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Drogeriechef Rossmann : „Ich will lieber Jäger sein“

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Lidl und Aldi sind Handelssysteme mit wenigen Artikeln. Wir dagegen haben 14.000 Waren im Sortiment. Mit Spezialartikeln wie zum Beispiel Luvos-Heilerde werden sich Lidl und Aldi nicht abgeben. Das Drogeriegeschäft ist Detailarbeit ohne Ende. Diese ganze filigrane Arbeit paßt nicht zu einem Discounter. Die werden vieles wieder schnell aus dem Angebot nehmen, wenn sie merken, daß sich damit kein großer Umsatz machen läßt.


Sie selbst machen damit bessere Umsätze denn je.


Im ersten Halbjahr 2005 haben wir einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro verbucht, das entspricht einem Plus von 18 Prozent...


...inklusive Ihrer neuen kd-Filialen und der Rossmann-Neueröffnungen.


Ja. Aber selbst auf bestehender Fläche haben wir noch einen Zuwachs von mehr als drei Prozent erwirtschaftet.


Warum geht es Ihnen so gut, wo doch der Rest des Einzelhandels nur am Klagen ist?


Wegen der lukrativen Eigenmarken, wegen unserer hohen Kundenbindung, wegen der geringen Werbekosten und wegen der hohen Flexibilität im Sortiment. Heute kaufen die Kunden zum Beispiel Schmuck, Ohrringe und so weiter. Vor zehn Jahren wäre ein so breites Sortiment im Drogeriegeschäft noch undenkbar gewesen. Und jetzt bauen wir noch unsere Bio-Linie aus. Der Erfolg hat also auch damit zu tun, daß wir ständig unser Konzept überprüfen und auch verändern.


Wie lange kann ein solches Wachstum anhalten? Irgendwann ist der Markt gesättigt.


Natürlich ist irgendwann eine Sättigung erreicht. Aber in den nächsten zwei bis drei Jahren wollen wir noch jährlich 90 bis 100 neue Geschäfte eröffnen. Und dann haben wir auch noch an einem Teil der Ihr-Platz-Läden Interesse.


Wenn Sie der Insolvenzverwalter in Teilen verkauft, wonach es derzeit nicht aussieht.


Ja.


Im Halbjahr ist Rossmann mit 18 Prozent gewachsen - und im Gesamtjahr?


Für 2005 wollen wir den Umsatzzuwachs bei 18 Prozent halten. Wenn wir den Vorjahresgewinn von 2004 wieder erreichen, bin ich sehr froh - der war sehr gut, ohne daß ich ihn jetzt beziffern will. Daneben planen wir für 2005 rund 120 Neueröffnungen, bis zum Ende des Jahres werden es dann in Deutschland und Osteuropa um die 1650 Geschäfte sein.


Müssen jetzt Tschechen, Polen und Ungarn damit rechnen, bald an jeder Ecke einen Rossmann-Laden zu finden?


Ich werde in diesem Jahr 59. Mein Lebensglück hängt nicht davon ab, überall Drogeriemärkte aufzumachen. In Deutschland, Polen, Tschechien und Ungarn ist es allerdings mein Ehrgeiz, noch deutlich zuzulegen.


Verändert sich der Ehrgeiz mit dem Älterwerden?


Ich glaube, ich war als junger Mensch viel verkrampfter, vielleicht auch besessener. Heute sind mir gute Kontakte zu Menschen wichtiger.


Sie haben mit 25 Ihren ersten Laden eröffnet. Wollten Sie schon immer Unternehmer sein?


Es liegt wohl ein bißchen in der Familie. Die Eltern meiner Mutter besaßen ein großes Pelzgeschäft in Hannover, und mein Großvater betrieb schon eine eigene Drogerie.


Welche Rolle spielt Erfolg in Ihrem Leben?


Gewiß definiere ich mich auch über den Erfolg. Die Geborgenheit der Familie kann aber kein Geld ersetzen.


Ihr Vermögen wird auf 300 Millionen Euro geschätzt.


Das Geld habe ich bestimmt nicht auf dem Konto. Im Falle eines Verkaufs könnte das aber hinkommen.


Sie sagten mal, Sie hätten 30.000 Tricks für gute Geschäfte. Einer würde uns reichen.


Auf unserem Alouette-Toilettenpapier steht auf jedem Blatt „Rossmann“. Ein Freund, mit dem ich oft Tennis spiele, sagt: „Ich stehe morgens auf und muß schon an dich denken.“ Das ist doch gar nicht so schlecht.

Im Alter von zehn wußte er bereits: „Ich werde mal ein ganz Großer .“ Mit seiner Prognose behielt Dirk Rossmann durchaus recht. Auf die Eröffnung des ersten Drogeriegeschäfts vor fast 35 Jahren folgten bis dato mehr als 1500 weitere . Inzwischen regiert der 58jährige ein Ladenimperium, das von Deutschland über Polen und Tschechien bis nach Ungarn reicht. Zuletzt übernahm er von Tengelmann die Filialen der kd-Kette.

Als drittgrößtes Unternehmen der Branche nach Schlecker und dm macht die Dirk Rossmann GmbH mit ständigen Preissenkungsoffensiven der Konkurrenz das Leben schwer.

Im laufenden Jahr will die Gruppe mit 17.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro (plus 18 Prozent) erzielen. Über Gewinne spricht Familienunternehmer Rossmann lieber nicht - sie sollen aber „ganz ordentlich“ sein.

Kritiker sehen ihn als unerbittlichen Angreifer in wirtschaftlichen Dingen. Rossmann selbst gefällt sich in der Rolle des Schöngeists. Statt übers Geschäft redet er lieber über B elletristik . Zuletzt haben ihn Proust und die „Suche nach der verlorenen Zeit“ beschäftigt.

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