbesitz in der Heimat, was, wenn er sich dorthin absetzt? „Kein Kommentar“, sagt die Staatsanwaltschaft dazu.

          „Mehr als angenehme Verhältnisse“

          Angefangen hat Ecclestone als kleiner Krämer, hat Kugelschreiber verkauft und sonst noch alles Mögliche. Darüber wurde er so reich, dass er mit 40 Jahren beschlossen hat, in Rente zu gehen, so erzählte er es den Ermittlern, deswegen habe er das Brabham Formel-1-Team gekauft. Von da an nahmen die Dinge ihren Lauf. Wie viele Milliarden er mit der Rennserie angehäuft hat, darüber können auch die Staatsanwälte nur spekulieren. Er lebe in „mehr als angenehmen Verhältnissen“, sagte ihnen Ecclestone, der trotzdem kein Geld zu verschenken hat. Warum also zahlte er 44 Millionen Dollar an einen Bayern-Banker?

          Die Geschichte reicht bald zehn Jahre zurück, als die Bayerische Landesbank ihre Anteile an der Formel 1 - wie Ecclestone genehm - an den britischen Finanzinvestor CVC verkauft hat, für rund 800 Millionen Dollar, und womöglich unter Wert. Dafür glauben die Staatsanwälte Belege gefunden zu haben. Ins Spiel gekommen war die Landesbank durch die Pleite der Kirch-Gruppe, die ihre Formel-1-Anteile den Gläubigern als Pfand überlassen hat: So wurden über Nacht die Bayern LB, JP Morgan und Lehman Brothers zu den Eigentümern des Rennzirkus. Dessen Direktor aber hieß weiterhin Bernie Ecclestone.

          Damit das so blieb, brauchte er Helfer, einer davon war der geschmierte Bayern-LB-Vorstand Gribkowsky, so hat der es zumindest ausgesagt. Demnach hat ihn Ecclestone bei einem Treffen am Rande des Rennens in Bahrain im März 2006 gefragt, wie viel es koste, damit er die Seite wechselt: „Tell me a number.“ „50“ war die Antwort, gemeint waren Millionen. Ein paar Wochen später, am 10. Mai, haben die beiden im Restaurant „Rib Room“ in London die Zahlung fixiert, auf 45 Millionen Dollar, versteckt hinter Beraterverträgen. Das Geld wurde gestückelt überwiesen auf Konten in Salzburg. Wirkliche Beratungsleistungen hat Gribkowsky laut Staatsanwaltschaft nicht erbracht.

          Ecclestone zahlte auch nicht direkt aus eigener Tasche, er verlangte vielmehr von der Bayern LB eine Provision für den Formel 1-Deal: 41.443.330 Dollar. Ein klassisches Kick-Back-Geschäft zu Lasten der Staatsbank (und damit der Steuerzahler) aus Sicht der Ermittler. Ecclestone dagegen behauptet, er habe Gribkowsky Schweigegeld gezahlt, nachdem der gedroht hatte, ihn bei den britischen Steuerbehörden anzuschwärzen. Belege dafür haben die Ermittler allerdings nicht gefunden.

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