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Amerikanische Wirtschaft : Massenentlassungen kurz vor der Wahl

Fluggesellschaften leiden unter der Corona-Krise und müssen Personal entlassen. Bild: AFP

Donald Trump steckt im Dilemma. Wenn er ein großzügiges Hilfspaket durchsetzt, gibt er zu, dass die Wirtschaft doch nicht so brummt, wie er immer behauptet.

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          Die wochenlangen Versuche von Kongress und Regierung, sich auf ein neues Hilfspaket zu verständigen, blieben bisher ergebnislos. Das hat nun schwerwiegende Konsequenzen. Mangels neuer Staatshilfe machten mehrere amerikanische Fluglinien ihre Drohungen wahr, sich am 1. Oktober von zehntausenden Mitarbeitern zu trennen. American Airlines und United Airlines schickten zusammen mehr als 32.000 Beschäftigte in den Zwangsurlaub. Mit einem Umsatzeinbruch um 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gehören Fluggesellschaften zu den besonders schwer von der Pandemie-Krise gebeutelten Unternehmen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Einen Monat vor den Präsidentschaftswahlen drohen Donald Trump schlechte Schlagzeilen vom Arbeitsmarkt. Walt Disney hat die TV-Debatte zwischen dem amerikanischen Präsidenten und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden abgewartet, um dann voranzupreschen mit der Ankündigung, 28.000 Mitarbeiter zu feuern. In einem Brief an die Kongress-Führung hatte zuvor schon Hollywood Alarm geschlagen. Amerikas Kinos mit 150.000 Beschäftigten seien gefährdet, wenn nicht schnell Hilfe komme. Zwei Dritteln der Kinobetreiber drohe der Bankrott. Am selben Tag erreichte auch der Hilferuf des Hotelgewerbes den Kongress: Ohne schnelle Finanzspritzen müssten zahllose Betriebe aufgeben. Das hätte schwerwiegende Konsequenzen für die Beschäftigung: Einer Verbands-Umfrage zufolge wollen drei von vier Hotels Beschäftigte feuern, wenn nicht bald Hilfe kommt. Die Branche hat seit März schon rund 800.000 Stellen verloren.

          Ein neues Hilfspaket muss her

          Der Chef des Hotelverbandes AHLA, Chip Rogers, illustrierte die Problematik der staatlichen Rettungspolitik. Das im März verabschiedete Rettungsprogramm sei darauf angelegt gewesen, Unternehmen über eine acht bis zehn Wochen währende Durststrecke hinweg zu helfen. „Nun aber stecken wir fast ein halbes Jahr mittendrin“, klagte Rogers.

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          Trump und die beiden Parteien im Kongress sind sich im Prinzip einig, dass ein neues Hilfspaket her muss. Uneinigkeit besteht jedoch über dessen Ausmaß. Republikaner weisen darauf hin, dass Amerikas Wirtschaft deutlich schneller aus dem Tal geklettert sei als prognostiziert. Tatsächlich deuteten bis vor wenigen Wochen die Daten auf einen V-förmigen Konjunkturverlauf und nährten damit die Hoffnung von Trump und den Republikanern, ein kleines Rettungspaket könne reichen. Doch zuletzt stagnierte die Erholung, die Neuanträge auf Arbeitslosenstütze gingen nicht zurück. Immer noch beschäftigt Amerika rund zehn Millionen Amerikaner weniger als zu Beginn der Krise.

          Behindert werden die Verhandlungen offenbar auch, weil Präsident Trump die Möglichkeit wittert, demokratischen Gouverneuren die Krise in die Schuhe zu schieben. In der TV-Debatte warf Trump dem Gouverneur von Pennsylvania vor, er hielte Geschäfts- und Ausgangsbeschränkungen bis November nur aufrecht, um ihm zu schaden. Die Opfer seien die kleinen Leute. Diese Argumentationslinie wird durch die Walt-Disney-Führung bekräftigt. Der Konzern hat für seine Entlassungen die Regierung des Bundesstaates Kalifornien und deren „mangelnde Bereitschaft zur Aufhebung von Restriktionen“ verantwortlich gemacht. Das zielte auf den Gouverneur Gavin Newsom von der Demokratischen Partei, der es Freizeitparks in seinem Bundesstaat wegen der Corona-Krise weiterhin nicht erlaubt, den Betrieb wiederaufzunehmen. So bleibt der weltberühmte Freizeitpark Disneyland nahe Los Angeles geschlossen – als einziger in den Vereinigten Staaten.

          Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit: Im republikanisch regierten Florida feuert Walt Disney ebenfalls tausende Beschäftigte. Dort sind die Parks unter Auflagen geöffnet, verzeichnen aber dennoch deutlich weniger Besucher als in normalen Jahren. Diese Entwicklung wiederum bestätigt eine Studie des Ökonomen Austan Goolsbee, der zufolge nicht die Behördenauflagen, sondern vor allem Angst vor Ansteckung und private Vorsichtsmaßnahmen der Wirtschaft schaden. Tatsächlich weisen jüngste Konsumdaten nun auf ein komplett neues Verbraucherverhalten hin. Die Leute gaben über den Sommer mehr Geld für langlebige Konsumgüter aus und deutlich weniger für Dienstleistungen der Gastronomie oder der Reiseindustrie.

          Viele Menschen sparen aus Angst

          Die Konsumlust dürfte generell eher nachlassen, weil vor allem Arbeitslose deutlich weniger Geld haben, nachdem das Hilfsprogramm der Bundesregierung ausgelaufen ist. Andere fürchten Entlassungen und sparen lieber.    

          Die Sorge, dass das Comeback doch nicht so flott läuft wie erhofft, dürfte die Verhandlungsbereitschaft der Regierung erhöht haben. Finanzminister Steven Mnuchin hatte noch am Mittwoch einen Kompromiss mit Nancy Pelosi, der Chefin der Demokraten im Repräsentantenhaus, gesucht – bisher ohne Ergebnis. Die Demokraten haben ein Hilfspaket von 2,2 Billionen Dollar vorgeschlagen, Mnuchin sympathisiert mit einem Vorschlag im Umfang von 1,5 Billionen Dollar. Und die Republikaner im Senat sind generell abweisend. Man sei „sehr, sehr weit auseinander“, hatte ihr Chef Mitch McConnell klar gemacht. Er will vor allem verhindern, dass Bundesstaaten und Kommunen Bundeshilfe bekommen, wie es die Demokraten vorschlagen. Dass er die abweisende Haltung aufrecht erhalten kann, wenn Trump wegen schlechter Arbeitsmarktschlagzeilen um seine eigene Weiterbeschäftigung im Weißen Haus fürchtet, ist allerdings zweifelhaft.       

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