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Trumps Präsidentschaft : Der Zauber der ersten 100 Tage

Reagan, Obama, Trump: Wer ist der produktivste Präsident im Land? Bild: Intertopics, Laif, Reuters, Montage F.A.Z.

In den ersten drei Monaten versuchen Präsidenten, Amerika ihren Stempel aufzudrücken. Die wenigsten waren damit erfolgreich – auch für Trump wird es kein Spaziergang.

          6 Min.

          Seitdem der amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt die ersten drei Monate seiner Amtszeit nutzte, um die Grundlage für den sogenannten New Deal zu legen, werden die ersten hundert Tage im Oval Office als eine besonders wichtige Zeitspanne angesehen. Obwohl sich danach natürlich noch viel tun kann, werden sie als Maßstab für den Erfolg von Präsidenten genommen.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          In dieser heißen, ersten Phase hat ein neuer Amtsinhaber die allerbeste Chance, das Land neu zu formen nach den eigenen politischen Vorstellungen. Es ist gewöhnlich die Phase, in der der Kongress zu den größten Zugeständnissen bereit ist, weil der frisch gewählte Präsident normalerweise hohe Zustimmungswerte in der Bevölkerung hat. Der Präsident feiert die Flitterwochen mit dem amerikanischen Volk.

          Gleichzeitig gilt, dass politische Erfolge in den ersten einhundert Tagen keine Garantie für spätere Erfolge liefern. Und manche Präsidentschaft wurde auch positiv bewertet, obwohl die ersten drei Monate nicht rund liefen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die ominöse Zeitspanne Gegenstand des öffentlichen Interesses ist.

          Trumps Liste umfasst 18 Punkte

          Spätestens seit Roosevelt lassen sich die Präsidentschaftskandidaten selbst auf dieses Spiel ein. Sie werben in den Wahlkämpfen mit ihren Programmen der ersten hundert Tage. Donald Trump bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Er hat den „Vertrag mit dem amerikanischen Wähler“ aufgesetzt. Sein Versprechen in dem 100-Tage-Plan?

          Amerika wieder groß zu machen! Der Plan enthält eine Maßnahmenliste von achtzehn Punkten mit drei Schwerpunkten: Die Befreiung Washingtons von Korruption und übermäßigem Einfluss von Spezialinteressen. Ferner ein Maßnahmenbündel zum Schutz des amerikanischen Arbeiters und schließlich Aktionen zur Stärkung der Sicherheit und der Rechtsordnung.

          Roosevelt gilt als der wirkungsmächtigste und folgenreichste Präsident in den ersten hundert Tagen seiner Amtszeit. Als er im März 1933 die Amtsgeschäfte übernahm, befand sich sein Land in der schlimmsten Wirtschaftskrise. „FDR“ nutzte deshalb die ersten Monate entschlossen dafür, die Rolle der Regierung in der Volkswirtschaft neu zu definieren. Bis zum Juni 1933 brachte der Demokrat Roosevelt den Kongress dazu, eine Reihe von Gesetzen zu verabschieden, die die Vereinigten Staaten tiefgreifend verändern sollten: Ein Förderprogramm für die Landwirtschaft, ein Gesetzespaket zur Unterstützung der Industriearbeiter, Gesetze zur Regulierung der Börse und des Bankensektors gehörten außerdem dazu.

          Auch Johnson und Reagan nutzten die ersten 100 Tage

          Roosevelt fand in gewisser Weise eine „günstige“ Voraussetzung für die Durchsetzung seiner Politik. Denn 1933 herrschte schiere Not in den Vereinigten Staaten. Die schlimmste Wirtschaftskrise hatte das Land erfasst. Mehr als fünfzehn Millionen Amerikaner suchten Arbeit in einem Land, das bis dahin kein flächendeckendes soziales Netz hatte. Wer ohne Beschäftigung blieb, war oft auf die Barmherzigkeit seiner Mitmenschen angewiesen. Die Wirtschaftsleistung hatte sich seit 1929 halbiert und der Dow-Jones-Index knapp 90 Prozent seines Wertes eingebüßt.

          Es ist vor diesem Hintergrund ungerecht, die nachfolgenden Präsidenten am Roosevelt-Standard zu messen. Man tut es trotzdem. Zwei Präsidenten in der Roosevelt-Nachfolge billigen Historiker zu, in den einhundert Tagen ihrer Amtszeit ebenfalls ziemlich erfolg- und folgenreich gewirkt zu haben: Lyndon B. Johnson und Ronald Reagan. Und bei beiden spielten Sonderfaktoren und spezielle Fähigkeiten eine zentrale Rolle.

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