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Umfrage unter Unternehmen : Fachkräftemangel größer als vor der Pandemie

  • Aktualisiert am

Auch auf dem Bau fehlen Mitarbeiter. Bild: dpa

Ob auf dem Bau oder im Maschinenbau: Viele Unternehmen finden kaum noch qualifizierte Mitarbeiter. Das sei ein Problem für die Digitalisierung und den Kampf gegen Klimawandel, warnt der DIHK. Und koste schon jetzt Milliarden an Wertschöpfung.

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          Die Corona-Krise ist noch nicht überwunden, der Konjunkturaufschwung verzögert sich – trotzdem haben die Unternehmen in Deutschland schon wieder mit einem enormen Fachkräftemangel zu kämpfen. Dieser ist aktuell sogar etwas größer als vor Ausbruch der Pandemie, wie aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervorgeht, für die rund 23.000 Unternehmen befragt wurden. Sie bezeichnen den Fachkräftemangel zudem wieder als das größte Geschäftsrisiko.

          Mehr als die Hälfte der Betriebe – konkret 51 Prozent – können aktuell offene Stellen zumindest zeitweise nicht besetzen, weil sie keine passenden Arbeitskräfte finden. Im Herbst 2020 hatte lediglich ein Drittel der Unternehmen von Fachkräfteengpässen berichtet, im Herbst 2019 waren es 47 Prozent. Besonders große Schwierigkeiten zeigen sich auf dem Bau, unter Investitionsgüterproduzenten wie dem Maschinenbau und unter Gesundheits- und Sozialdienstleistern wie etwa Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Kitas.

          90 Milliarden Euro weniger Wertschöpfung

          „Der Fachkräftemangel in den Betrieben ist zurück: schneller und in größerem Umfang als von vielen erwartet“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Dieser sei, neben den Knappheiten bei Rohstoffen und Vorprodukten, eine zusätzliche Herausforderung auch für die Umsetzung zentraler gesellschaftlicher Zukunftsaufgaben wie der Digitalisierung, der Bekämpfung des Klimawandels oder der E-Mobilität. „Im Zweifel fehlt nicht nur das Geld, sondern auch der Mensch“, so Dercks.

          Tatsächlich gehen der Umfrage zufolge 43 Prozent der Unternehmen davon aus, dass sie wegen der Fachkräfteengpässe Aufträge ablehnen oder ihr Angebot reduzieren müssen. Das betreffe nicht nur das Einfamilienhaus, sondern auch den Ausbau der Erneuerbaren Energien oder der digitalen Infrastruktur, sagte Dercks. Wenn beispielsweise Fachkräfte zur Verlegung von Glasfaserkabeln fehlten, verlangsame sich der dringend erforderliche Ausbau der Breitband-Infrastruktur. Die Unternehmen befürchten darüber hinaus eine Mehrbelastung für ihre Belegschaften sowie steigende Arbeitskosten, was die anziehende Inflation weiter befeuern könnte.

          Nach Einschätzung des DIHK erweist sich der Fachkräftemangel schon heute als Wachstumsbremse. Die Zahl der aktuell nicht besetzten Stellen dürfte sich auf 1,7 bis 1,8 Millionen belaufen, so Dercks. „Das bremst die Wertschöpfung grob geschätzt um rund 90 Milliarden Euro – also circa 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.“ Künftig werde der Mangel sich noch verschärfen. Schon in diesem Jahr gingen 350.000 Menschen mehr in Rente als aus den Schulen nachkämen, in den kommenden Jahren werde die Differenz noch größer werden.

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