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Dossier : Die Blenderwirtschaft

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Blenderwirtschaft - Systemfehler und Selbsttäuschungen Bild: F.A.Z.-Institut

Kaum ein Monat ohne spektakuläre Firmen-Zusammenbrüche. „Wie es dazu kam?“, das fragt sich jeder jedes Jahr angesichts der Milliarden-Pleiten. Ein FAZ.NET-Dossier.

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          Ob Schneider, Procedo/Balsam, ob Gigabell, EM.TV, Flowtex oder Comroad ... kaum ein Monat ohne spektakuläre Firmen-Zusammenbrüche. „Wie es dazu kam?“, das fragt sich jeder angesichts der Milliarden-Pleiten.

          Die Presse springt jedes Mal wieder dankbar an, ist aber vor lauter Atemlosigkeit eher mit den Skandalen als den Hintergründen beschäftigt. Zeit für Grundsätzliches ist gekommen. 13 Klärungsversuche jenseits eines Enthüllungsjournalismus bietet das Buch „Blenderwirtschaft“, aus dem FAZ.NET in einem Dossier Auszüge veröffentlicht.

          Gesetz der großen Zahl

          Der Grundgedanke ist einfach: Je größer das Volumen, desto besser funktionieren Blendwerke. Allerdings hält sich der Schaden beim Kramladen in Grenzen. Anders sieht es im Millionen- und Milliardenspiel aus. Paradox ist allerdings: Je mehr Geld im Spiel ist, desto einfacher funktionieren Blendwerke. Das Big Business bereitet eine regelrechte Stararena für Top-Verkäufer.

          „Mundus vult decipi“ (Die Welt will betrogen werden), sagten bereits die Lateiner. Und das fängt schon im Kleinen an: im Elektronikfachhandel, im Reisebüro, beim Autokauf oder beim Erwerb von Aktien- oder Fondsanteilen. Ab einer kritischen Masse spielen die Medien auch noch mit, dann hebt sich das ganze Spiel auf Bundesliga-Niveau.

          Blend-Techniken

          Wer wichtigen Anwendungen des Worts, der Zahl und Präsentationsmethoden auf der Spur ist, kommt direkt auf die bunten Felder der Rhetorik, des Verkaufs und der Präsentation von Produkten, Zahlen, Daten und „Fakten“. Auch der geschulte Umgang mit Statussymbolen und Insignien des Erfolgs gehören hierzu. Alle haben eins gemeinsam: jemanden zur Entscheidung zu bringen, die er bei ruhigem Verstand nicht getroffen hätte. Blind muss der Entscheider für Schwachpunkte werden, für die Ecken und Kanten. Was beim Einzelhändler um die Ecke beginnt, hört bei Milliarden-Pleiten auf. „Blind“ und „Blend“ hängen ja nicht zufällig in ihrem mittelhochdeutschen Ursprung zusammen.

          Ganze Heerscharen sind professionelle Lehrer und Künstler des Blendens. „Erfolgreich verkaufen“ (und blenden) gehörte schon vor Goethes Zeiten zu den wundersamen Fertigkeiten, die heute in ungezählten Büchern und Broschüren, in Schulen und Seminaren, sogar in Hörfunk- und TV-Lektionen ausgebreitet werden. Die Öffentlichkeit und die meinungsbildende Presse ist genauso mit von der Partie. Kritisches hört man erst dann, wenn es sowieso schon zu spät ist. Doch bis es soweit ist, hegen und pflegen auch die Medien oft genug strategische Allianzen mit den Blendern.

          Das Dossier

          Die Texte der „Blenderwirtschaft“ lassen sich als Inspiration fürs erfolgreiche Blenden lesen, aber auch genauso gut als Schmunzellektüre mit Einsichten ins Allzumenschliche. Nach den zahlreichen Abstürzen und Insolvenzen von immer bedrohlicherem Ausmaße ist die „Blenderwirtschaft“ aber vor allem ein Plädoyer für den etwas blendfreieren Umgang im Geschäftsalltag.

          Analog zum Buch ist das Dossier in drei Teile und 13 Kapitel gegliedert. Die Texte , , , und gehören zum Abschnitt „Magie“. Dieser Bereiche analysiert Bewusstseinslagen, die Bodenbereitungen für moderne Blendwerke sind.

          Es folgt der Abschnitt „Wege nach oben“, in dem konkrete Blendtechniken und Phänomene angesprochen werden. Hierzu gehören die Texte , , Unternehmer als Worthelden, sowie .

          Im dritten und letzten Abschnitt „Zahlenakrobatik“ werden jene drei Phänomene beleuchtet, die die Diskussion zur Blenderwirtschaft überhaupt erst entfacht haben: die Rolle der Analysten (), die Finanzabteilungen mit ihren dubiosen Bilanzpraktiken (Zahlenblender am Werk) sowie die prekären Folgen der Wirtschaftsprüfung (Wirtschaftsprüfung: Stütze der Wirtschaft).

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