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Unternehmen müssen liefern : So kommen Sie an Ihre Daten

Manchmal müssen Nutzer sogar telefonieren, um an ihre Daten zu kommen. Bild: dpa

In nicht mal einer Woche tritt die neue EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Nutzer haben dann das Recht zu erfahren, was Unternehmen über sie gespeichert haben. Aber es gibt einiges zu beachten.

          Am 25. Mai endet die zweijährige Übergangsfrist, ab der die neue Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union (DSGVO) vollständig wirksam wird. Neben anderen neuen Regeln sind Unternehmen dann verpflichtet, Nutzern darüber Auskunft zu geben, welche persönlichen Daten sie über sie gespeichert haben. Viele große Internetunternehmen wie Facebook, Linkedin, Twitter, Google, Tinder und Snapchat haben dafür bereits eine Abfragefunktion auf ihren Plattformen installiert. Dort können Nutzer ihre Daten per ZIP-Datei herunterladen.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch nicht alle Unternehmen machen es Nutzern einfach. Viele verstecken die Funktion auf ihren Websites oder bieten gar keine Online-Abfrage an. Dem Fahrdienstanbieter Uber etwa müssen interessierte Nutzer einen Brief schreiben, um Zugriff auf ihre Daten zu bekommen. Den meisten, prominentestes Beispiel ist Amazon, müssen Nutzer zumindest händisch eine E-Mail schreiben.

          Online-Verzeichnis der Kontaktmöglichkeiten

          Woher weiß ich nun, wie ich ein spezielles Unternehmen kontaktieren kann, um an meine Daten zu kommen? Um diese Frage zu beantworten, ist vor kurzem eine neue Website an den Start gegangen. Die Seite My Data Request listet Dutzende von Tech-Firmen auf und zeigt per Klick auf deren Logo die Art und Weise, wie Nutzer sie kontaktieren müssen. Wenn es dazu eine Online-Möglichkeit gibt, ist diese verlinkt. Sonst liefert die Website eine Vorlage für einen Brief oder eine E-Mail gleich mit.

          Unter den aufgeführten Firmen sind die amerikanischen Internetriesen, aber auch Telefonanbieter wie etwa die Deutsche Telekom oder die O2-Mutter Telefonica. Da die Website aus dem englischsprachigen Raum kommt, landen Nutzer für Datenanfragen auf den entsprechenden englischen Websites der Unternehmen. Auf ihre Anfragen sollte das aber keinen Einfluss haben.

          Mit dem Anbieten eines Tools, mit dem Nutzer ihre Informationsrechte wahrnehmen können, folgt die Website dem Beispiel von deutschsprachigen Websites wie Frag den Staat, über die Bürger ihre Rechte nach den verschiedenen deutschen Informationsfreiheits- und Datenschutzgesetzen geltend machen können. Darüber können einfach Anfragen etwa an Ämter oder Ministerien gestellt werden.

          Wer steckt dahinter?

          Kritischer Punkt von My Data Request ist allerdings, dass die Website keine Informationen darüber veröffentlicht, wer hinter ihr steht. Die Seite verspricht, selbst keine persönlichen Daten von Nutzern zu sammeln. Das ist auch plausibel, da ihr Angebot sich auf Links und kopierbare Texte beschränkt. Formularfelder, in die Nutzer persönliche Daten eintragen könnten, gibt es nicht.

          Dennoch sucht man ein Impressum vergebens. Wer auf „Contact us“ (Kontaktiere uns) klickt, erhält lediglich eine E-Mail-Adresse. Diese wiederum deutet darauf hin, dass die Seite AWS Apps, ein Entwickler-Toolkit von Amazon, verwendet. Zudem verwendet My Data Request das Analysetool Google Analytics.

          Noch eine Fußnote zu den ZIP-Dateien, die Nutzer sich einfach von Facebook oder Google herunterladen können: Die klingen zwar handlich, im ZIP-Archiv sind aber nicht notwendigerweise alle Daten über die Nutzer enthalten. Wie TechCrunch berichtet, versucht etwa Facebook, das Surfverhalten und die Aufenthaltsorte von Nutzern so weit wie möglich zu verfolgen. Wenn man sein Archiv von dem sozialen Netzwerk herunterlade, seien darin aber keine Standortdaten enthalten. Es seien primär Kopien von allen eigenen Posts, Gesprächen im Facebook-Messenger und Fotos.

          Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels hieß es irrtümlich, die DSGVO trete am 25. Mai in Kraft. Das ist nicht korrekt, sie ist bereits vor zwei Jahren in Kraft getreten, wird zu diesem Datum aber bindend. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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