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Neue Studie : Wie tödlich ist Pokémon Go?

Wer will denn gleich das Verbotsschild auspacken? Bild: dpa

Ökonomen haben Schäden untersucht, die durch das beliebte Smartphone-Spiel entstanden sein sollen. Vor allem Autofahrer sind unvorsichtiger geworden.

          2 Min.

          Das Smartphone-Spiel Pokémon Go hat im vergangenen Jahr rund um die Welt monatelang für Aufsehen gesorgt. Mehr als 500 Millionen Mal wurde das Programm allein in den ersten 60 Tagen nach Erscheinen heruntergeladen. Im Juli 2016 kamen für die Macher hinter dem Spiel – die Pokémon Company, der japanische Spielehersteller Nintendo und das amerikanische Entwicklerstudio Niantic – jeden Tag Umsätze von 18 Millionen Dollar zusammen.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Inzwischen hat sich der Rummel um das Spiel deutlich beruhigt, wenige Pokémon-Jäger streifen noch auf der Suche nach den animierten Monstern durch die Innenstädte. Doch zwei Ökonomen aus den Vereinigten Staaten haben nun untersucht, welche dunklen Seiten mit dem Erfolg von Pokémon Go einhergingen. Die Forscher schätzen die Schäden, die durch das Spiel entstanden sind, allein für die Region Tippecanoe County im Bundesstaat Indiana auf 5,2 bis 25,5 Millionen Dollar.

          Schaden von bis zu 7,5 Milliarden Dollar

          Hochgerechnet auf die Vereinigten Saaten kommen die Ökonomen auf eine Schadenssumme durch Beschädigungen, Verletzungen oder sogar Todesfälle auf bis zu 7,5 Milliarden Dollar. Die Ökonomen untersuchten dafür rund 12.000 Polizeiberichte und erkannten eine steigende Zahl an Unfällen in den ersten 148 Tagen nach Erscheinen von Pokémon Go.

          Um zu verstehen, warum sie das getan haben, muss das Spielprinzip kurz erläutert werden: Die Besonderheit des Smartphone-Spiels liegt nämlich nicht nur im vergleichsweise großen Erfolg, sondern auch darin, dass man sich draußen fortbewegen muss, um Ziele zu erreichen. Dafür reicht es nicht, die Pokémon zu finden, die Spieler brauchen auch Hilfsmittel wie gewisse Tränke oder Bälle, um die japanischen Zeichentrickmonster zu fangen. In dem Spiel, das mit Hilfe von „Augmented Reality“ virtuelle Inhalte in die echte Welt projiziert hat, werden somit im Spiel Turnhallen, Geschäfte, Bushaltestellen oder Denkmäler zu sogenannten Pokéstops, an denen die Spieler Zusatzinhalte erhalten.

          Unfälle durch das Smartphone am Steuer

          Mara Faccio und John McConnell, die beide an der Purdue Universität in Indiana lehren, sahen jedenfalls in ihrem Untersuchungsgebiet 286 zusätzlich Unfälle, von denen 134 in der Nähe von solchen Pokéstops passierten und die sie deshalb Pokémon-Go-Spielern zurechneten. In ihrer 49 Seiten umfassenden Studie mit dem Titel „Tod durch Pokémon Go“ erläutern die Ökonomen zudem, warum sie diese Unfälle direkt den Spielern zuschreiben. Denn schon allein dadurch, dass mehr Menschen vor die Tür gehen, um Pokémon Go auf ihren Smartphones zu spielen, könnte es zu vermehrten Unfällen kommen. Doch die Forscher sehen die Schuld vor allem bei abgelenkten Autofahrern.

          Eigentlich verbietet das Spielprinzip, dass sich die Pokémon-Jäger zu schnell bewegen, doch einige Autofahrer haben die GPS-Messung immer wieder ausgetrickst. Wer allerdings auf sein Handydisplay am Steuer schaut, ist abgelenkt und dadurch unfallgefährdeter.

          Pokémon Go mache unvorsichtiger

          Das trifft freilich genauso auf andere Ablenkungen zu, wie Textnachrichten zu lesen oder durch Social-Media-Apps zu stöbern. Zudem besteht das Problem nicht erst seit Pokémon Go: Nach Daten des gemeinnützigen „Insurance Information Institute“, das Versicherungen untersucht, ist die zunehmende Smartphone-Nutzung am Steuer eine Erklärung für den Anstieg der Versicherungsprämien von 16 Prozent zwischen 2011 und 2016 in Amerika.

          Die Forscher kommen trotzdem zu dem Schluss, dass der zumindest zeitweilige Suchtfaktor von Pokémon Go die Spieler risikofreudig und unvorsichtig gemacht habe und dadurch mehr Unfälle passiert sind.

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