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Mark Zuckerberg : Von einem, der auszog, die Welt zu vernetzen

35 Jahre alt, geliebt, gehasst, bewundert: Mark Zuckerberg Bild: AP

Was ist Facebook? Der Tech-Journalist Steven Levy hat ein Buch geschrieben über den Aufstieg und die Transformation des größten sozialen Netzwerks der Welt.

          3 Min.

          Was ist Facebook? Das größte soziale Netzwerk der Welt ist die wohl zugleich außergewöhnlichste und umstrittenste Unternehmung, die das Internet-Zeitalter bislang hervorbrachte. Mehr als zweieinhalb Milliarden Menschen rund um den Globus nutzen regelmäßig die Angebote des Technologiekonzerns, zu denen neben Facebook die Bilderplattform Instagram und der Mitteilungsdienst Whatsapp zählen.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Anleger halten Facebook für eines der wertvollsten Unternehmen überhaupt, regelmäßig erzielt der Konzern Milliardengewinne mit zielgenau zugewiesener Werbung. An der Spitze steht seit Beginn der heute 35 Jahre junge Unternehmer Mark Zuckerberg, der von Washington über Brüssel bis Lagos wie ein Staatsoberhaupt empfangen wird, in der jüngeren Vergangenheit von Parlamenten verhört wurde, vielerorts verehrt, vielerorts verteufelt wird. Was ist Facebook?

          Der amerikanische Journalist Steven Levy, der seit Jahrzehnten über die Tech-Branche berichtet, hat nun ein Buch vorgelegt über den Ursprung und Aufstieg dieses Ausnahmeunternehmens und seines wichtigsten Gründers. Levy sprach dafür mit vielen aktiven wie ehemaligen Facebook-Mitarbeitern, bekam exklusiven Zugang zu Mark Zuckerberg und dessen rechter Hand, der Spitzenmanagerin Sheryl Sandberg. Er spart nicht mit Anekdoten, schildert viele kleine und aussagekräftige Szenen.

          Alpha Centauri und klassische Antike

          Und er erzählt die ganze Geschichte. Davon, wie der zehn Jahre alte Mark Zuckerberg eines Abends seine Eltern bat, ihm eine Einführung in die Programmiersprache C++ zu kaufen, wie Vater Ed Zuckerberg, ein technikbegeisterter Zahnarzt, einen Nachhilfelehrer engagierte, um den Sohn in Informatik zu unterrichten. Wie sich Mark Zuckerberg schon während seiner Schulzeit für Computer und Videospiele begeisterte, besonders für das Spiel „Alpha Centauri“ aus Sid Meiers Civilization-Reihe, in dem er so gerne die Friedenstruppen befehligt habe – später sollte er sich einen Ausspruch von deren Anführer Pravin Lal zum Motto auf seinem Facebook-Profil machen, der da lautete: „Vorsicht, wenn dir jemand Zugang zu Informationen verwehren will, denn tief im Herzen sieht er sich als deinen Meister.“

          Zugleich habe Zuckerberg eine gewisse Leidenschaft für die klassische Antike entwickelt. Levy folgert daraus: „Irgendwo im Kopf dieses Jugendlichen braute sich alles zu einem großen Ganzen zusammen: das Draufgängertum von Eroberern. Zivilisationen. Risiken. Programmieren. Reiche gründen.“

          Ausführlich geht er darauf ein, wie Facebook entstand, als Idee einer Gruppe von Studenten der Harvard-Universität. Und wie sich dieser anfangs überschaubare Dienst auf andere Universitäten ausbreitete. Levy belässt es nicht dabei, auszuführen, wer dabei wen verärgerte, wessen Ideen in welchem Umfang aneignete oder auch nicht. Er vertritt vielmehr die These, dass damals, eben in den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende, aufgrund der technischen Entwicklung die Zeit reif war für soziale Netzwerke – und dass natürlich auch Zufall dahintersteckte, dass sich gerade Zuckerbergs Kreation durchsetzte.

          Er beschreibt ausführlich, wie das zunächst kleine Netzwerk schnell wuchs und Sandberg von Google zu Facebook wechselte – ein Wechsel, den der frühe Facebook-Investor und heutige Kritiker Roger McNamee maßgeblich mit herbeiführte. Und wie Facebook sich veränderte hin zu einem Unternehmen, das Menschen nicht nur weltumspannend vernetzen, sondern eben auch kommerziell erfolgreich sein wollte.

          Wandel nach der Wahl Trumps

          Eindrücklich illustriert Levy die große Transformation in der Wahrnehmung Facebooks durch die breite Öffentlichkeit – vom Friedensbringer zur Zeit etwa des Arabischen Frühlings zum Hassverstärker, Falschnachrichtenverbreiter und Datenleck (Stichwort Cambridge Analytica), wie sie sich infolge des aufkommenden Rechtspopulismus und der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten ausprägte. „Viele bei Facebook wussten, dass Trumps Leute die Plattform wie eine Stradivari spielten, während Clintons Team darauf eindrosch wie auf ein kaputtes Tambourin“, schreibt Levy. Managerin Sandberg sei damals zudem weiterhin angeschlagen gewesen durch den überraschenden Tod ihres Mannes Dave Goldberg im Jahr vor der Wahl.

          Der strukturelle Fehler Facebooks aber bestand nach Ansicht Levys in der grundsätzlichen Aufteilung der Verantwortlichkeit: Zuckerberg habe sich wesentlich auf die Produktweiterentwicklung konzentriert und Sicherheit und Kommunikation in Sandbergs Hände gelegt – obwohl gerade dieses Produkt wie womöglich kein zweites eine politisch-kommunikative Dimension besitzt, die davon gar nicht zu trennen ist.

          Zuckerberg selbst habe sich allerdings infolge der schwersten Krise des Unternehmens gewandelt. Levy berichtet von einem Treffen des höchsten Facebook-Führungszirkels („M-Team“) im Juli 2018, während dessen Zuckerberg aus einem Buch des Wagniskapitalgebers Ben Horowitz zitiert habe, der Unternehmenslenker in zwei Kategorien einteilt: in Friedens-CEOs und Kriegs-CEOs. Zuckerberg habe seinen Führungskräften gesagt, er sei nun ein Kriegs-CEO. Levy habe Zuckerberg daraufhin gefragt, ob ihn die Rolle des Kriegs-CEOs belasten oder ihm Spaß machen würde, er schreibt: „Es folgte ein typisches Zuck-Schweigen. Ein stechender Blick, das Auge Saurons. „Sie kennen mich jetzt schon so lange“, sagte er schließlich. „Mir geht es nicht um Spaß.““

          Und wie kommt Mark Zuckerberg in dem Buch rüber? Als zielstrebig, kreativ, naiv, schüchtern, fröhlich, sympathisch – nicht klar greifbar. Als, wie Levy schreibt, „Mann, der einst ausgezogen war, eine Welt zu vernetzen, die vielleicht gar nicht bereit war, vernetzt zu werden. Er vernetzte sie trotzdem.“

          Und natürlich ist diese Geschichte nicht zu Ende. Möglicherweise steht die nächste Transformation des Ansehens der sozialen Netzwerke und des Internets insgesamt bevor aufgrund der Corona-Pandemie. Viele Menschen nutzen die Dienste der großen Tech-Unternehmen intensiver - um sich zu informieren oder um von zuhause aus zu arbeiten. Ausgang offen.

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