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Dividendenwerte : Dividendenwerte sind in

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FRANKFURT, 11. Februar. Über weite Strecken ging es nur zäh voran, doch zum Wochenschluß legten die europäischen Aktienindizes ein starkes Finale hin. Immerhin 4,4 Prozent hat der Euro Stoxx 50 jetzt mehr auf dem Konto als zu Jahresbeginn.

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          FRANKFURT, 11. Februar. Über weite Strecken ging es nur zäh voran, doch zum Wochenschluß legten die europäischen Aktienindizes ein starkes Finale hin. Immerhin 4,4 Prozent hat der Euro Stoxx 50 jetzt mehr auf dem Konto als zu Jahresbeginn. Nach sechs Wochen ist die Hälfte der Rendite eingefahren, die Anlagestrategen im Gesamtjahr für möglich halten. Der Zuwachs ist auch deshalb beachtlich, weil die amerikanischen Aktienindizes seit Jahresanfang im Minus liegen - allen voran die Technologieindizes der Nasdaq mit Abschlägen von 6 Prozent.

          Wie lange können sich die europäischen Börsen von den amerikanischen abkoppeln? Ein Treiber der Aktienkurse in Europa ist die Dividendenphantasie. Etwa seit November wird darüber spekuliert, daß eine Vielzahl von Firmen die Dividende anheben könnte. In dieser Woche hat zum Beispiel das deutsche Pharmaunternehmen Schering die Hoffnungen erfüllt. Doch obwohl mindestens 25 der 30 Dax-Werte mehr ausschütten dürften, liegt die durchschnittliche Dividendenrendite immer noch unter dem Schnitt der Euro-Stoxx-50-Unternehmen. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum der Dax in diesem Jahr im europäischen Vergleich bisher unterdurchschnittlich abschneidet. Zumindest zeigt ein Blick auf die besten Aktien im Euro Stoxx 50 seit Anfang Dezember: Dividendenstarke Titel sind in. Die Versorger RWE, Suez und Enel glänzen mit Kursgewinnen von 13 Prozent und mehr. Damit schlagen sie den Gesamtmarkt um Längen. In der Liste der Verlierer stehen dagegen dividendenschwache (Technologie-)Werte wie Alcatel, SAP und Siemens ganz vorn.

          Damit steht außer Frage, daß die Aussichten auf die zum Großteil bis Mitte Mai erfolgenden Dividendenzahlungen die Kurse in Europa stützen. Doch sobald die Unternehmen ihre Dividenden gezahlt haben, werden die Märkte ein neues Thema brauchen. Der eine oder andere Privatanleger, der fleißig kassiert und seinen Sparerfreibetrag von 1370 Euro dann ausgeschöpft hat, könnte auf folgende Idee kommen: Aktien von Nachzüglern wie MAN oder Linde, die erst im Juni ihre Hauptversammlung haben, schon im Vorfeld mit Gewinn verkaufen.

          Noch sprechen es die wenigsten klar aus: Der Dollar ist wieder da. Von 1,36 Dollar je Euro ist der Euro-Kurs in nur sechs Wochen auf 1,28 Dollar gefallen. Noch glaubt fast niemand, daß dies das Ende des Aufstieges des Euro ist, der im Juni 2001 bei Kursen um 0,83 Dollar begann.

          Noch glauben viele, daß die Sparpläne von Amerikas Präsident George W. Bush stark verwässert werden. Bush will durch Milliardeneinsparungen den Fehlbetrag im amerikanischen Staatshaushalt von derzeit 427 Milliarden Dollar bis 2010 mehr als halbieren. Notenbankpräsident Alan Greenspan dürfte in der nächsten Woche seinen Auftritt vor dem Kongreß dazu nutzen, für Bushs Sparpaket zu werben. Dies könnte den Dollar weiter stützen.

          Ein starker Dollar ist insofern in Greenspans Interesse, als er die Inflation in Schach hält. Zinserhöhungen könnten dann in Amerika geringer ausfallen als bisher befürchtet. Erstaunlicherweise liegen die Zinsen für amerikanische Anleihen mit dreißig Jahren Laufzeit mit 4,5 Prozent nur rund 0,3 Prozentpunkte über ihrem Tief vom Juni 2003 - obwohl seither die Notenbank die Leitzinsen am kurzen Ende sechsmal erhöht hat.

          Anders als am Aktienmarkt bewegen sich die Kurse an den Anleihemärkten in Amerika und Europa mehr oder weniger im Gleichschritt. Das bisherige Renditetief für zehnjährige Bundesanleihen vom Juni 2003 - seinerzeit hatten Deflationsängste die Märkte im Griff - ist seit dieser Woche passe. Der zugehörige europäische Zinskontrakt erreichte an fünf Tagen in Folge einen Rekordkurs. Zehnjährige Bundesanleihen werfen nur noch eine Rendite von gut 3,4 Prozent ab. Das ist der geringste Wert seit dem Zweiten Weltkrieg. Womöglich braucht es dieses "Überschießen nach unten", um die oft beschworene Zinswende tatsächlich einzuleiten.

          Aktien mit hoher Dividendenrendite sind insofern tatsächlich "die natürliche Wahl". Anleger werden sich aber zunehmend fragen müssen, welche Folgen ein dauerhaft starker Dollar für die europäischen Aktienkurse hätte. Und es wäre auch nicht das erste Mal, falls man im nachhinein feststellte: 2005 fielen Renditetief und Aktienhoch zeitlich zusammen. Wachsamkeit ist also geboten, doch noch gilt: Aktien halten. Hanno Mussler

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