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Dyson : Staubsaugerhersteller verklagt Bosch wegen Industriespionage

Staubsauger des britischen Herstellers Dyson stehen nach Herstellungsjahren aufgereiht in einer Vitrine im Eingangsbereich der Unternehmenszentrale in Malmesbury. Bild: Röth, Frank

Die Firma Dyson ist vor allem für ihre Staubsauger, die ohne Staubbeutel auskommen, bekannt. Das Unternehmen steckt viel Geld in die Entwicklung. Jetzt werfen die Engländer dem Stuttgarter Elektrokonzern Bosch Industriespionage vor. Es geht um einen Hochgeschwindigkeits-Elektromotor für Staubsauger.

          Der Stuttgarter Elektrokonzern und Automobilzulieferer Bosch muss sich Großbritannien gegen den Vorwurf der Industriespionage wehren. Der englische Staubsaugerhersteller Dyson wirft den Bosch vor, wertvolle Betriebsgeheimnisse aus der Entwicklungsabteilung der Briten in Erfahrung gebracht zu haben. Dyson hat Bosch deshalb vor dem Londoner High Court verklagt. Das mittelständische Familienunternehmen verlangt die Rückgabe der technischen Informationen. Ein Dyson-Sprecher sagte auf Anfrage, dass auch eine „Vergütung“ für das gestohlene Wissen verlangt werde, nannte aber keine Summe.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Bosch zeigte sich irritiert über die Attacke von Dyson: „Wir nehmen zur Kenntnis, was Dyson als Tatsache darstellt“, sagte ein Sprecher des Stuttgarter Konzerns. Man sei bestrebt, den Sachverhalt aufzuklären. Es sei aber noch nicht klar, welche geheimen Informationen an Bosch geflossen sein sollen. Entsprechende Nachfragen seien von Dyson nicht beantwortet worden. Bei der Person, die angeblich spioniert habe, handele es sich um einen früheren Geschäftspartner. Die Geschäftsbeziehung sei aber auf Gartenprodukte bezogen gewesen und nicht auf Staubsauger.

          Unternehmensgründer James Dyson

          Dyson stieß nach eigenen Angaben Anfang des Jahres auf den angeblichen Ideendiebstahl. Ein Mitarbeiter in der streng abgeschirmten Entwicklungsabteilung habe ohne Wissen von Dyson parallel einen Arbeitsvertrag als Berater für Bosch abgeschlossen. Der deutsche Konzern habe so von wertvollen technischen Informationen über einen von Dyson mit hohem Aufwand entwickelten Elektromotor profitiert. Der Mitarbeiter, habe Dyson inzwischen verlassen. Der Ingenieur habe zwei Jahre für das Unternehmen gearbeitet und sei früher auch Angestellter von Bosch gewesen. Dyson hat nach eigenen Angaben über 15 Jahre hinweg 100 Millionen Pfund (120 Millionen Euro) in die Entwicklung digitaler Hochgeschwindigkeits-Elektromotoren investiert. Der Hersteller baut sie mittlerweile in seine Staubsauger und Gebläse-Händetrockner ein.

          Der von dem britischen Autodidakten James Dyson gegründete Industriebetrieb gilt als eines der innovativsten Unternehmen in Großbritannien. Dyson hält nach eigenen Angaben mehr als 3000 Patente. James Dyson wurde vor allem mit der Entwicklung eines Staubsaugers der ohne Staubbeutel auskommt, bekannt. Die Erfindung hat den Tüftler inzwischen zum Milliardär gemacht. Das hochprofitable Familienunternehmen Dyson hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro erwirtschaftet und ist damit ein Zwerg gegenüber dem Bosch-Konzern, der zu den größten Autozulieferern der Welt zählt und mehr als 50 Milliarden Euro umsetzt.

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