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Drohender Handelskrieg : Warum erhebt ein Land Zölle?

Donald Trump und hinter ihm sein Handelsbeauftragter Robert Lighthizer. Bild: AP

Donald Trump droht mit neuen Zöllen – auch befreundeten Ländern. Was hat ein Land eigentlich davon, so etwas zu machen? Ökonomen kennen fünf Gründe. Einer hängt mit der Größe Amerikas zusammen.

          6 Min.

          Schon wieder entbrennt die Diskussion um den Freihandel. Der amerikanische Präsident Donald Trump droht allen anderen Ländern Zölle auf Stahl und Aluminium an – und hat anschließend die Europäer wissen lassen, dass er auch Autos belegen wird, wenn sie ihrerseits mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren. In der Debatte lohnt ein Blick darauf, worum es im Freihandel geht. Und wieso es faktisch kein einziges Land der Welt gibt, das Freihandel hundertprozentig umsetzt.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Das wäre nämlich eigentlich ziemlich leicht: Eine Regierung, die für Freihandel ist und weiß, dass dies auch die Menschen im Land wollen, braucht bloß alle Zölle, Qualitätsanforderungen und andere Handelsvorschriften abzuschaffen, und schon hat dieses Land für sich Freihandel etabliert. Verbraucher, Unternehmer und öffentliche Institutionen entscheiden dann einfach, welche Waren, Dienstleistungen und Wertpapiere sie von inländischen Anbietern kaufen und welche von ausländischen – je nachdem, wie sie es für sich am besten finden. Daraus ergibt sich dann eine bestimmte Importmenge und eine bestimmte Ausfuhr, in denen sich diese unzähligen Konsum- und Sparwünsche spiegeln. Fertig.

          Ökonomen haben übrigens schon vor vielen Jahren herausgefunden und immer wieder überprüft, dass der freie Austausch von Waren und Dienstleistungen unter dem Strich allgemein einen höheren Wohlstand ermöglicht. Gleichzeitig ist Protektionismus keineswegs verschwunden, im Gegenteil. Die EU erhebt Zölle; die Vereinigten Staaten, die Chinesen tun nicht nur das, sondern kontrollieren nach wie vor beispielsweise auch ziemlich strikt, wer wie in der zweitgrößten Ökonomie der Welt investiert. Und tatsächlich gibt es in der Wirtschaftslehre neben dem großen Argument für freien Handel von Waren und Dienstleistungen eine Reihe ökonomischer Gründe, die Protektionismus nicht nur erklären, sondern aus denen heraus auch klar wird, warum sich demokratisch gewählte Regierungen teils dafür entscheiden. Hier kommt eine kleine Übersicht:

          1. Große Länder sind anders

          Die Argumente für Freihandel sind gerade für kleine Länder gewichtig. Deren Wirtschaftskraft und Produktion haben faktisch keinen allgemeinen Einfluss auf die Preise auf den Weltmärkten. Für große, wirtschaftsstarke Länder gilt das so nicht. Die Vereinigten Staaten sind seit vielen Jahren die größte Volkswirtschaft der Welt – und der Präsident ist ausweislich seiner Wortwahl sehr daran interessiert, dass das so bleibt. Für große Länder gibt es im Wirtschaftslehre-Handbuch zumindest ein Instrument, das sie verlocken könnte, zum Beispiel einen Zoll zu erheben oder zu erhöhen.

          Die Idee verbirgt sich hinter dem sperrigen Begriff „Optimalzoll“ und meint folgenden Gedanken: Ein großes Land hat womöglich so großen Einfluss, dass es etwa durch einen Einfuhrzoll das Preisverhältnis auf den Weltmärkten zu seinen Gunsten beeinflussen könnte, und zwar so: Die Preise für seine Importgüter sinken zum Nachteil ausländischer Hersteller, während die heimischen Hersteller weiterhin ihre Preise durchsetzen können. Die Folge: Die heimischen Güter werden wertvoller, verglichen mit den ausländischen (die Ökonomen nennen das dahinter stehende Verhältnis „Terms of Trade“). Der Wohlstand des großen Landes nimmt zu auf Kosten der anderen Länder. Wenn dieser Effekt am Ende sogar größer ist als der Schaden, den die Zölle für die heimischen Konsumenten bedeuten, dann könnte ein Zoll dem großen Land mit Blick auf die Wohlfahrt sogar etwas „bringen“. Theoretisch.

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