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Tech-Konferenz DLD : Wikipedia-Gründer attackiert Facebook und Twitter

  • Aktualisiert am

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales Bild: AFP

„Ein Like ersetzt keine normale menschliche Interaktion“, sagt der Gründer der Online-Enzyklopädie Jimmy Wales. Und fällt ein harsches Urteil über die Sozialen Medien.

          2 Min.

          Wenn der Wikipedia-Gründer spricht, hört die Tech-Welt zu. Am Montag redete Jimmy Wales den Nerds, die längst keine mehr sind, sondern ein einflussreiches Milieu geworden sind, gehörig ins Gewissen. Auf der Digitalkonferenz DLD gab er den Richter, der das Urteil über gute und schlechte Technologie fällt. Das entscheidende Kriterium ist für ihn: Erlaubt eine Seite oder eine Plattform, tief einzusteigen in Themen, oder motiviert sie im Gegenteil dazu, sich oberflächlich zu verhalten?

          Als „Good tech“ qualifizieren sich seiner Ansicht nach: Streaming-Plattformen wie Netflix, wo sich gute Dokumentationen fänden. „Dort kann ich tief eintauchen in komplexe, hochwertige Unterhaltung.“ Oder Suchmaschinen, die bei der Recherche helfen. Und natürlich Wikipedia, mit einem Augenzwinkern: „Offensichtlich die beste Sache im Internet.“

          „Junk Food für das Gehirn“

          Den Daumen senkt Wales vor allem über zwei Plattformen: Facebook und Twitter. Sie würden die Nutzer süchtig machen und dazu verleiten, sich oberflächlich zu verhalten. „Ein Like ersetzt keine normale menschliche Interaktion“, meint der Wikipedia-Gründer. Der Grund sei das Geschäftsmodell, das auf Werbung basiere und damit darauf, dass die Nutzer möglichst viel Zeit auf den Plattformen verbrächten. „Die sind wie Junk Food für das Gehirn.“ Das könne man auch mal essen, aber wenn man sich davon ernähre, werde es schädlich.

          Sein Ratschlag deshalb: Weniger nutzen oder – wenn man feststelle, dass man das nicht schaffe – seine Konten dort eben löschen. Wer dann nach Alternativen sucht, für den hat Wales auch direkt eine Lösung: Er nutzte die Präsentation für einige Werbeblöcke für seine eigenen Projekte, darunter auch ein Soziales Netzwerk. Dabei hat er, so stellt er in seiner Präsentation dar, eine Situation aus seinem eigenen Alltag vor Augen: Einmal in der Woche trifft er sich auf Zoom mit seiner in ganz Amerika verteilten Familie, um Brettspiele zu spielen. Diese Art von Interaktion sollten auch Soziale Medien ermöglichen.

          Technik als Lösung

          Während sich der Wikipedia-Gründer also als Richter präsentierte, kamen zwar auch von vielen anderen DLD-Rednern nachdenkliche, zumeist aber weniger absolute Töne. Technologie sei nie per se gut oder böse, sondern immer schon Teil der Lösung wie Teil der Probleme gewesen, meinte etwa der legendäre Silicon-Valley-Unternehmer Reid Hoffman, der einst das soziale Netzwerk LinkedIn gegründet und zudem für Paypal und Apple gearbeitet hatte.

          Seiner Ansicht nach befindet sich das Internet in einer abermaligen Transformation. Nachdem zunächst im Vordergrund stand, alle Menschen miteinander zu verbinden und ähnlichen Informationszugang überall auf der Welt zu schaffen („Voice to the Unvoiced“), spiele jetzt die Frage der sozialen Kohäsion eine deutlich zentralere Rolle. Hoffman, der sich im zurückliegenden Präsidentschaftswahlkampf aktiv für Joe Biden engagierte, zielte damit insbesondere auf die kulturelle Kluft in der amerikanischen Gesellschaft ab. Es gehe darum, verschiedene gefühlte Wahrheiten wieder miteinander zu vermitteln. Techniken dafür gebe es ausreichend, wissenschaftliche Experimente ebenso wie juristische Verfahren oder aufklärende Untersuchungs-Kommissionen.

          Dass die Tech-Welt aber vor grundlegenden Reformen steht, darin waren sich auf der Konferenz alle einig. Nur: Das war auch in den vergangenen Jahren schon so.

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