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Gute Netzwerke : Facebooks Schwachstellen

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Die Vorteile lägen auf der Hand, sagt er: „Es gibt kein Facebook zwischen den Nutzern, das die Algorithmen diktiert und unsere Nutzungsprofile vermarktet. Kein Whatsapp dazwischen, dem wir glauben müssen, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Chats schon funktionieren wird. Und kein Youtube dazwischen, das einzelne Kanäle dichtmachen und das größte Videoarchiv der Welt mit einem Schlag offline nehmen kann.“

Zur Finanzierung schlägt er eine Gebühr vor, die - analog dem Rundfunkbeitrag - zentral erhoben und an die Server-Betreiber verteilt wird. „So wie wir in öffentlich finanzierten Schulen, Krankenhäusern und Ämtern keine Werbung dulden und unsere Autobahnen nicht über Banden-Werbung wie im Fußball finanzieren, so sehe ich einen zentralen Unterschied zu Facebook darin, dass den Nutzern hier nicht gegen ihren Willen Werbung rein gedrückt werden darf.“

Ein funktionierendes Netzwerk gibt es schon

Ein Netzwerk, das schon auf diese Weise funktioniert, ist Diaspora. Gegründet von vier Mathematik-Studenten der New York University im Jahr 2010, nahm es innerhalb weniger Wochen 200.000 Dollar auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter ein, so viel wie kein anderes bis zu dem Zeitpunkt. Selbst Mark Zuckerberg sagte damals im Gespräch mit „Wired“, das Projekt sei eine „coole Idee“, und er habe selbst an die Non-Profit-Organisation gespendet.

Das Netzwerk basiert auf lokalen Servern, sogenannten Pods, die auf der ganzen Welt verteilt sind. Nutzerinnen können sich für einen Pod entscheiden oder selbst einen betreiben. Klarnamen sind nicht erforderlich, die Daten - damit wirbt das Projekt - bleiben Eigentum des Nutzers. Ähnlich zu Facebook kann man Beiträge posten, liken, teilen und mit Hashtags versehen. Nach eigenen Angaben hat die Plattform heute 687.000 registrierte Nutzer, davon waren allerdings nur 30.000 im vergangenen Monat aktiv. Der Quellcode ist, und da liegt ein weiterer entscheidender Unterschied zu Netzwerken wie Facebook, Open Source und damit öffentlich einsehbar.

Diaspora will eine dezentral organisierte Alternative zu Facebook sein.
Diaspora will eine dezentral organisierte Alternative zu Facebook sein. : Bild: Screenshot / F.A.Z.

Abwegig ist die Idee eines sozialen Netzwerks mit offenem Quellcode nicht. Selbst der ehemalige österreichische Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) forderte im vergangenen Jahr, Facebook und Google sollten ihre Algorithmen offenlegen, um sie demokratisch kontrollieren zu können.

Offen bleibt: Wer kümmert sich um Hassbeiträge? Auf Diaspora aufgrund seines Nischendaseins (noch) kein großes Problem, stellt Facebook gerade auf Druck der Öffentlichkeit Tausende neue Mitarbeiter ein, die sich um solche Postings kümmern. Wer soll das in einem dezentralen Netzwerk tun? Henning Krause sieht hier die Politik in der Pflicht, oder zumindest einen „demokratisch legitimierten Prozess“. So sollen nicht nur die technischen Standards ausgehandelt und die Finanzierung gesichert werden, sondern auch Inhaltsrichtlinien definiert, die dann von Moderatorinnen kontrolliert und umgesetzt werden.

Das größte Problem dürfte aber sein: Menschen von Facebook weg und zu solch einem Netzwerk hinlocken. Siehe oben.

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