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Druckmaschinen : Manroland benötigt rasch einen Massekredit

  • -Aktualisiert am

In der Unternehmenszentrale von Manroland in Augsburg muss vieles neu sortiert werden Bild: dapd

Um den insolventen Druckmaschinenhersteller zu retten, müssen Kunden und Lieferanten schnell beruhigt werden.

          Der Druckmaschinenbauer Manroland AG benötigt für seine Rettung schnell einen Massekredit, um den laufenden Betrieb fortsetzen zu können. Daher hat der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider den Druck auf die Banken und auch auf die Alteigentümer Allianz Capital Partners (ACP) und MAN erhöht.

          Mit dem Massekredit könnten Lieferanten bezahlt und Materialien bestellt werden, erläuterte Schneider am Montagnachmittag. Die Gespräche dazu seien eingeleitet. "Ich hoffe sehr, dass die Beteiligten sehr zeitnah dem Unternehmen und den Mitarbeitern helfen werden", sagte Schneider. Es gehe jetzt vor allem darum, die Produktion "ohne große Einschränkungen fortsetzen zu können", nur so sei die Suche nach einem Investor erfolgversprechend.

          Standorte von Manroland

          Am Vormittag hatte sich Schneider in Augsburg mit dem Manroland-Vorstand, Arbeitnehmervertretern, den Alteigentümern und dem bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil getroffen. Zeil forderte ebenfalls die Alteigentümer auf, Verantwortung für das weitere Schicksal des Traditionskonzerns zu übernehmen. Für Bürgschaften oder Staatshilfen sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, betonte er.

          Der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch kündigte für Dienstag ein Treffen mit dem Manroland-Management und Arbeitnehmervertretern an. Ob der Standort Offenbach zeitweilig unterstützt werden könne und in welcher Form müsse aber erst geprüft werden, dämpfte das Ministerium die Erwartungen.

          Immer deutlicher kristallisiert sich heraus, dass Manroland in den vergangenen Monaten zwar vor allem unter fehlenden auskömmlichen Aufträgen litt, die Probleme des Konzerns aber tiefer reichen. So scheiterte der Verkauf an die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis nicht nur an der fehlenden Einigung mit den Banken über die Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs. Auch über die hohen Pensionsverpflichtungen des Konzerns sowie die Kosten für die anstehende weitere Restrukturierung von Manroland habe es große Unstimmigkeiten gegeben. Dem Vernehmen nach ist in verschiedenen Szenarien ein hoher zweistelliger bis niedriger dreistelliger Millionenbetrag für die nächsten Abbaumaßnahmen ermittelt worden. Auch sei der Konzern noch nicht völlig entschuldet gewesen, trotz der Kapitalspritze von 200 Millionen Euro, die der Alteigentümer ACP vor zwei Jahren geleistet hatte. Der Eindruck, die Gespräche seien schon auf der Zielgeraden gewesen, sei falsch, sagte Capvis-Partner Daniel Flaig dieser Zeitung. Einen zweiten Versuch, den Druckmaschinenbauer zu übernehmen, schloss er eher aus: "Ich halte es für sehr schwierig, aus einer Insolvenz heraus einen Maschinenbauer zu kaufen."

          Kritisiert wird von vielen Beobachtern zunehmend auch die Rolle der ACP, die den Druckmaschinenbauer ursprünglich erworben hatte, um ihn an die Börse zu bringen. Nachdem dieser Plan wegen der Folgen der Finanzkrise abgeblasen werden musste, habe die Allianz keine Strategie zur Weiterentwicklung von Manroland gehabt, heißt es im Unternehmen. Zwar gab die Beteiligungsgesellschaft neues Geld, zugleich gab es aber seit der Lehman-Insolvenz mehrere Wechsel in der ACP-Geschäftsführung sowie interne Strategiewechsel. Dadurch habe Manroland die nötige Unterstützung des Haupteigentümers gefehlt, heißt es. Immer offener zu Tage tritt nun auch, dass es dem Unternehmen nie wirklich gelungen ist, die beiden Hauptstandorte Augsburg und Offenbach zu einem gemeinsamen Ganzen zu verbinden. Insbesondere in Offenbach, wo Bogendruckmaschinen hergestellt werden, hatten die Beschäftigten häufig das Gefühl, gegenüber Augsburg (Rollenoffsetmaschinen) weniger Ansehen zu genießen. Immer wieder wurde spekuliert, Manroland könnte sich von Offenbach trennen oder das Werk schließen.

          Krisentreffen im Augsburger Rathaus: Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP, M.), Ausgburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU, r.) und der Leiter der Arbeitsagentur in Augsburg, Reinhold Demel.

          Während sich praktisch alle anderen Zweige des deutschen Maschinenbaus seit der Krise wieder berappelt haben, ist der Druckmaschinenbau seit 2009 nie mehr aus dem Tal gekommen. Im Spitzenjahr 2007 hatte die Branche, die von den drei deutschen Herstellern Heidelberger Druck, Koenig & Bauer sowie Manroland dominiert wird, einen Produktionswert von 6,1 Milliarden Euro erreicht, 2009 sackte die Produktion auf 3,1 Milliarden Euro ab und stieg auch 2010 nur auf 3,4 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2011 hatten die Hersteller noch auf eine weitere leichte Besserung gesetzt. Doch seit Juli sind die Aufträge insbesondere aus Amerika und Südeuropa nochmals deutlich zurückgegangen. Im Sommer hatte Manroland-Chef Gerd Finkbeiner noch gesagt, man stelle sich darauf ein, dass das Weltmarktvolumen langfristig nur noch 60 bis 70 Prozent des einstigen Rekordwerts erreiche, inzwischen ist in der Branche von 50 Prozent die Rede. Bestellungen für große Druckmaschinen erreichen schnell zweistellige Millionenbeträge. Viele Kunden hätten inzwischen aber wieder große Probleme, eine Finanzierung für solche Investitionen zusammenzubekommen, erläuterte Markus Heering, Geschäftsführer des Fachverbands Druck- und Papiertechnik im Maschinenbauverband VDMA.

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