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Dübelhersteller : Generationswechsel bei Fischer gescheitert

Nicht nur in der Chefetage gibt es Sortierbedarf: Dübel aus den Fischerwerken. Bild: Setzer, Claus

Jörg Klaus Fischer gibt nach 15 Monaten an der Spitze des Dübelherstellers auf. Den Chefposten übernimmt nun wieder sein Vater. Über die Ausrichtung und die Führung des Unternehmens habe es gravierende Unterschiede zwischen den beiden gegeben, heißt es.

          Die als Dübelhersteller bekannten Fischerwerke GmbH & Co. KG aus Waldachtal im Schwarzwald, eines der bekanntesten Familienunternehmen in Deutschland, scheitert am Generationswechsel: Der 36 Jahre alte Jörg Klaus Fischer gibt auf - ein Jahr und drei Monate, nachdem er den Vorsitz der Geschäftsführung übernommen hatte. Sein 61 Jahre alter Vater Klaus Fischer hat mit sofortiger Wirkung den Chefposten wieder übernommen. „Wir haben in den vergangenen Wochen feststellen müssen, dass unsere Vorstellungen im Hinblick auf Ausrichtung und Führung des Unternehmens gravierend unterschiedlich sind“, wird Klaus Fischer in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert. Die Trennung sei einvernehmlich vollzogen worden.

          Nur die Probezeit bestanden

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          „Fischer wird auch in Zukunft ein Familienunternehmen bleiben“, betont Klaus Fischer in der Mitteilung, daran gebe es keinen Zweifel. Das Unternehmen sei nach wie vor gut aufgestellt. Die Fischerwerke mit 3900 Mitarbeitern, von denen die Hälfte in Deutschland beschäftigt ist, haben im vergangenen Jahr ihren Umsatz um 4 Prozent auf 606 Millionen Euro gesteigert.

          Völlig unerwartet kam der Eklat nicht. „Ich habe die Probezeit bestanden“, sagte Jörg Klaus Fischer zwar noch im Januar dieses Jahres vor Journalisten und deutete damit sowohl Selbstbewusstsein als auch ein schwieriges Verhältnis zwischen den Generationen an. Immerhin hatte es mehrere Monate gedauert, bevor die Fischerwerke über den Generationswechsel überhaupt öffentlich berichteten. Erst nach mehr als einem Jahr stellte sich der Junior selbst der Öffentlichkeit vor. Die größte Herausforderung sei es, in die Rolle des Unternehmers hineinzuwachsen, räumte er damals ein: „Das ist ein Lernprozess, der noch nicht abgeschlossen ist.“ Gleichzeitig gelang dem Vater offenbar nicht das Loslassen.

          Vater hält 98 Prozent der Anteile

          Klaus Fischer hatte das von Artur Fischer gegründete Unternehmen 30 Jahre geführt und in dieser Zeit den Umsatz von 75 auf 600 Millionen Euro gesteigert. Er hält immer noch 98 Prozent der Anteile und ist Vorsitzender des Beirats der Unternehmensgruppe. Eine Eigentumsübertragung war zwar geplant, es gab dafür aber keinen Zeitplan. Durch seine Position als Inhaber konnte Klaus Fischer wesentliche Weichenstellungen weiter mitbestimmen oder verhindern, einschließlich der Besetzung von Top-Positionen im Unternehmen, obwohl Jörg Klaus Fischer als Vorsitzender der Geschäftsführung die operative Führung hatte.

          So kam es in der vergangenen Woche offenbar auch zum Abgang von Hans-Norbert Topp, der im August 2011 vom Autovermieter Sixt zu Fischer gekommen war und als Vertriebs- und Marketinggeschäftsführer für die dominierende Sparte Befestigungstechnik eine Schlüsselposition im Unternehmen innehatte.

          „Das muss ich mir nicht antun“

          Auch über die Ausrichtung der Autosparte scheint es Differenzen gegeben zu haben. Die Sparte, die mit Produkten wie Lüftungsdüsen und Glashaltern zuletzt 17 Prozent zum Umsatz beitrug, war von Klaus Fischer aufgebaut worden. Der harte Wettbewerb in der Autobranche hatte die Gewinnaussichten allerdings deutlich eingetrübt.

          Über die weiteren Pläne von Jörg Klaus Fischer wurde am Dienstag nichts mitgeteilt. Der Juniorchef, der in Cambridge Philosophie und Volkswirtschaft studiert hat, konnte sich in der Vergangenheit auch eine Karriere als Geisteswissenschaftler vorstellen. Seine Unabhängigkeit hat er offenbar auch gegenüber dem Vater demonstriert. „Das muss ich mir nicht antun“, soll er in Streitfällen gesagt haben. Klaus Fischer wiederum hatte schon vor vielen Jahren angekündigt, die Führung des Unternehmens mit 60 Jahren aufgeben zu wollen. Nun hat er wieder die Verantwortung als Vorsitzender der Geschäftsführung übernommen.

          Längerfristig wird er wohl einen externen Manager für die Unternehmensführung aufbauen. Einen Zeithorizont gebe es dafür aber nicht, sagte ein Sprecher von Fischer. Grundsätzlich habe man eine solche Option aber in der Vergangenheit schon diskutiert. Denn bis vor wenigen Jahren sei überhaupt nicht klar gewesen, ob es überhaupt zu einer Nachfolgeregelung innerhalb der Familie komme. Jörg Klaus Fischer hatte seit 2005 als Assistent seines Vaters gearbeitet und 2007 die Verantwortung für den Vertrieb im Raum Asien/Pazifik übernommen.

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