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E-Commerce : Hysterie im mittleren Bereich

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Am 14. Februar ist auch im Netz Valentinstag Bild: AP Graphics Bank

Amerika weist mal wieder den Weg. Nirgendwo sonst im Web wird der Valentinstag kitschiger zelebriert. Aber auch die Europäer stehen auf den Herzschmerz-Kommerz.

          Werbesprüche für Geschenke zum Valentinstag springen dem Internet-Surfer auf allen konsumorientierten Seiten schon seit Wochen ins Auge. Websites wie die von Amazon, Christ oder Douglas arbeiten am Geschäft mit den neuen „Holidays“. Mehr als zwei Millionen Surfer werden in Europa zum Valentinstag Geschenke ordern und verschicken, schätzen die Internet-Marktforscher von Forrester Research - die Mehrheit werden Frauen sein. Nun setzen die Onlineshops alles daran, den Valentinstag zu einem rauschenden Geschenkefest werden zu lassen.

          Nicht vergessen! Am 14. Februar ist Valentinstag!

          Den Werbeslogan von Fleurop kennt jeder und mit diesem simplen Blumenstraußversand hat alles begonnen. 1908 wurde in der Berliner Prinzenstraße die „Blumenspenden-Vermittlungsvereinigung“ gegründet. Kaum zu glauben, aber die Idee wurde 1910 in den Vereinigten Staaten mit der „Florists' Transworld Delivery Association“ nachgeahmt. Mittlerweile ist natürlich auch der gute alte deutsche Fleurop-Gruß online erhältlich. Bei fleurop.de muss dem Schenker der süße Gruß allerdings zwischen 50 und 80 Mark wert sein. Ein Blumenassistent unterstützt den unsicheren Käufer bei der Auswahl.

          Kitsch as Kitsch can

          Deutschland liegt bei der weltweiten Valentinshysterie im mittleren Bereich. Die versendeten Geschenke beschränken sich noch auf kleinere Aufmerksamkeiten. So ist nach Aussage von Ina Roepcke von Amazon.de das Angebot mit Geschenkideen aus den Shops Bücher, Musik, DVD und Video ebenso wie das Angebot von Geschenkartikeln auf großes Interesse gestoßen. Nach ihrem Eindruck wird sich der Valentinstag auch in Deutschland weiter etablieren. Bei den Videos lagen Liebeskomödien im Trend. Im Geschenkeshop wurden häufig kleine Präsente in Herzform wie Seifen oder Bilderrahmen nachgefragt.

          In den europäischen Nachbarländern variiert der Valentinsbrauch. So ist den Dänen der Brauch schlichtweg fremd, während in Großbritannien traditionell anonyme Liebesgrüße verschickt werden, weiß Ina Roepcke von Amazon. Die Italiener lieben es da etwas großzügiger, im letzten Jahr waren PDAs oder MP3-Player der Geschenkerenner. In puncto „gifts“ können allerdings auch die Südeuropäer nicht den Amerikanern das Wasser reichen.

          Happy Valentine's Day!

          Denn von den Verhältnissen am amerikanischen Markt sind wir noch entfernt. Die Stichwortsuche im Internet nach Valentine's Day überfordert uns deutlich mit 349.000 Treffern. Vom „Romance Guide“ bis zum „Valentine's Day Victorian Decoration Project“ bleibt eigentlich kein Wunsch des sentimentalen Herzens offen. Populärste Geschenke sind Süßigkeiten, Blumen, aber auch Schmuck und Haushaltswaren. Hier ist auch das Valentine's Dinner ein traditioneller Bestandteil des Tages.

          Ein kurzer Blick bei hallmark.com gewährt Einblick in amerikanische Bräuche. Auch hier unterstützt ein „Flower Assistant“ den unsicheren Kunden bei der Auswahl, bei einem Angebot von ecuadorianischen Rosen oder Wasserlilien fällt die Entscheidung natürlich nicht leicht. Dagegen sind die E-Cards, die man bei americangreetings.com oder egreetings.com verschicken kann, schon harmlos zu nennen. Aber der Provider verdient schließlich daran, dass der Surfer sich lange auf einer Webpage aufhält - und so ein Stöbern bei den elektronischen Grußkarten kann schon die ein oder andere Minute in Anspruch nehmen. Und das alles, weil Priester Valentin im 3. Jahrhundert gegen das Gebot des Kaisers Claudius Paare getraut hat....

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