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Telematik : Zu wenige Ärzte wollen Internet

  • -Aktualisiert am

Ein Stethoskop liegt neben einem Laptop. Bild: dpa

Bis Ende März waren Ärzte verpflichtet, die Voraussetzungen für die elektronische Gesundheitskarte zu schaffen. Neue Zahlen zeigen jetzt: Das Ziel eines flächendeckenden Anschlusses ist gefährdet.

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          Die Digitalisierung der Arztpraxen und ihre Anbindung an das sichere Internet ist weiterhin kein Selbstläufer. Mitte März hatte die Industrie nach Angaben der für die Telematik verantwortlichen Gesellschaft Gematik erst Anschlussaufträge für etwa 100.000 der bis zu 170.000 Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Krankenhäuser vorliegen. Bis Ende März waren die Ärzte allerdings verpflichtet, die Anschluss- und Lesegeräte für die elektronische Gesundheitskarte zu bestellen, damit diese bis zur Jahresmitte überall installiert sind. Die Industriezahlen sprechen dafür, dass das Ziel abermals verfehlt werden wird.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Auch jüngste Veröffentlichungen der Kassenärzte, die konkrete Daten für Mitte April und damit nach dem Auslaufen der Bestellfrist angekündigt hatten, geben keine klare Antwort. Unmittelbar vor den Osterfeiertagen teilte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit, genaue Zahlen über die bis Ende März erteilten Bestellungen lägen frühestens am Anfang des dritten Quartals vor, also dann, wenn laut Gesetz alle Praxen bereits am Netz sein müssen.

          Trotz der Datenlücke sagte KBV-Vorstand Thomas Kriedel voraus: „Ein nahezu vollständiges Ausrollen der Telematikinfrastruktur ist bis zum 30. Juni möglich.“ Der „Großteil“ der Ärzte und Psychotherapeuten habe TI-Ausstattung bestellt. Wie groß der Teil ist, bleibt im Dunkeln. Auch von Seiten der Kassenzahnärzte gibt es dazu keine verlässlichen Aussagen. Die Daten würden noch zusammengestellt, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Tatsächlich gibt es in der Ärzteschaft eine offenbar relevante Bewegung von Anschlussverweigerern, auch jenseits derjenigen, die sich eher aus Nachlässigkeit nicht darum kümmern. So hat sich der im Südwesten starke Ärzteverbund „Medi“ aktiv gegen die Vernetzung mit den Konnektoren für den sicheren Datentransport über das Internet positioniert.

          Skepsis überwinden

          Für die Verweigerer unter den Ärzten kann das teuer werden. Wenn sie Anfang Juli nicht die Technik zu Kommunikation mit der elektronischen Gesundheitskarte installiert haben, wird ihnen ein Prozent des Jahreshonorars gekürzt. Die Kassen übernehmen die Kosten für Kauf und Anschluss der Geräte.

          Die KBV versucht den „Schwarzen Peter“ an die Industrie zu reichen, die wegen Verzögerungen bei der Entwicklung der Technik in die Kritik geraten war. Nun liege es an der Industrie, die Praxen bis zur Jahresmitte anzuschließen. Bis Mitte März waren nach Angaben der Gematik, die sich auf Industrieangaben beruft, etwa 65.000 Arztpraxen sicher mit dem Netz verbunden – 35.000 weniger, als Bestellungen vorlagen. Anderthalbmal so viele müssten bis Juli angeschlossen werden, um die Vorgaben zu erfüllen.

          Das sichere Datennetz soll nicht nur die schnelle Prüfung der Versichertendaten möglich machen. In weiteren Ausbaustufen sollen darüber Gesundheitsdaten, elektronische Rezepte, Notfalldaten oder Arztberichte ausgetauscht werden. Die für die Entwicklung und Pflege des Netzes zuständige und von den Kassen finanzierte Gematik, die der Bund jetzt unter seine Kontrolle nimmt, hofft, dass die Ärzte ihre latente Skepsis gegen das System überwinden werden, wenn sie erst einmal von den medizinischen Vorteilen profitieren würden.

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