https://www.faz.net/-gqe-92p85

Scheitert Nafta-Neuauflage? : Trump hält separates Handelsabkommen mit Kanada für möglich

  • Aktualisiert am

Donald Trump (rechts) und Justin Trudeau. Es ist Trudeaus zweiter Besuch im Weißen Haus nach dem Amtsantritt des amerikanischen Präsidenten. Bild: Reuters

Donald Trump hält es durchaus für möglich, dass die Verhandlungen zu einer Neuauflage des Freihandelsabkommens Nafta scheitern. Und er hat auch schon einen Plan B in Aussicht gestellt. Macht Kanada mit?

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat für den Fall eines Scheiterns der Überarbeitung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta bilaterale Vereinbarungen mit Kanada in Aussicht gestellt. „Es ist möglich, dass wir nicht in der Lage sind, einen Deal mit dem einen oder anderen zu machen. Dann können wir in der Zwischenzeit einen Deal nur mit einem treffen“, sagte Trump am Mittwoch nach einem Gespräch mit dem kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau in Washington. Der dritte Nafta-Partner ist Mexiko.

          Kanadas Ministerpräsident Trudeau setzt allerdings noch immer darauf, dass sich alle drei Länder bei den Nafta-Verhandlungen einigen können: „Ich glaube weiterhin an Nafta“, sagte er. „Wir sind zu allem bereit und wir werden sorgfältig die kanadischen Interessen schützen.“

          Trudeau sagte weiter: „Mein Optimismus hinsichtlich einer Neuverhandlung von Nafta gründet sich nicht auf Persönlichkeit oder dem Lesen von politischem Kaffeesatz, sondern weil ich weiß, wie gut Nafta für Millionen Bürger in Kanada, den Vereinigten Staaten und Mexiko war.“ Er räumte aber ein, „dass die Verhandlungen schwierig sind und weiter schwierig bleiben werden und manchmal sogar unvorhersehbar“.

          Der amerikanische Handelsminister Wilbur Ross äußerte die Hoffnung, dass das Nafta-Abkommen nicht ausläuft.

          Größtes Freihandelsabkommen der Welt

          Der Vertrag über das größte Freihandelsabkommen der Welt mit einem gemeinsamen Binnenmarkt aus 460 Millionen Menschen wird auf Betreiben Trumps neu diskutiert. Die Verhandlungen werden noch Monate andauern.

          Nafta trat im Jahr 1994 in Kraft. Seitdem hat sich das Handelsvolumen unter den drei Mitgliedern vervierfacht und lag 2015 bei mehr als einer Billion Dollar. Trump hat den Vertrag dennoch immer wieder als „Desaster“ bezeichnet und damit gedroht, das Abkommen im Notfall aufzukündigen. Nach Ansicht von Nafta-Kritikern wurden Arbeitsplätze aus den Vereinigten Staaten nach Kanada und Mexiko verlagert, wo niedrigere Löhne gezahlt werden. Dabei geht es vor allem um die Autoindustrie.

          Befürworter halten dem entgegen, dass durch den Beschluss in den Vereinigten Staaten Stellen geschaffen wurden und die Probleme im produzierenden Gewerbe eher auf Konkurrenz aus China zurückzuführen sind.

          Kontroverse über Strafzölle auf Bombardier-Flugzeuge

          Während Trudeaus Besuch in Washington ging es auch um eine Kontroverse hinsichtlich der Strafzölle auf Bombardier-Flugzeuge. Trudeau forderte die Vereinigten Staaten eindringlich auf, die Strafzölle auf Flugzeuge des kanadischen Unternehmens zu streichen. Anderenfalls werde seine Regierung nicht wie geplant von dem amerikanischen Flugzeugbauer Boeing 18 Kampfjets vom Typ Super Hornet kaufen.

          Boeing wirft dem kanadischen Konkurrenten Bombardier vor, er werde von der kanadischen Regierung subventioniert und exportiere seine Maschinen zu einem Preis unter Wert. Die amerikanische Regierung belegte daher die Bombardier-Maschinen CS100 und CS300 mit Strafzöllen in Höhe von 220 Prozent. Auch der kanadischen Holzwirtschaft wirft Washington Dumpingmethoden vor.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.