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Direktbanken : Der Konsolidierungsdruck bleibt

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Noch immer kämpfen die Direktbanken in Deutschland ums Überleben. Stellenabbau, Kosteinsparungen und Übernahmen prägen das Bild der Branche.

          Die comdirect bank hat im dritten Quartal erwartungsgemäß einen hohen Verlust verzeichnet. Zwar legte der Onlinebroker in seinem Quartalsbericht am Freitag einen operativen Gewinn vor, doch führten Belastungen aus den Anfang September vorgestellten Restrukturierungsmaßnahmen zu einem Nachsteuerverlust von 27,6 Millionen Euro. Auf Grund kräftig gesunkener Verwaltungsaufwendungen von 105,8 (176,1) Millionen Euro lag der Verlust allerdings unter dem Vorjahr (minus 59,3) Millionen Euro.

          Operativ sei auch im dritten Quartal ein positives Ergebnis erwirtschaftet worden, für die ersten neun Monate habe das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit bei 4,3 (-59,3) Millionen Euro gelegen. Die Kundenzahl habe sich per 30. September im Vergleich zum Vorjahr auf 626.658 (643.799) verringert. Dabei habe eine Zunahme bei der britischen Tochtergesellschaft einem Rückgang in Deutschland entgegengestanden, der aus der Beendigung von „inaktiven Kundenbeziehungen“ resultierte. Die Zahl der ausgeführten Orders habe sich im dritten Quartal auf 1,6 Millionen nach 1,2 Millionen Stück im zweiten Quartal erhöht. Für die ersten neun Monate wurde aber noch ein Rückgang der Wertpapier-Transaktionen um rund 14 Prozent auf 4,2 Millionen Stück ausgewiesen.

          Gebremst optimistisch bei der Comdirect

          Für das laufende Jahr wurden die Erwartungen bestätigt. Es wird mit einem positiven Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit gerechnet. Ab 2003 werde das Restrukturierungs-Programm dann zu deutlich besseren Ergebnissen führen. Auf dem Kernmarkt Deutschland strebt comdirect den Angaben zufolge im laufenden Jahr ein operatives Ergebnis auf Vorjahreshöhe an. Die Entwicklung bei der britischen Tochter verlaufe planmäßig. Diese soll 2004 den Breakeven erreichen.

          Personalabbau bei DAB geht weiter

          Die mehrheitlich zur HypoVereinsbank gehörende Direktbank DAB, die am Donnerstag ihre Geschäftszahlen zum dritten Quartal vorgelegt hatte, hält an ihrem Breakeven-Ziel auf Konzernebene für 2003 fest. „Das oberste Ziel ist die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens“, sagte Vorstand Alexander von Uslar. Hierzu würden einerseits die bereits getroffenen Maßnahmen zur Reduzierung der Kostenseite als auch zur Steigerung der Ertragssituation weiterverfolgt.

          Daneben sollen aber auch weitere Schritte eingeleitet werden. Über deren Inhalt wollte sich von Uslar nicht im Einzelnen äußern. Er kündigte jedoch einen weiteren Personalabbau an. Von Uslar verwies in diesem Zusammenhang auf eine noch vor Weihnachten geplante Präsentation. Die DAB Bank geht im kommenden Jahr nicht von einer Verbesserung der aktuellen Marktlage aus. Zu den Spekulationen über die Zukunft der Direktbank wollte sich der Vorstand nicht äußern. Er unterstrich jedoch, dass sowohl die alten wie auch geplanten neuen Maßnahmen auf der Basis der aktuellen Unternehmenssituation getroffen werden.

          Analyst Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim sieht zwei Möglichkeiten für die Zukunft der DAB. Entweder werde die DAB komplett verkauft, oder sie konzentriere sich auf ihr Kerngeschäft und werde deshalb die Auslandsaktivitäten veräußern.

          Commerzbank an DAB-Übernahme interessiert

          Die Commerzbank, die als möglicher Kandidat für eine Übernahme der DAB gilt, ist nach den Worten ihres Vorstandssprechers Klaus-Peter Müller weiter an einer Übernahme der HypoVereinsbank-Tochter interessiert. „Das ist wie beim Tanzen“, sagte Müller am Dienstag auf die Frage nach einem Interesse seiner Bank an dem Münchener Institut. „Wir kennen den Rhythmus. Wenn der andere tanzen will, tun wir es auch.“ Die generelle Bereitschaft aller Betroffenen, sich mit dem Thema Konsolidierung zu befassen, sei da. Es würden sicherlich einmal Sondierungsgespräche aufgenommen werden. Dafür sei es jetzt aber noch zu früh.

          Müller bekräftigte in diesem Zusammenhang auch, dass die Direktbank-Tochter der Commerzbank, comdirect bank AG nicht in den Konzern eingegliedert wird. Rund 94 Prozent der Kunden von comdirect hätten die Möglichkeit gehabt, auch Commerzbank-Kunden zu werden, hätten sich aber nicht dafür entschieden. Warum sollten diese Kunden also durch eine Integration dazu gezwungen werden, sich für die Commerzbank zu entscheiden.

          Der Dritte im Bunde, Consors, verschwindet vom Kurszettel

          Dreieinhalb Jahre nach der ersten Börsennotierung am Neuen Markt verliert der Online-Broker Consors endgültig seine Eigenständigkeit und verschwindet vom Kurszettel. Der Hauptaktionär, die französische Großbank BNP Paribas, findet die Minderheitsaktionäre mit 11,75 Euro je Aktie ab und wird Alleineigentümer von Consors, das mit der BNP-Tochter Cortal zusammengeschlossen werden soll.
          Dies beschloss eine außerordentliche Consors-Hauptversammlung erwartungsgemäß am Donnerstag in Nürnberg mit einer Zustimmung von 99,9 Prozent. Der Beschluss war Formsache, da BNP bereits mehr als 95 Prozent der Anteile hielt und damit den so genannten Squeeze-out, das Herausdrängen der verbliebenen Anteilseigner, durchführen konnte.

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