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Schlaue Software austricksen : Wie man künstliche Gesichter enttarnt

Dass Jia Jia ein Roboter ist, erkennt man kaum noch. Jia Jia wurde an der University of Science and Technology of China entwickelt. Bild: AFP

Algorithmen entwerfen Gesichter von Menschen, die es gar nicht gibt. Und die Bilder sind kaum von echten Fotos zu unterscheiden. Einige Fehler machen die Programme aber noch.

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          Ein Foto schafft Vertrauen. Ob jemand ein Buch rezensiert oder eine Dönerbude, ob jemand eine Freundschaftsanfrage stellt, sich beruflich vernetzen möchte oder auf einer Partnerbörse Kontakt aufnimmt – wer sein Foto zeigt, sich also zu erkennen gibt, dem vertraut man eher.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Deshalb hat Mitte Februar eine Webseite für Aufsehen gesorgt, die mithilfe Künstlicher Intelligenz Gesichter von Menschen generiert, die es gar nicht gibt. Und deshalb haben Wissenschaftler von der University of Washington in Seattle jetzt eine Webseite gestaltet, die Nutzern hilft, generierte und echte Gesichter voneinander zu unterschieden.

          Sie hätten zum Ziel, schreiben Jevin West und Carl Bergstrom, ihre Nutzer darauf aufmerksam zu machen, „mit welcher Leichtigkeit digitale Identitäten gefälscht werden können“, und ihnen beizubringen, diese Fälschungen mit einem Blick zu identifizieren – zumindest so lange, wie die Künstliche Intelligenz (KI) noch Fehler macht. Schließlich seien neue Technologien vor allem dann gefährlich, wenn sie existierten und genutzt würden, die Öffentlichkeit davon aber noch nichts mitbekommen habe.

          Noch macht die KI Fehler

          West und Bergstrom listen einige Hinweise auf, wie gefälschte Gesichter enttarnt werden können: Die Gesichter generierende KI baut hin und wieder noch kleine Wassertropfen in die Gesichter ein, die dort nichts zu suchen haben. Oder sie denkt sich einen Hintergrund aus, der wenig realistisch wirkt. Da sieht man dann beispielsweise eigenartige kubistische Formen, die in der Realität kaum auftauchen – es sei denn, man steht vor einem Picasso-Bild.

          Die Algorithmen hätten zudem noch große Mühe mit der Symmetrie: Das eine Brillenglas habe manchmal eine andere Form als das andere, Bärte seien ungewöhnlich asymmetrisch rasiert und die Ohrringe häufig nicht auf beiden Seiten gleich.

          Ebenso würden die Haare und die Zähne der künstlichen Gesichter noch nicht ganz überzeugen. Die Haare tauchten manchmal aus dem Nichts auf der Stirn auf oder seien unglaubwürdig glatt gekämmt. Die Zähne wirkten manchmal, als gingen sie ineinander über.

          Dagegen gebe es, so die Wissenschaftler, noch einige recht verlässliche Methoden, authentische Gesichter zu erkennen. Der Algorithmus generiere bisher noch nicht mehrere Bilder der gleichen gefälschten Person. Sie wüssten auch sonst noch von keinem Programm, das in der Lage wäre, die gleiche gefälschte Person aus verschiedenen Perspektiven zu zeigen.

          Wer Zweifel habe an der Echtheit eines Bildes, könne also online nach dem Bild suchen und schauen, ob die Person aus unterschiedlichen Perspektiven gezeigt wird. Sei das der Fall, handele es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um ein künstlich generiertes Bild. Allerdings würde es sicher nicht mehr lang dauern, bis eine KI auch dazu in der Lage sei.

          Algorithmen, die sich gegenseitig trainieren

          Das kalifornische Unternehmen Nvidia hat das Programm namens Style-GAN entwickelt, der die künstlichen Gesichter generiert. Style-GAN ist eine Ende 2018 veröffentlichte Weiterentwicklung einer derzeit angesagten KI-Methode (Generative Adversarial Networks, GAN), deren Programmcode Nvidia im Februar öffentlich gemacht hat.

          Ein GAN verwendet vereinfacht gesagt zwei miteinander kommunizierende Algorithmen, die sich gegenseitig trainieren: Der eine versucht, Fotos zu generieren, die der andere Algorithmus nicht von authentischen Fotos unterscheiden kann. Der andere Algorithmus ist darauf programmiert, die Fälschungen zu enttarnen. Mit jeder Wiederholung des Spiels werden die Algorithmen besser. Der Informatiker Ian Goodfellow verglich das Konzept mal mit einem Künstler, der die Mona Lisa kopiert, und einem Kunstkritiker, den er überzeugen möchte, dass es sich um das Original handelt.

          Style-GAN ist nun in der Lage, verschiedene Aspekte des Gesichts zu unterscheiden: Es identifiziere das Alter, das Geschlecht, die Haarlänge, Brillen und die Pose automatisch und könne diese nun automatisch mit anderen Gesichtern kombinieren. Das Programm sei auch auf andere Datensätze anwendbar: Ob Autos oder Schlafzimmer. Style-GAN ist also nicht nur ein Photograph, sondern auch Autodesigner und Innenarchitekt.

          Computerprogramme sorgten schon in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufsehen in diesem Bereich. In Videos legten Algorithmen Politikern Worte in den Mund, die sie nie gesagt hatten. Die Videos wirkten sehr authentisch.

          In einem warnte Barack Obama vor den Gefahren durch Videomanipulation. In anderen Anwendungen wurden Gesichter von Prominenten in Pornofilme geschnitten.

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