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Diskussion um Trennbankensystem : Universalbanken im Fokus

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Kundeneinlagen und das klassische Kreditgeschäft von den Handelsrisiken abgeschottet werden müssen. Doch es überzeugt nicht, wenn Politiker und Aufsichtsbehörden Geschäftsmodelle diktieren wollen.

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          Dass die Banken abermals am Pranger stehen, dazu haben sie mit den Manipulationen von Geldmarktzinsen wie dem Libor und zahlreichen anderen Verfehlungen selbst beigetragen. Das Sündenregister ist lang: Es reicht von Produkten mit hohen Verlustrisiken, die trotzdem an Kunden verkauft wurden, bis hin zu Konstruktionen, die Wetten ähnelten, aber deren Risiken für die Kunden eindeutig höher waren. Für diese Sündenfälle gibt es einen Grund: den Eigenhandel. Dessen Risiken waren für große Institute zudem überschaubar, weil im schlimmsten Fall der Staat dafür haften musste.

          Vor allem spezialisierte Banken erwiesen sich als anfällig

          Nun nimmt die Politik das Modell der Universalbank ins Visier. Darunter wird ein Finanzinstitut verstanden, dass sowohl das klassische Privat- und Firmenkundengeschäft als auch das von den Kapitalmärkten abhängige Investmentbanking umfasst. Als Paradebeispiel gilt die Deutsche Bank, deren Doppelsitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen sich zu diesem Geschäftsmodell bekennt. Aber Politiker wie der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel oder Vertreter aus der Finanzbranche wie der Vorstandsvorsitzende der Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard, und der frühere Citigroup-Chef Sandy Weill wollen das klassische Kundengeschäfts vom riskanten Investmentbanking abspalten. Sie treibt die Befürchtung um, dass Investmentbanker dank der impliziten Staatsgarantie, die aus den hohen Kundeneinlagen resultiert, eine riskante Strategie an den Finanzmärkten einschlagen, um damit ihre Erfolgsprämien zu steigern.

          Doch wer auf die jüngsten Bankenkrisen blickt, stellt fest, dass die Universalbanken zwar auch getroffen wurden und wie die Commerzbank staatliche Hilfen benötigten. Doch erst recht auf ein enges Geschäftsgebiet spezialisierte Banken erwiesen sich als anfällig. Das im Herbst 2008 zusammengebrochene amerikanische Institut Lehman Brothers war eine reine Investmentbank. In Deutschland kippte die auf Hypotheken- und Staatsfinanzierung spezialisierte Hypo Real Estate. Die Bankenkrise in Spanien ist keine Krise der beiden Universalbanken Santander oder BBVA, sondern eine der Sparkassen. Diese hatten angetrieben durch Regionalpolitiker eine Immobilienpreisblase finanziert, die nun das ganze Land zu überfordern droht.

          Die Lösung überzeugt nicht

          Die Forderung nach einer Aufspaltung von Universalbanken und einer Einführung eines Trennbankensystems, wie es in den Vereinigten Staaten von 1933 bis 1999 der Fall gewesen ist, geht stets einher mit einer pauschalen Verurteilung des Investmentbanking. Doch international tätige Unternehmen, und dazu zählt auch ein wichtiger Teil des deutschen Mittelstands, brauchen die Expertise einer Investmentbank, sei es im Zins- und Währungsmanagement oder in der Finanzierung, die immer stärker auf den Kapitalmarkt zurückgreift.

          In der öffentlichen Diskussion wird Investmentbanking aber immer wieder gleichgesetzt mit dem Handelsgeschäft. Dieses folgt nicht immer dem Interesse der Kunden, weil Banken auf den Märkten weiterhin Positionen einnehmen. Ein Beispiel ist die Affäre um Zinsabsprachen, die dazu dienten, am Derivatemarkt Gewinne zu erzielen. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Kundeneinlagen und das klassische Kreditgeschäft von den Handelsrisiken abgeschottet werden müssen. Doch es überzeugt nicht, wenn Politiker und die für die Finanzkrise mitverantwortlichen Aufsichtsbehörden Geschäftsmodelle diktieren wollen. Das Beispiel deutscher Landesbanken wie etwa der inzwischen untergegangenen West LB zeigt, dass politische Einflussnahme auf Banken oftmals gefährlicher ist als ein Geschäftsmodell, das sich als stabil erwiesen und Krisen ohne staatliche Kapitalhilfen überstanden hat.

          Eine Katharsis ist nötig

          Dazu zählt die Deutsche Bank, auch wenn sie von der staatlichen Rettung des amerikanischen Versicherers AIG profitiert hatte und gegenwärtig wegen der Sünden ihrer Investmentbanker unter kritischer Beobachtung steht. Selbst JP Morgan verdient als Universalbank noch immer ordentlich, obwohl Milliardenverluste aus Spekulationen mit Kreditrisiken anfielen. Das Modell der Universalbank beruht auf einem Risikoausgleich: Die Schwankungen an den Kapitalmärkten werden durch das stabile Kundengeschäft ausgeglichen.

          Statt über gutes und schlechtes Bankgeschäft entscheiden zu wollen, sollten Politiker und Aufseher sich lieber Gedanken darum machen, wie die Risiken des Eigenhandels von den Bankkunden ferngehalten werden können. Ob die Vorschläge in Großbritannien und den Vereinigten Staaten geeignet sind, staatliche Rettungen in Zukunft zu vermeiden, muss sich noch weisen. Nötig ist eine größere Offenheit der Banken, die immer wieder behaupten, sie betrieben keinen Eigenhandel. Jedoch wird der Eigenhandel oft willkürlich definiert, wie das Beispiel JP Morgan belegt. Eine riskante Strategie in der Anlage überschüssiger Mittel ist letztendlich Eigenhandel. Mit der Versteifung auf hohe Renditen und Erfolgsprämien haben die Banken ihr wichtigstes Kapital vergessen: das Vertrauen der Kunden. Um es wiederzugewinnen, ist eine Katharsis nötig: der weitgehende Verzicht auf den Eigenhandel.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

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