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E-Learning : Lernen im Intranet

  • -Aktualisiert am

Betriebsinterne Weiterbildung via Intranet - so genanntes E-Learning - erfreut sich wachsender Beliebtheit. Mitarbeiter fordern mehr Fortbildung. Davon profitiert der deutsche Marktführer IMC.

          Wenn Sven Kayser mal gerade nichts im Büro zu tun hat, kann er sich ein Viertelstündchen weiterbilden. Dazu klickt er sich auf seinem Bildschirm einfach ins Intranet und schaut auf seinem Lernkonto nach, was er schon kann. Dann sucht er sich eine weitere Einheit aus. Der Unterricht erfolgt als PC-Kurs in Eigenregie. Denn der 26jährige arbeitet bei der Saarbrücker IMC (Information Multimedia Communications GmbH), dem deutschen Marktführer für E-Learning.

          Das Stichwort macht die Runde, seit Globalisierung und Fusionen Konzerne zur Information von immer mehr Mitarbeitern zwingt. Gleichzeitig steht Weiterbildung hoch im Kurs. Heute fragen Arbeitnehmer wie selbstverständlich danach, was Unternehmen für sie tun. Der Markt wächst, auf fast 35 Milliarden Mark beziffert das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) allein die jährlichen Ausgaben der Betriebe für die Qualifizierung der Mitarbeiter.

          Wachstumsmarkt Bildung

          Und Experten rechnen mit mehr. Derweil gründen Konzerne wie DaimlerChrysler unternehmenseigene Bildungsorte, sogenannte Corporate Universities. Auch kleinere Unternehmen beginnen sich für das englische Schlagwort zu interessieren. Was steckt nun genau dahinter?

          "E-Learning bedeutet die internet- oder intranetbasierte Bereitstellung von multimedialen Lerninhalten und umfaßt sowohl Lehr- als auch Lernprozesse. Erstere werden durch das Unternehmen koordiniert, letztere in Eigenverantwortung vom Mitarbeiter", erklärt Wolfgang Kraemer. Der IMC-Geschäftsführer klingt nicht umsonst ein wenig nach Professor. Nach seiner Promotion entstand das Unternehmen 1997 als Ableger des Instituts für Wirtschaftsinformatik.

          E-Learning hat Zukunft

          Sein ehemaliger Professor, August Wilhelm Scheer, fungierte als Business Angel. Seither verdoppelt das Unternehmen jährlich seine Mitarbeiterzahl. Momentan sind es 106, mit Standorten in Köln und Berlin. „Zürich und New York kommen bald dazu und im ersten Quartal diesen Jahres wollen wir eine Aktiengesellschaft werden", erklärt Kraemer. Der Börsengang ist für den Mai 2002 geplant. Ziel des Unternehmens ist die Marktführerschaft in Europa und eine Verdoppelung des Umsatzes auf 30 Millionen Mark.

          Bei soviel Wachstum greift er selbst gern auf E-Learning zurück. Gleichzeitig bietet IMC seinen Kunden alle drei Bereiche an, die der Begriff abdeckt: Die Technologie, Inhalte und Trainingseinheiten sowie Dienste bis hin zur Einführung und Betreuung. Bislang zählen hauptsächlich Konzerne wie DaimlerChrysler, IBM, Lufthansa, EON oder VW zu den Klienten. "Sie haben die Innovationskraft, aber mittlere und kleinere Unternehmen folgen", ist Kraemer sich sicher.

          Flexible Lernzeiten durch Internetmedium

          Den Erfolg erklärt er sich mit einer Rei-he von Gründen. "Heute sind Unternehmen nicht mehr in der Lage, sich Wissen rasch zu beschaffen. Manchmal muß es eben in vier Tagen und nicht in vier Monaten da sein." Wenn es um neue Produkte gehe, könne ein Konzern in Zeiten der Globalisierung nicht erst alle zehntausend Mitarbeiter umständlich schulen. Überdies birgt jede Entsendung zu einem Seminar natürlich das Risiko der Abwerbung.
          Aber auch die Kosten des E-Learning liegen 30 Prozent bis 50 Prozent unter dem Training im Klassenraum. Trotzdem fallen je nach Unternehmen 3 bis 5 Millionen Mark an. Auf dem leergefegten Arbeitsmarkt dient es als Instrument der Schulung von Quereinsteigern. Didaktisch kommen viele Teilnehmer besser damit klar, dass sie sich die Abfolge des Lernens selbst einteilen und weglassen, was sie schon wissen.

          "Entscheidend ist jedoch nicht die Unternehmensgröße, sondern die Art der Technologie", beobachtet Kraemer bei Kunden. So mache E-Learning in einem Medienverlag mit 50 Mitarbeitern mehr Sinn als in einer Groß-Schreinerei ohne PC. IMC entwirft die Oberfläche des Lernprogramms auf der Basis seiner Lernplattform CLIX (Corporate Learning & Information eXchange). Das Lernportal wird bei Kunden Teil des Mitarbeiter-Portals, das Informationen über Reisekosten, Resturlaub oder Unternehmensnachrichten enthalten kann. Darunter lassen sich beispielsweise verschiedene Lernportale für Berufsgruppen wie Führungsnachwuchs, Sicherheitsingenieure oder Informatiker ansiedeln. Vermittelt werden kann jeder Inhalt, der auch in Seminaren gelehrt würde.

          „Am Bildschirm fehlt der Kommunikationsaspekt“

          Teilnehmer müssen intellektuell solchen Programmen folgen können und über Selbstdisziplin verfügen. Kleine Auszeichnungen wie "Lerner der Woche" sollen dem Ego schmeicheln und motivieren. Aber auch Tests sind häufig. Der Zeitwaufwand ist mit durchschnittlich 10 Minuten pro Lerneinheit und rund 30 Minuten pro Woche gut gestreut.

          Bei IMC kann Sven Kraemer sogar die unternehmenseigene Online-Universität besuchen, zu der ansonsten noch Kunden Zugang erhalten können. Dort läßt sich Bildung buchen wie beim Online-Shopping am PC. Ein Problem bleibt jedoch: Alleine lernen ist nicht jedermanns Sache. Deshalb gibt es trotz aller Chatgroups und lautsprecherunterstützten Inhalte immer noch Seminare. "Am Bildschirm fehlt halt der Kommunikationsaspekt", sagt Kayser. Allzu sehr kann es ihn nicht gestört haben. Kayser hat sich online zum Business Engineer weitergebildet - nur seine Prüfung vor der IHK war nicht virtuell.

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