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Wahlen in den USA : Der Albtraum Trump

  • -Aktualisiert am

Erfolgreich und realitätsfern: Trumps gefährliche „Ihr-blöd-Wir-super“-Rhetorik Bild: AP

Mit aggressiver Rhetorik gegen Wirtschaftsbosse und das Establishment will Milliardär Donald Trump die Stimme des kleinen Mannes gewinnen. Dabei könnten seine Pläne verheerende Folgen haben.

          Donald Trump marschiert durch. Der Immobilien-Milliardär, der als Außenseiter in den Präsidentschaftswahlkampf startete, wird Kandidat der Republikaner, tritt vermutlich im November gegen Hillary Clinton an. Seine Großmäuligkeit hat ihm dabei nicht geschadet, auch nicht seine wilde Unberechenbarkeit und die Widersprüche, in die er sich stets aufs Neue verstrickt. Er ist der Anti-Politik-Establishment-Kandidat, obwohl die Clintons auf seiner Hochzeit waren. Und er ist der Kandidat für die kleinen Leute, die weiße Arbeiterklasse, obwohl er selbst Milliardär ist und die Steuern für Reiche und Unternehmen radikal senken will.

          In den Umfragen zur Präsidentenwahl liegt Trump zwar weiter hinter der Demokratin Hillary Clinton, doch das kann sich ändern. Spätestens jetzt muss man sich fragen, was wäre, wenn Trump amerikanischer Präsident würde. Denn er trifft in einem Teil der Bevölkerung einen Nerv – auch und gerade mit seinen radikalen Vorschlägen.

          Sein Thema ist neben der Einwanderung vor allem die Wirtschaft. Und hier wird es für die ganze Welt interessant. Denn eine Trump-Präsidentschaft könnte zum protektionistischen Albtraum werden. Wer Trumps Reden und Interviews verfolgt, erkennt einen erstaunlich radikalen Globalisierungsgegner. Trump hat unter anderem angekündigt, alle Handelsabkommen neu verhandeln zu wollen, insbesondere und zuerst das mit China („China is killing us!“). An Tag eins seiner Präsidentschaft möchte er zudem China offiziell vom Finanzministerium zum „Währungsmanipulator“ erklären lassen. Auch Japan wirft er vor, den Yen-Kurs zu manipulieren.

          Schärferer Ton gegen Wirtschaftsbosse

          TTIP, das neue Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union, das gerade verhandelt wird, lehnt Trump ab. Jedoch ist er hier weit weniger scharf als gegen das transpazifische Freihandelsabkommen, das er „furchtbar“ nennt. Sogar das Wort „fair trade“ kommt Trump ganz locker über die Lippen. Damit meint er allerdings nicht, dass die Arbeiter in Entwicklungsländern zu besseren Bedingungen arbeiten sollen, sondern dass Abkommen stärker die Interessen Amerikas berücksichtigen.

          Trump will außerdem den Ton gegen Wirtschaftsbosse verschärfen, die Arbeitsstellen ins Ausland verlegen. Gleich an Tag eins seiner Präsidentschaft werde er einige von ihnen anrufen, sagt er. Bei Auftritten hat er unter anderem schon angekündigt, dass er eine Fabrik für Oreo-Kekse, die von Chicago nach Mexiko verlagert wurde, zurückholen werde.

          „Ihr-blöd-Wir-super“

          Trumps recht einfache „Ihr-blöd-Wir-super“-Rhetorik unterschlägt dabei die vielen Argumente, die für freien Handel und eine globale Wirtschaft sprechen. Er vergisst, dass nicht nur die Chinesen vom Handel mit Amerika profitiert haben, sondern auch die Amerikaner vom Handel mit China, ebenso wie übrigens auch die Europäer. Zum Beispiel als Konsumenten: Chinesische Produkte haben den Einkauf im Westen viel billiger gemacht. Zudem profitieren amerikanische und europäische Unternehmen und ihre Angestellten davon, dass der zuvor wirtschaftlich abgehängte Rest der Welt wohlhabender wird und nun auch amerikanische und europäische Produkte kauft.

          Doch Trumps Erfolg zeigt, dass es viele Leute gibt, die sich trotzdem als Globalisierungsverlierer fühlen. Weil sie ihre Stellen verloren haben oder ihr Lohn nicht mehr steigt. Sie glauben, dass vor allem die Reichen vom freien Handel profitieren. Wer den sozialen Frieden aufrechterhalten will, muss sich darüber Gedanken machen, was er diesen Leuten anbieten kann. Trump will nicht nur mit Sanktionen drohen, wenn Firmen abwandern, er will auch locken: mit deutlich niedrigeren Steuersätzen für Firmen. Das könnte durchaus funktionieren. Der komplette Protektionismus à la Trump allerdings ist gefährlich, auch für Europa. Denn wenn das große Amerika sich renationalisiert, könnte die gesamte Weltwirtschaft folgen und ihre Dynamik verlieren.

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