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Düsseldorf : Mehr preiswerte Wohnungen für Düsseldorf

Auf Wohnungssuche: Schwarzes Brett in der Universität Düsseldorf Bild: LAIF

Mit einer Quotenregelung bei Neubauprojekten will die Stadt bezahlbaren Wohnraum schaffen. München hat ein ähnliches Konzept schon lange. Kritiker halten die Düsseldorfer Vorgaben für zu schwammig.

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          Düsseldorf wächst: Vor allem die Achtzehn- bis Dreißigjährigen zieht es in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt. Sie kommen zur Ausbildung, zum Studium oder weil sie einen Arbeitsplatz gefunden haben. Innerhalb von zehn Jahren hat die Einwohnerzahl der Stadt um 20 000 auf 590 000 zugelegt. Die Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt steigt, Mieten und Kaufpreise gehen - wie in vielen deutschen Großstädten - in die Höhe.

          Christine Scharrenbroch
          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Von einer Wohnungsnot will die Stadt nicht sprechen, wohl aber gebe es in einigen Wohnungssegmenten „Angebotslücken“. Nach Einschätzung des „Bündnisses für bezahlbaren Wohnraum“ fehlen derzeit 7000 Wohnungen im unteren und mittleren Preisbereich. Bis 2020 werde sich diese Lücke auf 20 000 Wohnungen vergrößern, sagt Sprecherin Julia von Lindern. Gebaut werde vor allem im hochpreisigen Segment. Laut Auskunft der Stadt wurden in den vergangenen Jahren im Durchschnitt rund 1000 Neubauwohnungen fertig gestellt, davon 130 öffentlich geförderte.

          Quotenregelung mit Flexibilität

          Gab es bisher in Düsseldorf bei Bauvorhaben keine verbindlichen Vorgaben für den geförderten Wohnungsbau, will die Stadt jetzt mit einem neuen Konzept mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. Anfang Juni beschloss der Rat mit der Mehrheit aus schwarz-gelbem Bündnis mit den Grünen das Vorhaben mit dem Namen „Zukunft. Wohnen. Düsseldorf“. Alle Neubauprojekte, die auf einem Bebauungsplan basieren, müssen künftig 20 Prozent sozial geförderte Wohnungen enthalten. Zudem wird den Bauherren für weitere 20 Prozent der Wohnungen eine sogenannte preisgedämpfte Kaltmiete von maximal 8,50 Euro je Quadratmeter verordnet. Der Preis ist für zehn Jahre, indexiert mit der Inflationsrate, festgeschrieben.

          Bei dieser Quotenregelung ist jedoch eine gewisse Flexibilität vorgesehen. Eignet sich etwa ein Standort nicht zur Schaffung von gefördertem Wohnraum, kann der Investor die Vorgabe gegebenenfalls auch auf einem anderen Grundstück im Stadtgebiet umsetzen. Zudem ist es unter Umständen möglich, den Anteil preisgedämpfter Wohnungen zu Lasten des Anteils geförderter Wohnungen zu erhöhen.

          Bündnis-Sprecherin von Lindern nennt die Quote „einen Anfang für die Düsseldorfer Wohnungsbaupolitik“, kritisiert die Regelungen aber als unzureichend und schwammig. Mit 20 Prozent sei der Anteil für geförderten Wohnraum zu niedrig angesetzt. Durch die Ausweichmöglichkeiten auf andere Stellen innerhalb des Stadtgebiets seien zudem keine heterogenen Strukturen innerhalb einzelner Stadtviertel gewährleistet. „In angesagten Vierteln wie Flingern oder Oberbilk entstehen die Luxuswohnungen, während der geförderte Wohnungsbau in den preiswerteren Randlagen stattfindet.“

          „Regelung ist unzureichend“

          Das Bündnis sieht die Stadt zudem stärker selbst in der Pflicht. Anstatt städtische Grundstücke an private Investoren zu verkaufen, sollten die Flächen besser von städtischen Wohnungsgesellschaften bebaut werden. Die Stadt wiederum will neuen Wohnraum vor allem durch die Nutzung von Brachflächen, durch Nachverdichtung und die Umwandlung von Büro- in Wohngebäude schaffen.

          Auch bei der SPD wird das Konzept kritisch gesehen. „Das sind nur kleine Schönheitsreparaturen“, teilte Andreas Rimkus, der wohnungspolitische Sprecher, mit. Der dringend benötigte Bau geförderter Wohnungen komme dadurch nicht voran. Die 20-Prozent-Quote kritisierte er als zu niedrig und zu unverbindlich. Und die Kaltmiete von 8,50 Euro sei zu hoch, um als preiswert zu gelten.

          Der Düsseldorfer Makler Wulff Aengevelt wiederum hält es aus wirtschaftlichen Gründen für unrealistisch, einen Neubau für eine Kaltmiete von 8,50 Euro zu errichten. Zumindest in Innenstadtlagen sei dies kaum machbar. Aengevelt gibt daher die Devise „Wohnungsneubau statt Möhrenanbau“ aus. Am Stadtrand gelegene Ackerflächen sollten in Wohnbauland umgewandelt werden, fordert der Makler. „Aufgrund der moderateren Grundstückspreise bieten nur diese Flächen noch am ehesten die Chance für mietgünstigen Wohnungsbau im geforderten Rahmen“, sagt Aengevelt.

          Andere Großstädte arbeiten schon länger mit Quotenregelungen. München beispielsweise - die deutsche Stadt mit dem angespanntesten Wohnungsmarkt - schreibt bei Neubauprojekten auf privaten Flächen einen Anteil geförderter Wohnungen von mindestens 30 Prozent vor.

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