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Kommentar : Das Billigöl

Mit dem steten Preisverfall steigt der Leidensdruck der Ölkonzerne. Doch geht es hier nicht nur um eine Branchenkrise.

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          In der globalen Ölindustrie wächst der Druck: Ein Jahr nachdem am Ölmarkt die Preise zu fallen begannen, ist weiterhin keine Erholung in Sicht. Seit dem Frühjahr 2014 haben sich die Preise glatt halbiert.

          Weitreichende Folgen für die Branche werden immer wahrscheinlicher. Verwundbar sind vor allem finanzschwache kleinere Unternehmen. So steht in der hochverschuldeten amerikanischen Schieferölindustrie ein beinharter Überlebenskampf mit Pleiten, Übernahmen und Zusammenschlüssen bevor. Selbst Konzernriesen wie BP könnten ihre Eigenständigkeit verlieren, wenn die Durststrecke weiter andauert.

          Die möglichen gesamtwirtschaftlichen Folgen des Ölpreisrutsches reichen allerdings viel weiter: Kurzfristig wirkt das Billigöl wie eine Konjunkturspritze für die Weltwirtschaft. Doch dieser Vorteil wird mit längerfristigen Preisrisiken erkauft. Führende Ölkonzerne wie Exxon-Mobil, Shell und BP zählen zu den größten Dividendenzahlern an den Börsen - und der Druck der Aktionäre, trotz herber Gewinneinbußen die Ausschüttungen nicht zu senken, ist enorm.

          Deshalb kürzen die Konzerne ihre Investitionen in neue Ölquellen. Analysten schätzen, dass mittlerweile Projekte im Volumen von 200 Milliarden Dollar auf Eis gelegt wurden. Das Streichkonzert gefährdet den Ölnachschub von morgen. In einigen Jahren könnten Angebotsengpässe und starke Ölpreissteigerungen drohen.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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