https://www.faz.net/-gqe-9qkqy

Dürre in Australien : Wenn der letzte Stier im Kochtopf schmort

Ein Bauer und seine Rinderherde in Australien Bild: AFP

Australiens Bauern leiden unter zu wenig Wasser. Viele müssen sich Heu quer durchs Land liefern lassen – oder gar ihr Vieh verkaufen. Doch an den Klimawandel glauben sie nicht.

          6 Min.

          David hat Hände groß wie Untertassen und Augen so wach wie ein Fuchs. Bis vor zwei Jahren hatte er auch ein florierendes Geschäft. Dann kam die Dürre. Seitdem wartet der Auktionator immer länger auf Bauern, die ihre Kühe und Kälber, Stiere, Schafe oder Lämmer noch verkaufen wollen. „Die meisten haben schon im ersten Jahr aufgegeben. Die älteren Bauern haben sich zurückgezogen, die jüngeren machen Gelegenheitsjobs“, sagt der 59-Jährige. Im australischen Landstädtchen Queanbeyan arbeitet David Reid beim Traditionsversteigerer WJ Gibbs & Co. „Das Schlimmste steht uns noch bevor: Die meisten Bauern haben ihre Kälber verkauft, um sie nicht durchfüttern zu müssen. In einem Jahr werden wir fast überhaupt keine Tiere mehr haben, weil kaum noch welche nachwachsen“, sagt Reid.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das Durchfüttern ist teuer. Der Ballen Heu, bis vor zwei Jahren noch für 8 australische Dollar zu haben, kostet entlang der Ostküste heute 32 Dollar (19,49 Euro). „Solche Preise, und dann hundert oder 200 Rinder durchfüttern, kann keiner zahlen. Das rechnet sich einfach nicht“, sagt Reid. Ein großer Teil des Heus wird von der Westküste 4000 Kilometer quer über das Land transportiert. Für die Westaustralier ist das ein gutes Geschäft. Neid aber herrscht nicht. „Auch die hatten schon Dürren. So ist das halt hier“, sagt der Auktionator.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Emmerich Schneck und seine Frau Angelika in ihrer Metzgerei in Rüdesheim

          Keinen Nachfolger gefunden : Ein Metzger macht Schluss

          Emmerich Schneck wurde das Metzgerhandwerk in die Wiege gelegt. 60 Jahre ist er alt, genauso alt wie sein Laden. Nun muss er das Geschäft schließen – er kann nicht mehr.