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„Macho-Kultur?“ : Diskriminierung unter Ökonomen auch in Deutschland Thema

  • -Aktualisiert am

Bei Ökonomentreffen wie hier auf der jährlichen Konferenz der American Economic Association sind Frauen nach wie vor eine Minderheit. Bild: AFP

Die Ergebnisse einer amerikanischen Umfrage zu Diskriminierung in den Wirtschaftswissenschaften schlagen auch hierzulande hohe Wellen. Die wichtigste Ökonomen-Organisation reagiert.

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          An deutschen Wirtschaftsfakultäten rückt die Benachteiligung von Frauen mehr in den Vordergrund – und erste Zahlen belegen, wie schlecht es um die Gleichstellung deutscher Ökonominnen steht. Unter seiner neuen Vorsitzenden Nicola Fuchs-Schündeln hat sich der Verein für Socialpolitik die Förderung von Frauen auf allen Karrierestufen der Wirtschaftswissenschaften zum Ziel gesetzt. Neben schon länger angebotenen Mentoring-Workshops für Frauen wird es auf der diesjährigen Jahrestagung des Vereins im September daher eine Podiumsdiskussion mit Ökonominnen geben, die über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung berichten.

          Die Tagung im kommenden Jahr soll zudem unter dem Titel „Gender Economics: Geschlechterforschung in den Wirtschaftswissenschaften“ stehen, erzählt die Diversitätsbeauftragte des Vereins Dorothea Kübler. Dann sollen Volkswirte aus verschiedenen Perspektiven, zum Beispiel der Entwicklungs- und der Arbeitsmarktökonomik, ihre neuen Forschungsergebnisse dazu präsentieren, inwieweit Geschlechterfragen volkswirtschaftliche Prozesse beeinflussen. Kübler ist Professorin für Volkswirtschaftslehre am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

          Der Verein für Socialpolitik ist eine der größten Organisationen von Wirtschaftswissenschaftlern im deutschsprachigen Raum. Aktuell sind weniger als 20 Prozent seiner Mitglieder Frauen. Deren Anteil steige zwar langsam an, da er vor allem unter älteren Mitgliedern besonders niedrig ist. Dennoch bleibe auch unter den jüngeren Ökonomen ein großes Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern, sagte Kübler gegenüber FAZ.NET.

          Belastbare Zahlen sind noch selten

          Die American Economic Association (AEA) hatte in der vergangenen Woche Zahlen zu Diskriminierung unter ihren Mitgliedern veröffentlicht. Demnach berichteten hunderte Ökonominnen über sexuelle Übergriffe, fast die Hälfte der weiblichen Befragten hat eigenen Angaben zufolge Erfahrungen gemacht mit Benachteiligung aufgrund des Geschlechts. Mit der Umfrage reagierte die Organisation auf prominente Fälle sexueller Belästigung in der Volkswirtschaftslehre.

          Als Problem sieht Kübler für Deutschland den Mangel an belastbaren Statistiken: „Anders als zum Beispiel die Royal Economics Society in Großbritannien haben wir keinen Statusbericht, der uns zeigen würde, wie viele Frauen es auf den unterschiedlichen Karrierestufen gibt.“ Um dem entgegenzuwirken, plant der Verein für Socialpolitik nun einen eigenen Statusbericht.

          Eher, so glaubt Kübler, fielen Frauen gegenüber Männern zurück, wenn die Familienplanung mit der Karriere in Konflikt gerät. Auch das Arbeitsklima in der Volkswirtschaftslehre treffe Frauen besonders. „Viele Kolleginnen berichten mir von besonders aggressiven Fragen bei Konferenzen oder Berufungsverfahren. Frauen werden oft härter kritisiert als Männer“, erzählt Kübler.

          Deutschland ist Schlusslicht

          Einen ersten Eindruck von den Geschlechterverhältnissen im europäischen Vergleich vermitteln derweil neue Forschungsergebnisse einer Gruppe um den Frankfurter Professor Guido Friebel. Die Ökonomen haben Webseiten von mehr als 4000 Institutionen in Europa ausgewertet, die ökonomische Forschung betreiben, und Mitarbeiter nach Karrierestufen kategorisiert.

          Dabei stellt sich heraus: Deutschland ist unter den 23 untersuchten Ländern Schlusslicht beim Frauenanteil unter allen Wirtschaftswissenschaftlern. Nur 21 Prozent der Ökonomen hier sind weiblich. Zum Vergleich: In Frankreich sind es 32, in Großbritannien 36 Prozent. Neben Deutschland schneiden auch andere mitteleuropäische Länder wie die Niederlande oder die Schweiz in diesem Vergleich ähnlich ab.

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