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Zukunft von SAP : Problem Plattner

  • -Aktualisiert am

Hasso Plattner während der Ausstellung „Monet.Orte“ im Museum Barberini im Februar. Bild: dpa

Der deutsche Softwarekonzern SAP braucht einen neuen Chefaufseher. Einen mit mehr Ratio und weniger Herzblut. Die Zeit ist reif.

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          Hasso Plattner hat SAP mitgegründet, groß gezogen, an die Börse gebracht und zum teuersten an der Börse notierten Unternehmen Deutschlands gemacht. SAP ist heute der einzige europäische Softwarekonzern, der Konkurrenten aus Amerika Paroli bieten kann. Hasso Plattner ist, man kann das so sagen, eine Unternehmerlegende.

          Deshalb ist besonders betrüblich, was der 76 Jahre alte Grantler jetzt vollführt. Dass und wie er den langjährigen SAP-Vorstandsvorsitzenden Bill McDermott öffentlich kritisiert, ist armselig.

          Plattner selbst hat die milliardenschwere Einkaufstour des Amerikaners Jahre lang gestützt. Als SAP-Mitbegründer müssen ihm die Risiken klar gewesen sein, die diese vielen vor allem in Amerika zugekauften Unternehmen für die Unternehmenskultur von SAP bedeuten – und auch, welche Integrationslasten damit auf den Konzern zukommen.

          Auf der anderen Seite waren die Zukäufe  ohne Alternative. Die vergleichsweise lange Historie ist für Deutschlands IT-Vorzeigekonzern zur Bürde gewonnen. SAP musste anders – als die schnell wachsende Konkurrenz in der Cloud – auch die „alten“ Kunden bei Laune halten und in die neue Welt migrieren. Das kostet Zeit und Geld. Die Cloud-Tochtergesellschaften zu kaufen, um Zeit zu gewinnen und den Anschluss nicht zu verpassen, war also durchaus  begründet.

          Eine veritable Kehrtwende

          Doch anstatt diese Strategie zu verteidigen, redet sich Plattner nun heraus. Ausgerechnet jetzt, wo Fliehkräfte an dem Konzern zerren, schiebt er die Verantwortung weg und legt eine veritable Kehrtwende hin. Er hätte das anders gemacht, aber seine Worte seien nicht gehört worden, lautet seine Botschaft.

          Diese Rechtfertigung  wird wohl oder übel auch der neuen Führung zur Last werden. Denn wer Plattners Durchsage ernst nimmt, muss sich künftig bei jedem Vorstand fragen, wie fest der Aufsichtsrat tatsächlich zu ihm steht.

          Plattners erratisches Hin und Her hat den Konzern in eine gefährliche Zerreißprobe geführt. Dass der „Alte“ sogar ankündigt, eventuell (noch) länger in seinem Aufsichtsrats-Amt bleiben zu wollen, ist deshalb keine gute Nachricht.

          SAP braucht einen neuen Chefaufseher. Einen mit mehr Ratio und weniger Herzblut. Einen von außen. Die Zeit ist reif.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

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