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Diskette wird 45 : Der geheimnisvolle Datenträger

Erkennen Sie diesen Mann? 1985 stellte Microsoft-Gründer Bill Gates das erste Windows-Betriebssystem vor - auf Diskette versteht sich. Bild: © Deborah Feingold/Corbis

Vor 45 Jahren kam die erste Diskette auf den Markt. Auch heute wird das antiquierte Computermedium noch eifrig genutzt - zum Beispiel bei der Deutschen Bahn.

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          Mit welchen Computern wir im Jahr 2200 arbeiten werden, wenn das Raumschiff Enterprise zu fernen Galaxien unterwegs ist, weiß heute niemand. Was wir dagegen wissen, ist: Mehr als zwei Jahrhunderte zuvor nutzte Weltraumvisionär Gene Roddenberry uralte Technik. Der 1991 verstorbene Star-Trek- und Enterprise-Erfinder lebte in einer Zeit, als Sechs-Megabyte-Festplatten noch 1000 Dollar kosteten und an Bluray-Disks oder USB-Sticks nicht zu denken war. Also arbeitete er mit 5,25-Zoll-Disketten, sehr dünnen und sehr leicht biegsamen Magnetscheiben, die heute kaum mehr ein Computer lesen kann. Vor kurzem hat ein Datenrettungsunternehmen den Inhalt von 200 dieser sogenannten Floppy Disks aus dem Erbe Roddenberrys aus dem digitalen Nirwana geholt.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Geschichte wirft ein Schlaglicht auf die Vergänglichkeit von Computer- und vor allem von Computer-Speichertechnik. Aber auch darauf, dass manche Technologie ziemlich lange durchhält. Die Diskette feiert in diesem Jahr ihren 45. Geburtstag, betrachtet man ihre kommerzielle Nutzung. Die historischen Spuren reichen bis in das Jahr 1967 zurück. Damals wollte der Computerkonzern IBM einen portablen Datenträger für seine Großrechnerserie System/370 entwickeln. Die schrankgroßen Geräte funktionierten üblicherweise mit Magnetbändern oder Festplatten. Das tragbare Datensystem sollte billig zu produzieren sein und schnell und einfach den Programmcode einspeisen können, um Kunden mit Softwareupdates zu versorgen. 1969 schließlich entwickelte ein Forscherteam um den Ingenieur Alan Shugart die ersten Disketten.

          1971 begann der kommerzielle Vertrieb. „Die ersten Laufwerke konnten jedoch nur Disketten lesen und nicht beschreiben“, heißt es in der Ausstellung „Historische Rechentechnik“ der Informatik-Fakultät an der Technischen Universität Dresden. Daher setzten sie sich anfangs auch nicht gegenüber älteren Speichermedien wie Lochkarten, Lochstreifen und Magnetbändern durch. „Obwohl auf einer Diskette Platz für Daten waren, welche auf circa 1000 Lochkarten geschrieben werden mussten“, wie die Dresdner Fachleute betonen.

          Ein einziges Foto passt nicht auf eine Diskette

          Im Lauf der Jahre wurden die Disketten immer kleiner, zugleich wuchs ihre Aufnahmefähigkeit. Von acht über 5,25 auf schließlich 3,5 Zoll schrumpfte das Format; Letzteres entwickelte sich schließlich zum Standard für lange Zeit. Noch in den neunziger Jahren brauchten diejenigen viel Geduld, die größere Programme auf ihren Computern installieren wollten. Microsofts Betriebssystem Windows 95 wurde auf 13 Disketten geliefert, die Bürosoftware Office sogar auf 32. Geschuldet ist das der relativ bescheidenen Kapazität: Mehr als 1,44 Megabyte passen nicht auf eine Standard-Diskette.

          Damit lässt sich heute nicht mehr viel anfangen, vor allem nicht, wenn es um Fotos oder sogar Videos geht. Hochauflösende Kameras, die mit bis zu 50 Megapixeln gespickt sind, produzieren gigantische Datenmengen. Schon ein einziges Bild einer modernen Kompaktkamera passt nicht mehr auf eine Diskette. Ganz zu schweigen von einem abendfüllenden Spielfilm: Für „Star Trek“ wären einige tausend Disketten vonnöten.

          Trotzdem ist die Diskette nicht tot. In den Haushalten von Computernutzern jenseits der 30 dürften noch immer zahlreiche der ultraflachen Datenträger schlummern. Und auch bei der Deutschen Bahn. Etwas, worüber in den sozialen Medien immer wieder gerne gespöttelt wird, ist die Ansage in einem IC: „Wir haben gerade am Bahnhof eine neue Reservierungsdiskette reinbekommen und können jetzt die Reservierungen anzeigen.“ In Internetblogs werden in einer Mischung aus Lust und Ungläubigkeit Fotos nicht mehr ganz moderner Zugtechnik veröffentlicht - unter anderem ein Computer mit Disketteneinschub. „Warum sollte man etwas austauschen, das noch funktioniert?“, wird dazu ein Bahnmitarbeiter zitiert. Und im vergangenen Jahr twitterte Nutzer „Marco“ in einem Anflug von Nostalgie: „Der #ICE kann die Reservierungen nicht anzeigen. Laut Ansage ist eine #Reservierungsdiskette bestellt. Die gute alte Diskette.“

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