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Mode-Handel : Zara behauptet sich gegen Amazon und Co.

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Zara versucht, die Grenzen zwischen Online- und stationärem Handel verschwimmen zu lassen. Bild: dpa

Zara versucht, die Grenzen zwischen Onlinehandel und Filialen aufzulösen – und ist damit sehr erfolgreich. Im Gegensatz zu einem berühmten schwedischen Rivalen.

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          Im Kampf gegen Online-Händler wie Amazon ist die Zara-Mutter Inditex mit einem überraschenden Gewinnplus in ihr Geschäftsjahr gestartet. Die Erlöse ziehen unterdessen weiter kräftig an, wie der spanische Modekonzern am Mittwoch im spanischen Arteixo mitteilte. Inditex versucht die Grenzen zwischen Onlinehandel und Filialen aufzulösen und seine Shops mit neuen Attraktionen wie virtuellen Model-Auftritten attraktiver zu machen. So will der Konzern gegen Rivalen wie Amazon und Zalando punkten.

          An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Inditex-Aktie legte am Mittwoch zwischenzeitlich um mehr als 2,8 Prozent zu. Zuvor hatte sie allerdings seit Anfang 2017 fast elf Prozent an Wert verloren. Für die Papiere der schwedischen Rivalin Hennes & Mauritz (H&M) ging es in dieser Zeit sogar um 43 Prozent abwärts, nachdem das Unternehmen wegen des zunehmenden Online-Handels immer stärker ins Hintertreffen geraten war.

          Bei Inditex stand im ersten Geschäftsquartal von Februar bis April unter dem Strich nun ein Überschuss von 668 Millionen Euro - und damit zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet. Auch im laufenden Geschäft blieb trotz des starken Euro überraschend mehr Gewinn übrig.

          INDITEX INH. EO 0,03

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          HENNES + MAURITZ B SK-125

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          Der Umsatz wuchs zwar mit einem Plus von 1,5 Prozent auf 5,65 Millionen Euro nicht so stark wie gedacht. Das lag allerdings an ungünstigen Währungskursen. In Landeswährungen legten die Erlöse um sieben Prozent zu. Der operative Gewinn (Ebit) stieg um zwei Prozent auf 851 Millionen Euro. Fachleute hatten auch hier mit einem Rückgang gerechnet. Die viel beachtete Bruttomarge verbesserte sich von 58,2 auf 58,9 Prozent.

          Die Muttergesellschaft der Modekette Zara hat damit zu kämpfen, dass ihre Kosten überwiegend in Euro anfallen, sie den Großteil der Umsätze aber in anderen Währungen erwirtschaftet. Im Geschäftsjahr 2017/2018 hatten sich die Geschäfte des Unternehmens als so wenig profitabel entpuppt wie seit rund zehn Jahren nicht mehr.

          Im laufenden zweiten Geschäftsquartal legten die Erlöse in Landeswährungen bislang um neun Prozent zu. Unterdessen baut Inditex sein Filialnetz weiter aus. Allein Zara wuchs binnen eines Jahres um 25 Shops auf 2112 Läden auf der ganzen Welt (Stand Ende April). Konzernweit kam Inditex einschließlich Läden wie Zara Home, Stradivarius und Pull&Bear auf 7448 Shops, ein Plus von 63 Filialen.

          Betrachtet man die umsatzstärksten Online-Shops im Modesegment in Deutschland, liegt Zalando mit Abstand vorn, vor Otto und Bonprix. Erst dann kommt Amazon, gefolgt von H&M.

          Haupteigner ist der reichste Europäer

          In einer Reihe Zara-Läden hatte Inditex zuletzt Neuerungen wie etwa Erlebnisse virtueller Realität einziehen lassen. Per App können Kunden auf ihrem Handy Models anzeigen lassen, die als Hologramm scheinbar im Laden auftauchen und Zara-Kleidung vorführen, die der Kunde vor Ort kaufen kann. In einem neuen Shop in Großbritannien händigen Roboterarme hereinkommenden Kunden vorab im Internet bestellte Ware aus.

          In Australien und Neuseeland hat Zara gerade mit der Online-Vermarktung begonnen. Im Sommer will der Konzern ein neues, 90.000 Quadratmeter großes Versandlager in Spanien eröffnen, außerdem ist ein neues Logistikzentrum in den Niederlanden geplant.

          Haupteigner von Inditex ist der 82-jährige Amancio Ortega, dem 59 Prozent der Anteile gehören. Der Unternehmensgründer ist der reichste Europäer. Im weltweiten Vergleich fiel er zuletzt aber zurück. Auf der vom Finanzdienst Bloomberg erstellten Liste der reichsten Menschen der Welt hatte er 2017 mit Microsoft-Gründer Bill Gates und der Investorenlegende Warren Buffett etwa gleichauf gelegen. Inzwischen haben ihn Amazon-Chef Jeff Bezos und Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf den sechsten Platz verdrängt.

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