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Douglas-Konzern : Die Drogerie wird zum Tollhaus

Wer beim Douglas-Konzern künftig das Zepter in der Hand hält, ist derzeit kaum zu sagen. Bild: dapd

Douglas will sich von seinen Aktionären befreien. Dabei geht es drunter und drüber.

          3 Min.

          So hat Familie Kreke sich das nicht vorgestellt mit ihrem Lebenswerk. Senior Jörn Kreke und sein Sohn Henning haben Douglas über Jahrzehnte zu Deutschlands größtem Lifestyle-Konzern ausgebaut, haben die Innenstädte mit Parfümerien, Buch- und Schmuckläden, Süßwaren-Geschäften und Modehäusern überzogen. Wie Perlen reihen sie sich aneinander: Douglas, Thalia und Christ, Hussel und Appelrath-Cüpper. Gutes Geld haben die Filialketten Jahr für Jahr eingespielt. Panik kannten die Krekes nicht: Selbst wenn ein Geschäft mal durchhing, blieben sie entspannt: „Das wird schon wieder“, lautete die Devise in der Hagener Zentrale. Zumindest bis vor kurzem.

          Krekes basteln an einer Gegenstrategie

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun aber regiert das Chaos. Schuld daran ist Erwin Müller, Inhaber der gleichnamigen Drogeriemarktkette. Der gelernte Friseur kaufte Ende 2009 Douglas-Anteile und verstört seither die Alteigentümer, zu denen neben den Krekes auch die Eklöh-Nachfahren sowie der Oetker-Konzern gehören. Müller droht damit, seinen Anteil von derzeit gut 10 Prozent bis zum Herbst auf mehr als 25 zu erhöhen. Damit könnte er alle wichtigen Entscheidungen torpedieren. Das wollen die Krekes um jeden Preis verhindern, dazu basteln sie an einer Gegenstrategie.

          Für kommenden Mittwoch, den 14. März, hat Aufsichtsratschef Jörn Kreke nun eine außerordentliche Sitzung einberufen - was in Hagen so gut wie noch nie notwendig war. Den Kontrolleuren wird der Senior nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung seinen Masterplan vortragen: Douglas soll weg von der Börse, zurück in Familienhand. „Going Private“ heißt das in der Sprache der Finanzprofis. Seit Monaten verhandeln die Krekes zu diesem Zweck mit Finanzinvestoren - bislang ohne vorzeigbares Ergebnis. „Vor der Hauptversammlung am 21. März brauchen wir klare Verhältnisse“, mosert daher ein Aufsichtsrat. „Es geht schließlich um die Zukunft des gesamten Konzerns.“ Freund und Feind wurden zuletzt verwirrt, als immer neue Szenarien durchgespielt wurden: Verkauf einzelner Sparten, völlige Zerschlagung, gar Ausstieg der Gründerfamilie.

          Verunsicherung bis in die oberste Führungsriege

          Alle Versuche, die Spekulationen in geordnete Bahnen zu lenken, sind dem Konzern misslungen. Die Gespräche über eine langfristige Lösung „stehen erst ganz am Anfang“, windet sich Douglas-Chef Henning Kreke in der Öffentlichkeit. Was das konkret bedeutet, bleibt nebulös. „Strategie geht anders“, mäkeln Kritiker im eigenen Haus - auch sie hoffen nun auf die Sitzung am Mittwoch, möge sie endlich Klarheit bringen.

          Ein Abschied von der Börse, ermöglicht durch den Einstieg von Privat-Equity-Investoren, passt den Krekes insofern ins Konzept, als sie seit längerem den niedrigen Aktienkurs beklagen, der den Wert des Unternehmens nicht spiegele. Dass ein oder mehrere Teile der Gruppe in diesem Zuge veräußert werden, ist naheliegend, da Bedingung von Investoren, auch wenn Kreke von einer „Zerschlagung“ nichts hören will: „Davon kann keine Rede sein.“ So wenig wie von einem Ausstieg der Familie, betont der Vorstandschef. Die Verunsicherung im Konzern aber reicht bis in die oberste Führungsriege, die von den Plänen nur aus der Presse erfuhr.

          Alles möglich

          Am meisten rumort es bei Thalia, dabei ist der Verkauf von Büchern schwer genug: Den 300 Filialen, jahrelang Feindbild Nummer eins der kleinen Buchhändler, bröckelt der Umsatz weg, der vor einem Jahr geholte Geschäftsführer muss bereits wieder gehen. Jetzt hat Kreke McKinsey in die Buchläden geschickt. Thalia soll mit neuem Konzept aufgefrischt und nicht verkauft werden, so ist zu hören.

          Auch andere Sparten des Konzerns stehen auf dem Prüfstand, wie es immer so schön heißt: „Wir harren der Dinge, die da kommen“, sagt ein Douglas-Manager resigniert. Denn wer das Zepter im Gesamtkonzern in der Hand habe beziehungsweise künftig halte, sei völlig unklar. Es wird zwar betont, wie schön die Achse Kreke - Eklöh - Oetker harmoniere. Doch die Anzeichen mehren sich, dass es in der vier Jahrzehnte währenden Allianz knirscht. Teile der Eklöh-Erben sind verstimmt, weil sie nicht eingeweiht waren in Krekes Pläne. Maßgeblich wird sein, wie die Oetkers sich dazu stellen. Der Bielefelder Backkonzern sei wie stets loyal, beteuern Vertraute. Das schließt nicht aus, dass die Oetkers ihre Anteile abgeben, an wen auch immer, je nach Preis. „Vielleicht verkauft Oetker am Ende gar an Müller“, mutmaßt ein Douglas-Mann, der in diesen hektischen Tagen alles für möglich hält: „Nicht mal das Engagement der Gründerfamilie würde ich noch als sicher betrachten.“

          Was will Müller?

          Was aber treibt den Störenfried Erwin Müller? Wenn sie das mal so genau wüssten bei Douglas. Dass der Drogist aus Ulm tatsächlich die Macht anstrebt, gilt in Hagen als abwegig. „Den treiben keine Hegemonial-Ansprüche, der zockt einfach nur, um den Preis für seine Anteile in die Höhe zu treiben.“

          In jedem Fall hätte der ungeliebte Großaktionär kartellrechtliche Bedenken zu überwinden. Jenseits der Schwelle von 25 Prozent müsste er dies beim Bundeskartellamt anmelden. „Bislang hat er das nicht getan“, erklärt ein Behördensprecher. „Das würden wir uns auf jeden Fall sehr genau anschauen.“ Der scheue Multimillionär selbst will sich frühestens auf der Hauptversammlung äußern.

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