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Trump und der Handelskrieg : Wir gewinnen, wir gewinnen nicht, wir gewinnen, wir...

„Einfach zu gewinnen“ oder „vor vielen Jahren bereits verloren“: Donald Trump hat mehrere Ansichten zu einem Handelskrieg mitgeteilt. Bild: AP

Einerseits werden die Drohungen im Handelsstreit zwischen Amerika und China schärfer. Andererseits kommen nun überraschend milde und widersprüchliche Töne aus Washington. Was soll das?

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          Niemand hat vor, einen Handelskrieg zu führen. So heißt es von Vertretern der beiden größten Volkswirtschaften der Welt derzeit immer wieder. Zugleich versichern die Führungen in China und den Vereinigten Staaten aber auch, dass niemand vor einem Handelskrieg Angst habe, weil er entweder über den „Mut“ verfüge, ihn zu gewinnen (so wie es Pekings Parteiorgan, die chinesische Volkszeitung, heute schreibt) oder aber ein Handelskrieg ohnehin „einfach zu gewinnen“ sei (was Amerikas Staatschef Donald Trump unlängst erklärte).

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Der amerikanische Präsident hat der Diskussion nun eine zusätzliche historische Dimension und dialektische Ausweitung hinzugefügt: In einem Handelskrieg, der einfach gewonnen werden könne, befänden sich die Vereinigten Staaten und China nicht – ganz einfach weil dieser bereits ausgekämpft sei und Amerika ihn verloren habe. „Dieser Krieg wurde vor vielen Jahren verloren von den dummen, inkompetenten Leuten, welche die Vereinigten Staaten repräsentierten“, teilte Trump über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Und fügte hinzu: „Jetzt haben wir ein Handelsdefizit von 500 Milliarden Dollar im Jahr und Diebstahl geistigen Eigentums von weiteren 300 Milliarden Dollar. Wie können das nicht so weiterlaufen lassen!“

          Darauf folgte ein weiterer Tweet, der ebenfalls der Diskussion dient und zu fortlaufenden Spekulationen anregt. Wer ihn wörtlich nimmt, liest, wie Trump seinen ersten Tweet dahingehend relativiert, dass er sich offenbar die Möglichkeit offenhalten will, ob der Handelskrieg bereits stattfand und verloren wurde – oder vielleicht doch erst noch bevorsteht. Natürlich mit guten Chancen für Amerika, diesen zu gewinnen. „Wenn du bereits 500 Milliarden Dollar UNTEN bist, kannst du nicht verlieren.“

          Nun gibt es keine ökonomische Theorie, die diesen Satz belegen würde. Das liegt vor allem daran, dass aus Sicht der allermeisten Ökonomen das Export-Import-Verhältnis zwischen zwei Ländern das Ergebnis unzähliger Kaufwünsche von Unternehmen, Privatpersonen und öffentlichen Stellen nach Produkten aus dem anderen Land ist. Weder ein bilateraler Exportüberschuss noch ein Importüberschuss ist automatisch besser.

          Davon abgesehen ist überhaupt nicht ausgemacht, wer in einer knallhart eskalierenden Handelsauseinandersetzung zwischen Washington und Peking die besseren Chancen hat, siegreich vom Platz zu gehen. Beide Volkswirtschaften sind riesig und aufgrund ihrer derzeitigen Verflochtenheit in der Lage, dem jeweils anderen – wie auch sich selbst – in vielfältiger Hinsicht wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. Die umfangreichen, viele Milliarden Dollar umfassenden Zölle, mit denen sie sich nun bedrohen, sind nur ein Beispiel.

          „Unglaubliche Stärke von Trumps Wirtschaft“

          Und auch mit Blick auf diese Maßnahmen ist durchaus überraschend, wie schnell sich die Wortwahl ändern kann. Larry Kudlow etwa, der neue oberste Wirtschaftsberater des amerikanischen Präsidenten, hat nun erklärt, dass es sich dabei ja nicht um beschlossene Maßnahmen, sondern nur um „Vorschläge“ handele. „Erinnert euch, keiner dieser Zölle ist bislang in Kraft gesetzt“, sagte er. Und überhaupt würden noch Monaten vergehen, bis eine Maßnahme Wirklichkeit werden könnte. Frühestens.

          Klar scheint, an wen sich diese Botschaft richtet – es sind nicht (nur) die Chinesen, sondern gerade auch die Anleger an den internationalen Finanzmärkten. Die haben bislang nämlich ganz und gar nicht begeistert auf die Handelskonfrontation zwischen den Wirtschaftsgroßmächten reagiert. Der Dow Jones befindet derzeit ungefähr auf einem 3000 Punkte niedrigeren Stand als noch Mitte Januar, bevor Trump mit seinen neuen Attacken in Richtung Peking begann. Analysten und Fondsmanager, die sich zu dem Thema äußern, fassen die nun in Aussicht gestellten umfangreichen Zölle überhaupt nicht als „Vorschläge“ auf, wie Kudlow sie darzustellen suchte.

          Dazu, dass in der amerikanischen Regierung die Sorge um fallende Aktienkurse in einem wichtigen Wahljahr womöglich zunimmt, passt denn auch der Auftritt des Ökonomen Peter Navarro, den Trump auf dem eigens geschaffenen neuen Posten des Handelsrates im Weißen Haus eingesetzt hat. Die Märkte, sagte er im Finanzsender CNBC, reagierten nicht auf die „unglaubliche Stärke von Präsident Trumps Wirtschaft“. Trumps „einziger Fokus richtet sich auf Wirtschaftswachstum, steigende Löhne und eine starke Industrie“, sagte Navarro.

          Wenn die Regierung ihre Ziele erreiche, würden „die Märkte nach oben gehen“. Mit Blick auf die Anleger fügte er außerdem hinzu: „Jeder sollte sich entspannen. (...) Die Wirtschaft ist einfach stark.“ Wenn er ein Finanzanalyst wäre, „würde ich denken, dass das kluge Geld während Kursrückschlägen kauft (buying the dips), weil die Wirtschaft bärenstark ist.“

          Wichtige Zwischenwahlen

          Hinzu kommt schließlich, dass sich die von Peking in Aussicht gestellten Vergeltungsmaßnahmen gerade auch in jenen amerikanischen Bundesstaaten und unter Bevölkerungsgruppen auswirken dürften, die Trump tendenziell zugeneigt sind. „Mit den angedrohten Zöllen könnten die Chinesen erfolgreich sein, womit die Demokraten bislang scheiterten: Die Unterstützung im Trump-Lager zu verringern“, kommentierte das der frühere Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Olivier Blanchard, nun: „Russen könnten die letzte Wahl bestimmt haben, Chinesen könnten diese bestimmen.“

          Darin unterscheidet sich die Situation zwischen den Vereinigten Staaten und China derzeit übrigens auch: Chinas Kommunistische Partei hat gerade erst ihre Führung neu aufgestellt und die Macht des Parteivorsitzenden Xi Jinping gefestigt. In Amerika stehen in diesem Jahr Zwischenwahlen an, in denen es für die regierenden Republikaner darum geht, ob sie ihre Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses verteidigen können. Verlieren sie eine, wird das Regieren schwerer – auch für den Präsidenten Trump.

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