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F.A.Z. exklusiv : DIW findet Lösung im Streit um Marcel Fratzscher

DIW-Präsident Marcel Fratzscher Bild: Bloomberg

Über Marcel Fratzschers Präsidentschaft am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gibt es immer wieder Streit. Doch jetzt gibt es einen Vorschlag, der Einigkeit bringen kann.

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          Ein bisschen Frieden für Marcel Fratzscher: Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) soll einen neuen Kollegen im Vorstand seines Instituts bekommen. Ein viertes Vorstandsmitglied soll helfen, die jahrelangen Auseinandersetzungen im Institut zu befrieden. In einer Konferenz mit den Abteilungsleitern des Institutes wurde der Plan am Mittwochnachmittag vorgestellt – nach F.A.Z.-Informationen ist er allgemein auf Zustimmung gestoßen.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass in Wirtschaftsforschungsinstituten gelegentlich heftig diskutiert wird, ist nichts Neues. Im DIW allerdings ging es besonders heftig zu. Eigentlich ging es um ganz übliche Konflikte: darum, wer die knappen Finanzmittel bekommt – und, was wichtiger ist: der schnelle, zugespitzte Beitrag zur politischen Debatte, wie er auch vom Institutspräsidenten Marcel Fratzscher gern gepflegt wird, oder die ausgeruhte Grundlagenforschung. Dabei allerdings trug so mancher Forscher dem Institutspräsidenten nach, dass der schon nach außen Positionen vertreten hatte, die denen seiner Fachleute im Institut widersprachen. Andererseits waren die selbstbewussten Forscher im DIW schon immer schwer zu führen.

          Gute Noten für die Fachabteilungen

          Doch der Streit ging so weit, dass er Fratzschers Zukunft am Institut in Frage stellte. Selbst in der Evaluierung durch die Leibniz-Gemeinschaft, der das Institut angehört, hinterließ er seine Spuren: Zwar wurden die Abteilungen des DIW durchschnittlich mit der zweitbesten Note „sehr gut“ beurteilt, und auch die Energieökonomin Claudia Kemfert, die mit ihren Ansichten zum Klimaschutz kontroverse Diskussionen auslöst, bekam für ihre Abteilung diese Note. Doch das Lob für den Präsidenten Marcel Fratzscher – einen fachlich anerkannten Makroökonomen – fiel spärlich aus.

          Das Aufsichtsgremium des Institutes, genannt Kuratorium, setzte eine externe Beratergruppe ein, in der erfahrene Wissenschaftler und Wissenschaftsmanager vertreten waren: „um den Vorstand und das Institut im Prozess der Weiterentwicklung der Strategie zu unterstützen“ – so sagte es Fratzscher im April der F.A.S. Inoffiziell hieß es: Dass das Kuratorium diese Gruppe einsetze, sei nicht gerade ein Vertrauensvotum für den Präsidenten.

          Jede Abteilung bekommt ein Budget

          Diese Gruppe hat am Mittwoch ihre Vorschläge vorgestellt. Dabei geht es tatsächlich unter anderem – wie von der F.A.S. im April berichtet – um ein viertes Vorstandsmitglied. Es könnte in enger Abstimmung mit den Abteilungsleitern benannt werden und die Aufgabe haben, die Zusammenarbeit zwischen ihnen und dem Vorstand zu verbessern. Später könnte ein erweiterter Vorstand mit noch mehr Wissenschaftlern eingerichtet werden.

          Zudem soll die Finanzverwaltung verbessert werden, zum Beispiel indem die einzelnen Abteilungen verlässliche Budgets bekommen. Endgültig muss das Kuratorium unter Vorsitz des ehemaligen Bundesbankpräsidenten Axel Weber entscheiden, das den Plan für seine Sitzung am 1.Juli vorgelegt bekommt.

          „Ich bin überzeugt, dass das DIW auf einem sehr guten Weg ist, Reformmaßnahmen umzusetzen, und dass die Unstimmigkeiten dann beendet sind“, sagte der Linzer Ökonom Friedrich Schneider, der Vorsitzende der Beratergruppe, der F.A.Z. Das DIW selbst wollte am Mittwoch nichts dazu sagen, kündigte aber eine öffentliche Stellungnahme für Donnerstag an.

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