https://www.faz.net/-gqe-a21o3

Younes Zarou : Das ist Deutschlands neuer Tiktok-König

Deutschlands neuer Tiktok-König Younes Zarou Bild: Alissa Lüpke

Deutschlands Tiktoker mit den meisten Followern ist 22 Jahre alt und studiert Wirtschaftsinformatik. Als Junge wollte er Fußballprofi werden. Heute ist er Social-Media-Star und weiß ein Millionenpublikum hinter sich.

          3 Min.

          Er studiert im vierten Semester Wirtschaftsinformatik und erreicht auf Tiktok so viele Menschen wie sonst niemand in Deutschland: Younes Zarou ist mit 9,1 Millionen Followern Deutschlands neuer Tiktok-König und hat den Tischler „Falco Punch“ überholt, der diesen Titel bisher trug. Der habe ihm sogar schon gratuliert, sagt Zarou. Sie verstünden sich gut, bald könnte es gemeinsame Videos geben.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zarou ist 22 Jahre alt und nach eigenen Angaben erst seit zehn Monaten auf der Plattform aktiv. Er postet dort bunte Videos und Fotos, in denen er sich häufig Farbe ins Gesicht schmiert oder nass wird. Neben dem eigentlichen Video, das mit einigen visuellen Effekten spielt, die durch die Farbe oder das Wasser ausgelöst werden, postet er dann ein Video vom Dreh, das diese Effekte erklärt.

          Der Tiktok-König ist gut organisiert, er wollte mal Fußball-Profi werden, trainierte einst sogar einige Monate mit der B-Jugend von Eintracht Frankfurt. „Da muss man auch sehr diszipliniert sein“, sagt Zarou. Sein Manager ist Adil Sbai, der in Deutschland viele große Creator – so heißen die Produzenten auf Plattformen wie Tiktok – betreut, Zarous Pressearbeit läuft professionell.

          Videos als Familienproduktionen

          Doch wenn Zarou von seinen Videos erzählt, klingt es fast ein bisschen amateurhaft. Zwar sind die Videos durchgeplant, doch meistens dreht er in der Einfahrt seines Elternhauses, er stellt es als Familienproduktion dar: „Die Videos drehe ich alle mit meiner Familie.“ Für ein Video braucht er mehrere Stunden. Einen klassischen Tag beschreibt er so: Morgens läuft er ein, zwei Stunden im Haus der Familie umher, sucht nach Gegenständen, die er in seine Videos einbinden kann, und lässt sich gleichzeitig auch von anderen Tiktokern inspirieren. Dann geht es an die Umsetzung, zusammen mit der Familie, die aber kamerascheu sei. „Die Arbeit schweißt zusammen“, sagt Zarou.

          Fünf Geschwister hat er, die Mutter ist Krankenschwester, der Vater hat eine Autowerkstatt. „Eine kleine, marokkanische Familie“, sagt er darüber schmunzeln, auch wenn die Mutter in Deutschland groß geworden und nur der Vater in Marokko aufgewachsen ist. „Alles, was man sieht, macht eigentlich meine Familie.“ Eine Freundin hat er aktuell nicht.

          Kein Alkohol

          Schon als Kind wollte er Fußballprofi oder Social-Media-Star werden, sagt der gläubige Muslim, der fünfmal am Tag betet, keinen Alkohol trinkt und auch wenig davon hält, feiern zu gehen. Kurz vor dem Fachabitur in der 11. Klasse habe er dann einsehen müssen, dass es zum Fußballstar nicht reicht. „Als ich meinem Trainer gesagt habe, ich höre auf, ich konzentriere mich auf die Schule, da habe ich vor ihm geweint“, erzählt Zarou.

          Bekannt wurde er in der Corona-Zeit auch dadurch, dass er die Stay-at-home-Challenge ausgerufen und knapp einen Monat durchgängig sein Leben auf Tiktok übertragen hat. Damit wollte er dazu aufrufen, zu Hause zu bleiben. Später äußerte er sich auch zur Black-Lives-Matter-Bewegung. „Reichweite verpflichtet“, sagt er dazu.

          Zusammen mit seiner Agentur hat er noch ein zweites Format entwickelt: Ein Foto mit visuellen Effekten. Das erscheint am Ende eines Video, das erklärt, wie die Effekte zustandekommen. Diese nimmt er häufig auch auf großen Plätzen in Frankfurt auf. Dafür hat er dann ein anderes Team, seine Familie sei nicht dabei, sagt er.

          Populär ist er nicht nur in Deutschland. Mit knapp anderthalb Millionen Followern kommen die meisten aus Indien, wo Tiktok sehr beliebt ist, kürzlich allerdings verbannt wurde. Auch in Brasilien und Amerika erreicht Zarou viele Menschen. Weil er sich nicht auf Deutschland beschränkt, führen ihn manche gar nicht als deutschen Creator.

          Finanziell scheint sich die Berühmtheit noch nicht richtig ausgezahlt zu haben. Der Umsatz liegt nach eigenen Angaben bisher im niedrigen fünfstelligen Bereich. Er habe aber auch hohe Produktionskosten und verschleiße viele Smartphones, sagt Zarou. In den vergangenen Tagen hat er einige Videos mit Mercedes-Benz veröffentlicht – ohne Gegenleistung, wie er betont. Das überrascht, schließlich wurden die drei Videos zusammengenommen mehr als 13 Millionen Mal angeschaut.

          Fast alle Werbeanfragen würde er blocken, berichtet Zarous Manager Sbai. Die Unternehmen machten zu strenge Vorgaben, wie ein Werbepost auszusehen habe. Das funktioniere aber nicht auf Tiktok, weil der Algorithmus auf dieser Plattform schlechte Videos viel stärker aussiebe als beispielsweise der auf Instagram. Sbai lobt seinen Schützling fast überschwänglich für seine Arbeit: „Du bist sehr gut darin zu erkennen, ob ein Video viral geht.“ Er nennt ihn einen Perfektionisten. „Ich kenne niemanden, der besser darin ist, eine Dynamik in einem Video aufzubauen.“

          Spricht man Zarou auf den geopolitischen Streit um Tiktok zwischen China und Amerika an, wird er zurückhaltend. Eine Übernahme von Tiktok durch Microsoft würde er begrüßen. Doch für politische Themen sei er nicht der richtige Ansprechpartner. Auch darüber, dass Tiktok bisher dem chinesischen Bytedance-Konzern gehört, denke er nicht nach: „Ich möchte kreative Videos machen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spontane Proteste gegen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Madrid am Freitagabend.

          Corona in Spanien : Die Angst vor dem Notlazarett

          Die Infektionszahlen in der spanischen Hauptstadt explodieren und die Verwaltung weiß sich nur mit selektiven Ausgangssperren zu helfen. Das öffentliche Leben wird für einen Teil der Bevölkerung drastisch eingeschränkt.
          Der erste Streich: Gnabry nimmt Maß und trifft.

          8:0 gegen Schalke : Die Acht-Tore-Ansage

          Der FC Bayern demonstriert zum Saisonauftakt der Bundesliga seine Überlegenheit und demontiert den FC Schalke nach allen Regeln der Fußball-Kunst. Serge Gnabry trifft beim 8:0 drei Mal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.