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Youtube-Chefin warnt EU : „Niemand kann dieses Risiko tragen“

  • Aktualisiert am

Susan Wojcicki leitet Youtube seit fünf Jahren. Bild: AP

Die Debatte um ein neues digitales Urheberrecht tobt in Europa. Im Mittelpunkt: Die Videoplattform Youtube. Deren Chefin warnt jetzt eindringlich vor den Plänen der EU.

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          In der Diskussion um ein neues Urheberrechtsgesetz in Europa warnt die Vorstandsvorsitzende der Video-Plattform Youtube vor dramatischen Konsequenzen. „Die Videoproduzenten-Ökonomie ist bedroht durch ein Element des Bestrebens der EU, ihre Urheberrechts-Direktive zu überarbeiten“, schreibt Susan Wojcicki in einem neuen Blog-Beitrag.

          Dabei geht es um den Artikel 13 des Gesetzes, der gerade in der Netzgemeinde besonders stark diskutiert wird. In dem Artikel werden Plattform-Betreiber verantwortlich und damit haftbar gemacht für die Inhalte, die Nutzer hochladen, und zwar – und das ist der entscheidende Punkt – von dem Moment an, ab dem die Inhalte auf Youtube aufzufinden sind.

          400 Stunden neue Videos jede Minute

          „Wir unterstützen die Ziele des Artikels 13, allerdings wird er in der aktuellen, vom Europäischen Parlament beschlossenen Form unbeabsichtigte Konsequenzen haben, die einen profunden Einfluss auf das Leben Hunderttausender Menschen haben werden“, schreibt die Internet-Managerin. Ihren Worten zufolge ist es für Youtube nicht möglich, alle hochgeladenen Inhalte unmittelbar daraufhin zu überprüfen, ob sie nicht irgendein Urheberrecht verletzen.

          Zusammengerechnet würden Nutzer in jeder Minute mehr als 400 Stunden Videomaterial hochladen, schreibt Wojcicki und fügt hinzu: „Die potentiellen Verpflichtungen daraus sind so groß, dass kein Unternehmen so ein finanzielles Risiko eingehen könnte.“

          Selbst die Urheber sind häufig uneins

          Sie führt aus, dass häufig nicht einmal die Urheber untereinander einig darüber seien, welche Teile wem genau gehörten. „Wenn die Eigentümer selbst sich nicht einig sind, kann nicht von einer offenen Plattform erwartet werden, die diese Inhalte beheimatet, die richtigen Rechte-Entscheidungen zu treffen.“

          Als Beispiel nannte sie das mehr als fünfeinhalb Milliarden Mal angesehene Musikvideo „Despacito“, das verschiedenste Rechte beinhalte – obwohl Youtube mit einigen Urhebern Lizenzen vereinbart habe, seien einige Rechteinhaber weiterhin unbekannt. Trete das neue Gesetz inklusive des bisherigen Artikels 13 in Kraft, müsse die Plattform solche Videos künftig blocken, warnte Wojcicki.

          Sie verwies dabei auf die von Youtube seit einiger Zeit verwendete Software Contend ID, mit deren Hilfe das Eigentum an Videos auf der Plattform geklärt und verwaltet wird. Darüber seien Rechteinhabern bislang mehr als 2,5 Milliarden Dollar ausbezahlt worden.

          Würde der Artikel 13 in seiner bestehenden Form in der EU rechtskräftig, riskierten europäische Youtube-Nutzer, von Videos abgeschnitten zu werden, die sie alleine im vergangenen Monat 90 Milliarden Mal aufgerufen hätten, darunter auch wissenschaftliche Tutorials. Anstatt den Artikel 13 umzusetzen, wirbt die Managerin dafür, umfassendere Lizensierungs-Vereinbarungen zu erdenken. Durch eine bessere Zusammenarbeit mit den Rechteinhabern sollten zudem neue Werkzeuge entwickelt werden, die das geistige Eigentum und Teile davon besser erkennen.

          Das Europäische Parlament hat unlängst ein neues Urheberrecht grundsätzlich beschlossen – inklusive des Artikels 13. Nun beraten die Parlamentarier gemeinsam mit den Mitgliedsländer und der EU-Kommission darüber.

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