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Trump-Kommentar : Trump verachtet die globale Finanzordnung

Bekannt dafür, mit seinen Tweets öfters mal ins Fettnäpfchen zu tappen - US-Präsident Donald Trump. Bild: AFP

Donald Trump schüttelt endlich mal behäbige Institutionen – WTO, IWF, Weltbank – durch. Nur hat er leider keine besseren Ideen für den Welthandel.

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          Die Weltkonjunktur glänzt mit hohen Wachstumsraten, die Finanzkrise liegt schon zehn Jahre zurück, und der Kampf gegen extreme Armut ist eine selten geschriebene Erfolgsgeschichte. So hätte das Frühjahrstreffen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank, das jetzt in Washington zu Ende gegangen ist, eine Feier globaler Zusammenarbeit werden können.

          Dass die Party ausblieb, liegt nur zum Teil in der Natur der Institutionen, die gegründet worden waren, um Probleme zu lösen, nicht, um ihre Bewältigung zu zelebrieren. Zudem bietet die Weltwirtschaft stets Gründe für neue Sorgen. Aktuell sind es die Schuldenniveaus generell und speziell jene einiger bitterarmer Länder.

          Doch den wahren Grund für die eher gestresst-pessimistische Stimmung in den globalen Institutionen liefert der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump. Die Weltwirtschaftsordnung ist dank seines impulsiven Kommunikationsverhaltens stets einen Tweet entfernt von der nächsten schweren Erschütterung. Der amerikanische Präsident macht keinen Hehl daraus, dass er die auf Multilateralität fußende globale Handelsordnung und die damit verbundenen Institutionen Währungsfonds, Weltbank und Welthandelsorganisation kritisch sieht. Sie stehen für eine globale Finanz- und Handelsordnung, von der Trump glaubt, dass sie die glorreiche Wirtschaftsmacht Amerika in den Staub geworfen hat.

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          Diese Sichtweise steht im fundamentalen Kontrast zur Vorstellung der amerikanischen Politiker, unter deren Führung vor mehr als 70 Jahren die Nachkriegsordnung konstruiert und der Währungsfonds und die Weltbank in Bretton Woods aus der Taufe gehoben wurden. Der damalige amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt war durchdrungen von der Idee, freier Handel zwischen den Ländern fördere nicht nur den internationalen Wohlstand, sondern sichere den Frieden. Das war seine Lehre aus den dreißiger Jahren, als die Länder auf die große Depression mit hohen Zöllen und Währungsabwertungen reagierten. Die Gründung der Welthandelsordnung und die spätere Aufnahme Chinas geschahen ebenfalls unter engem amerikanischen Dirigat. Die Nachkriegsordnung, mit der Trump keinen Frieden machen kann, ist eine amerikanische Konstruktion.

          Der Verweis auf heroische Wurzeln immunisiert die Institutionen allerdings nicht gegen Kritik. Niemand sollte die Fähigkeit der Institutionen unterschätzen, schwach legitimiert in neue Aufgabengebiete jenseits historischer Zuständigkeiten hineinzuexpandieren. Aktuell steht generell die Frauenförderung ganz oben auf der politischen Agenda des Währungsfonds, während Studien aus dem eigenen Haus nahelegen, dass schlecht qualifizierte Männer vom industriellen Strukturwandel besonders gebeutelt wurden. Die Welthandelsorganisation WTO zeigte ihre Schwäche im Umgang mit der neuen Supermacht China und ihren kalkulierten Regelverletzungen.

          Währungsfonds, Weltbank und Welthandelsorganisation müssen sich weiterentwickeln. Und tatsächlich haben Trumps eruptive Vorstöße vor allem in Handelsfragen Diskussionen speziell zur Rolle Chinas und der globalen Arbeitsteilung und Konfliktlösung ausgelöst, die vorher nicht denkbar waren. So weit, so gut. Eine für Amerika naheliegende Strategie wäre es in dieser Situation, die natürlichen Bündnispartner in Europa und im Rest der Welt hinter sich zu scharen mit dem Ziel, die Weltwirtschaftsordnung neu auszubalancieren.

          Stattdessen verprellt Trump Amerikas Freunde mit unberechtigten Stahlzöllen und nervt sie mit seiner Sprunghaftigkeit. Kurz flirtet er damit, nun doch dem Transpazifischen Freihandelsabkommen (TPP) beitreten zu wollen, um dann via Twitter rauszuhauen, dass man doch nicht dabei sein will. Dafür attackiert er China per Tweet damit, dass es seine Währung nach unten manipuliere, was schlicht nicht der Realität entspricht, wie kürzlich erst das amerikanische Finanzministerium in einer Analyse herausgearbeitet hat. Und das von Trump als Beleg für unfaire Handelspraktiken in enervierender Beständigkeit hervorgezerrte Handelsbilanzdefizit ist so hoch, weil die Vereinigten Staaten mehr konsumieren, als sie produzieren. Wer das macht, muss im Ausland einkaufen. Wer das nicht will, muss sparen. Das ist nicht unfair, das ist Arithmetik. Stattdessen lässt Amerika sein Haushaltsdefizit in die Höhe schießen und animiert seine Bürger mittels Steuersenkung zum Konsum. Zwingende Folge ist ein wachsendes Handelsdefizit, das Trump nutzt, um Handelspartner zu attackieren. Jetzt hat die amerikanische Regierung zur allgemeinen Überraschung der Kapitalerhöhung der Weltbank vorerst zugestimmt. Doch auch diese Zusage gilt nur, bis es Trump einfällt, das Gegenteil zu tweeten.

          Die klammheimliche Freude, dass endlich jemand behäbige Institutionen durchschüttelt, bleibt schal. Trumps Disruptionen fehlt das kreative Element. Eine Vision für eine bessere Weltwirtschaft ist nicht erkennbar.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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