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Wird das Videoportal gelöscht? : So wiegelt Youtube die Kinder auf

„Youtube stirbt – kein Scheiß“: LeFloid hat Angst vor Artikel 13. Bild: YouTube, Screenshot F.A.Z.

Die Videoplattform Youtube macht Stimmung gegen ein neues EU-Gesetz. Der Protest nimmt ungeahnte Ausmaße an.

          6 Min.

          Fragt man Elfjährige nach ihren Zukunftsängsten, nennen diese nicht etwa die Gefahren eines Atomkrieges oder den Klimawandel. Das war einmal. In diesen Tagen rangiert das nahende Ende von Youtube ganz oben auf der Liste der Horrorszenarien. Man muss danach nicht einmal fragen. Von den Schulhöfen der Republik schallt immer wieder der gleiche Warnruf: 2019 wird Youtube gelöscht, endgültig und unwiederbringlich.

          Corinna Budras

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Befürchtung klingt bizarr, aber die Bestürzung der Kinder und Jugendlichen ist echt. Ältere Schüler sehen die Lage differenzierter: Nicht Youtube als Ganzes wird dem Boden gleichgemacht, sondern die vielen Kanäle der engagierten Youtuber, „Creators“ genannt. Sie machen die Plattform erst zu dem, was sie ist: ein Sammelsurium an Schminktipps, Lebenshilfe, Kompaktkursen oder Realsatire, mal kreativ, mal völlig talentfrei, alles in allem aber offensichtlich unverzichtbar in den schweren Jahren vor, während und nach der Pubertät. Was ohne sie von Youtube bleibt, sind die Kanäle großer Anbieter, die ohnehin keiner haben möchte und schon jetzt als „das Internet der Konzerne“ beschimpft werden.

          Mag das Ausmaß der befürchteten Zerstörung noch umstritten sein, der Schuldige ist schnell gefunden, da ist man sich auf Youtube einig: Es ist die EU, genauer eine Richtlinie des Europäischen Parlaments über das „Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt“. Inzwischen kennen schon Schüler der fünften Klasse den Artikel 13 ebenjener Richtlinie, die übrigens noch gar nicht beschlossen ist. Positiv gewendet, könnte daraus eines der erfolgreichsten Projekte zur Politisierung der Jugend werden, die es nach 1968 je gegeben hat – wenn umgekehrt nicht zu befürchten wäre, dass die Kampagne geradewegs in eine EU-Verdrossenheit führen könnte, die nicht einmal eine fundamentale Staatsschuldenkrise bewirken konnte. Kurz gesagt: So viel Stimmung gegen die EU war selten.

          Social Media als Beruf : „Influencer“ als Meinungsmacher

          Die Menge ist zu groß, sagt die Youtube-Chefin

          Wer das nicht glauben will, muss nur in die Welt von Youtube eintauchen und sich anschauen, was Millionen von Teenagern dort derzeit zu sehen bekommen: Prominente Kanal-Betreiber wie LeFloid (3,1 Millionen Abonnenten), Rayfox (1,3 Millionen), Rebekah Wing (1,4 Millionen) warnen eindringlich vor Artikel 13. Luca Scharpenberg, dessen Kanal 3,5 Millionen Menschen abonnieren, veröffentlichte am 4. November ein Video mit dem Titel „Mein Kanal wird gelöscht“, alleine diese Sequenz erreichte ein Millionenpublikum. Zwei Tage vorher erschien auf dem Youtube-Kanal „Wissenswert“ ein Video mit dem Titel „Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt“, angesehen haben sich das die Nutzer 3,7 Millionen Mal. Darunter steht die E-Mail-Adresse des CDU-Europaabgeordneten Axel Voss, der sich im EU-Parlament federführend um das Thema kümmert – und für die Richtlinie wirbt.

          Luca Scharpenberg hat in diesem Video am 4. November auf seinem Youtube-Kanal vor dem Artikel 13 gewarnt.
          Luca Scharpenberg hat in diesem Video am 4. November auf seinem Youtube-Kanal vor dem Artikel 13 gewarnt. : Bild: Lucas Youtube-Kanal, Screenshot F.A.Z.

          Anlass für die Aufregung ist nicht etwa ein neuer Sachstand. Die Diskussion über das Urheberrecht beschäftigt die EU-Institutionen schon lange. Für die Mobilisierung des Netzes gegen Brüssel hat Ende Oktober die Chefin von Youtube persönlich gesorgt. Susan Wojcicki warnte in einer gepfefferten Nachricht an die Videomacher vor den drastischen Konsequenzen, die die geplante Verschärfung des Urheberrechts haben könnte. Millionen von Menschen könnten daran gehindert werden, Inhalte auf Plattformen wie Youtube hochzuladen, schreibt sie im Blog des Unternehmens: „Diese Gesetzgebung stellt eine klare Bedrohung für euren Lebensunterhalt und eure Möglichkeit dar, euch weltweit Gehör zu verschaffen.“ Diese Horror-Botschaft wird seither weitergetragen, mit allerlei falschen Einordnungen.

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