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Trump in Japan : „Wo ist Toyota?“

Donald Trump bei seinem Treffen mit dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe. Bild: AP

Die Beziehungen japanischer Unternehmen zur amerikanischen Regierung sind nicht mehr ungetrübt. Donald Trump versucht sich in Japan dennoch als Verkäufer auf der Suche nach Investoren – für Beschwerden ist er allerdings nicht empfänglich.

          Eine Auslandsreise von Donald Trump nach Japan ist immer auch eine Verkaufsreise. Trump nutzt die Diplomatie, um Investitionen anzuwerben. In Tokio fuhr er am Wochenende direkt vom Flughafen zur Residenz des amerikanischen Botschafters, um sich dort mit rund 40 japanischen Geschäftsleuten zu treffen. Autobauer, Elektronikkonzerne, Technologieunternehmen – die Crème de la Crème war vertreten.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Dort legte Trump dar, wie er die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen und seine Handelspolitik einordne. Japan habe über viele Jahre im Handel einen substantiellen Vorteil gehabt. „Aber das ist in Ordnung. Vielleicht ist das der Grund, dass Sie uns so sehr mögen. Aber wir werden es ein wenig fairer hinbekommen“, sagte der Präsident.

          Doch das Verhältnis ist nicht mehr so ungetrübt wie am Beginn der Trumpschen Präsidentschaft. Damals überwogen bei japanischen Unternehmen die Aussicht auf eine Steuerreform und eine Verbesserung der Geschäftsbedingungen in Amerika viele Zweifel. Jetzt aber stößt Trump mit seinen handelspolitischen Drohungen Freunde Amerikas vor den Kopf.

          Nicht willkommen als Investor

          Das zeigte sich Mitte Mai in einer selten deutlichen Intervention von Akio Toyoda, dem Präsidenten von Toyota Motor, nachdem Trump die Autoeinfuhr aus Japan als nationales Sicherheitsrisiko beschrieben und die Drohung eines generellen Importzolls von 25 Prozent aufrechterhalten hatte. Man habe nicht den Eindruck, dass man als Investor in Amerika willkommen sei, hatte Toyoda als Replik gesagt. Für japanische Verhältnisse ist das eine scharfe Kritik.

          Toyoda ist derzeit auch Präsident des japanischen Verbands der Automobilproduzenten. Toyota ist seit 60 Jahren einer der größten Auslandsinvestoren in Amerika, betreibt dort 10 Werke, beschäftigt dort nach eigenen Angaben direkt und indirekt einige hunderttausend Menschen und hat gerade neue Investitionen in Amerika angekündigt.

          „Wo ist Toyota?“, fragte Trump nach einer Mitschrift seiner kurzen Einführungsworte in die Runde der Manager. „Es gibt nichts wie den Boss“, sagte er, nachdem andere ihn auf Toyoda am Tisch direkt vor ihm aufmerksam gemacht hatten. „Ich dachte mir, dass Sie es sind.“ Ob diese Schmeicheleinheit die Sorgen Toyodas wegwischte, ist nicht überliefert.

          Auffällig suchte ein anderer Japaner die Nähe zu Trump. Masayoshi Son, der Gründer des Technologieinvestors Softbank, versuchte eine Umarmung von Trump, was zu einem wechselseitigen Armtatschen führte. Son war schon kurz nach der Wahl Trumps zum Trump-Tower in New York gepilgert, um dort Milliardeninvestitionen zu versprechen. Sein Interesse ist ein besonderes, das mit Handel wenig zu tun hat. Son hofft darauf, dass die amerikanische Regierung die Fusion seiner verlustreichen amerikanischen Telefongesellschaft Sprint mit T-Mobile, der Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, genehmigt.

          Nach japanischen Medienberichten sprach Trump mit allen Managern ein paar Worte und riet, bei Problemen mit Investitionen in Amerika den Botschafter um Hilfe zu fragen. Direkte Beschwerden nahm der Präsident an diesem Abend offenbar nicht an.

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