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Batterie-Experte Martin Winter : „In Deutschland hapert es daran, aus Forschung Produkte zu machen“

Martin Winter leitet das MEET Batterieforschungszentrum an der Universität Münster. Bild: FZ Jülich/Judith Kraft

In Münster soll ein großes neues Batterie-Forschungszentrum entstehen. Der oberste Wissenschaftler erklärt, was er vorhat und wie er die Kritik von Bayern und anderen Bundesländern sieht.

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          Professor Winter, sind die 700 Millionen Euro für eine Batterieforschungsfabrik in Münster gut angelegtes Geld?

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Für Deutschland ist der Bau eines großen Zentrums ein wichtiger Schritt, den Wertschöpfungskreislauf in einem weiteren angewandten Forschungsfeld, dem Batteriesektor, zu schließen, also die akademischen Forschungsergebnisse in Industrieprodukte zu überführen. Und zweitens: Die Arbeiten, die wir in den Laboren leisten, als Innovationen an die Industrie zu bringen.

          Und konkret?

          Wir wollen neben Materialien und neuen Konzepten für Batteriezellen, auch Produktionsprozesse und zugehörige Fertigungsmaschinen entwickeln, testen und optimieren. Das Zentrum soll den Weg ebnen für eine Serienproduktion großer Batteriezellen in Deutschland. Und das möglichst umweltschonend und nachhaltig. Wir wollen nicht nur umweltverträglichere Materialien entwickeln, sondern auch die Batteriefertigung „grüner“ gestalten.

          Wie soll das gehen? 

          Etwa, indem die elektrische Energie, die man zur Fertigung einsetzt, aus erneuerbaren Quellen kommt, und man den Strom wieder zurückgewinnt. Oder indem man den Anteil kritischer Materialien – Kobalt zum Beispiel – reduziert oder substituiert. Und als Lösungsmittel Wasser verwendet, also auf organische Lösemittel möglichst verzichtet. Auch ein funktionierendes Recyclingkonzept gehört dazu. Und vieles mehr. Für diese Ziele ist es wichtig, dass wir alle Kompetenzen in Deutschland bündeln und einbinden.

          Was bedeutet die Entscheidung des Bundesforschungsministeriums für Nordrhein-Westfalen?

          Für Nordrhein-Westfalen ist das eine tolle Sache. Das Bundesland engagiert sich seit zehn Jahren kontinuierlich in der Batterieforschung. Die neue Landesregierung unter Armin Laschet hat einen Expertenrat für Elektromobilität ins Leben gerufen. Er soll die Aktivitäten auf dem Gebiet der Batterieforschung besser strukturieren. Und natürlich ist es eine Anerkennung, dass diese Aufbauarbeiten auch bundesweit Beachtung finden.

          Warum konnte sich Münster gegenüber Ulm, Karlsruhe, Salzgitter und Itzehoe durchsetzen?

          Für die Standortentscheidung hat das Bundesforschungsministerium eine Reihe von Gründen genannt. Ausschlaggebend sei unter anderem gewesen, dass wir in der Batterieforschung international tätig sind und ein vielversprechendes Konzept für einen geschlossenen Wertschöpfungskreislauf mit Industriepartnern entwickelt haben. Unser Recyclingkonzept wurde gelobt. Uns wurde die große Erfahrung in der Zellfertigung attestiert. Und eine Transferkompetenz: Das Forschungszentrum Jülich für die Grundlagenforschung für neue Generationen von Batterien ist in der Nähe, die RWTH für Produktionsverfahren – und wir in Münster sind spezialisiert auf neue Materialien für Batteriezellen.

          Es gibt bereits Kritik an der Entscheidung des Bundesforschungsministeriums.

          Dass sich Landespolitiker für ihr Bundesland stark machen, ist normal. Das wird auch von ihnen erwartet. Wir hatten sechs hervorragende Anträge, das hat auch das Bundesforschungsministerium bestätigt. Die Forschungsfertigung ist Teil eines großen Gesamtkonzeptes, an dem alle teilnehmen werden – auch wenn es nur einen physikalischen Standort für die Forschungsfertigung geben wird. Und deswegen sind wir alle sechs Gewinner. Ich fahre für einen Vortrag nächste Woche nach Ulm. Dort werden wir darüber reden, welche weiteren gemeinsamen Projekte wir durchführen werden. Gerade in der Batterieforschung ist noch viel zu tun in Deutschland.

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